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Pfeilgift aus Eisenhutwurzel

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

Sonstiges ⚠ Viel Interpretationsspielraum Aufwändig
⏱ 30 Min.👥 Für die Herstellung einer hochgiftigen Substanz zur Jagd📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Pfeilgift aus Eisenhutwurzel — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 170r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Poisons pour tuer cerf ou sanglier. Prenez la racine de l'erbe de lectoire qui fait fleur de couleur d'azur, et broyez en ung mortier et mectez en ung sac ou drapel; et l'espraignez pour avoir le jus et mectez icelluy jus en ung bacin au soulail; et la nuyt soit mis a couvert a sec que eaue ne autre liqueur moicte ne l'actouche, et tant la mectez et remectez a la chaleur qu'elle se tiengne conglutinee et prise comme cire gommmee, et la mectez en une boiste bien close. Et quant en vouldrez traire si en mectez entre les barbillons et la douille du fer, afin que quand la beste sera ferue cela fiere et actouche a la char. Car qui autrement le feroit (c'est assavoir qui oindroit autrement le fer) quant il entreroit dedens le cuir de la beste, l'oincture demourroit dedens et le cop ne vauldroit.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Nimm die Wurzel des Krautes 'Lectorie', das azurblaue Blüten trägt. Zerstoße sie in einem Mörser und gib sie in einen Beutel oder ein Tuch. Presse sie aus, um den Saft zu gewinnen. Gib diesen Saft in eine Schale und stelle sie in die Sonne. Nachts soll der Saft trocken und bedeckt aufbewahrt werden, damit weder Wasser noch andere feuchte Flüssigkeit ihn berührt. Setze ihn so lange immer wieder der Wärme aus, bis er sich verklebt und fest wie Gummiharz anfühlt. Gib ihn dann in eine gut verschlossene Dose. Und wenn du ihn verwenden willst, so gib ihn zwischen die Widerhaken und die Tülle der Speerspitze, damit, wenn das Tier getroffen wird, dies das Fleisch trifft und berührt. Denn wer es anders machen würde (das heißt, wer das Eisen anders bestreichen würde), wenn es in die Haut des Tieres eindringen würde, bliebe die Salbung darin und der Stoß wäre nutzlos.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
la racine de l'erbe de lectoire qui fait fleur de couleur d'azur Wurzel des Blauen Eisenhuts (Aconitum napellus) ⚠ Extrem giftig! Nicht zur Nachahmung empfohlen. Wildsammlung ist illegal und lebensgefährlich. Alternativ: null.

Anmerkungen

erbe de lectoire
Bezeichnet hier den Blauen Eisenhut (Aconitum napellus), eine der giftigsten Pflanzen Europas, die im Mittelalter für Pfeilgifte verwendet wurde.
barbillons
Widerhaken an einer Pfeil- oder Speerspitze.
douille du fer
Die Tülle oder Fassung der Eisenspitze, mit der sie auf den Schaft gesteckt wird.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

erbe de lectoire qui fait fleur de couleur d'azur

Gewählte Lesart: Die Beschreibung 'Kraut, das azurblaue Blüten trägt' in Verbindung mit der Verwendung als Gift deutet stark auf den Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) hin, eine in Europa heimische und extrem giftige Pflanze, die historisch für Pfeilgifte genutzt wurde.

Häufige Fragen

Was ist 'erbe de lectoire' und wo bekomme ich es?

'Erbe de lectoire' bezieht sich hier auf den Blauen Eisenhut (Aconitum napellus), eine extrem giftige Pflanze mit azurblauen Blüten. Ihre Wurzeln enthalten hochwirksame Alkaloide, die tödlich sein können. Die Beschaffung und Verwendung dieser Pflanze ist gefährlich und in vielen Regionen illegal. Dieses Rezept ist nicht zur Nachahmung gedacht und dient lediglich der historischen Dokumentation. Versuche niemals, diese Substanz herzustellen oder zu verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die Lagerküche oder ein Mittelaltermarkt-Lager geeignet. Es handelt sich um die Herstellung eines hochgiftigen Pfeilgifts, dessen Verwendung illegal und lebensgefährlich ist. Es ist kein Lebensmittel und sollte unter keinen Umständen nachgekocht oder nachgestellt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch aus der Zeit um 1393. Es wurde in Paris verfasst und gibt Einblicke in das Leben und die Praktiken des späten Mittelalters, einschließlich Jagdmethoden und der Verwendung von Giften.

Was bedeuten 'barbillons' und 'douille du fer' im Rezept?

'Barbillons' sind die Widerhaken an einer Pfeil- oder Speerspitze, die verhindern, dass die Spitze leicht aus der Wunde gezogen werden kann. Die 'douille du fer' ist die Tülle oder Fassung der Eisenspitze, der hohle Teil, in den der Schaft des Pfeils oder Speers gesteckt wird. Das Gift sollte zwischen diese Teile aufgetragen werden, um sicherzustellen, dass es beim Eindringen in das Tier direkt das Fleisch erreicht und nicht nur in der Haut verbleibt.

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