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Fenchel auf Martino-Art

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Den Fenchel kocht man wie Kohl, nur dass er feiner geschnitten und länger gegart sein will, mit etwas Pfeffer und gesalzenem Fleisch oder mit Öl.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Li finocchi 500 g Fenchel - -
un pocho di pepe eine Prise Pfeffer - -
carne salata 100 g gesalzenes Fleisch Metzger geräucherter Bauchspeck
overo olio 1 EL Öl - -

Welches Gericht ist das? Geschmorter Fenchel als warme Gemüsebeilage - der direkte Vorfahr der italienischen finocchi in umido bzw. finocchi brasati, die man bis heute zu Schmorgerichten reicht. Martino macht es sich kurz: Fenchel behandelt man genau wie sein Kohlrezept (minestra di cavoli), nur in zwei Punkten anders.

Feiner und länger. Die beiden Abweichungen, die Martino nennt: più menuti - feiner geschnitten - und più cotti - länger gegart. Beides hat denselben Grund: Fenchelknollen sind faseriger und fester als Kohlblätter, in groben Stücken bleiben sie bissfest und strähnig. Klein geschnitten und lange geschmort werden sie weich und süßlich-mild, das scharfe Anis-Aroma kocht sich heraus.

Würze und Fett. Gewürzt wird mit etwas Pfeffer; das Fett bringt entweder carne salata (gepökeltes, gesalzenes Fleisch, das beim Mitgaren Salz und Geschmack abgibt) oder, als Fasten- und Magervariante, schlicht Öl. Dasselbe Würzschema steht im Nachbarrezept, dem Rübenmus (mar-066): Gemüse weich garen, mit gesalzenem Fleisch und Pfeffer abschmecken.

Praxis. Etwa 500 g Fenchelknollen putzen, harte Strünke entfernen, in feine Streifen oder kleine Würfel schneiden. In wenig Wasser oder Brühe weich schmoren - rechne mit 25 bis 35 Minuten, deutlich länger als für Kohl. Dabei 80-100 g gepökelten Bauchspeck oder Pökelfleisch mitgaren oder, fleischfrei, 1-2 EL Olivenöl zugeben. Mit Pfeffer abschmecken; weil das Pökelfleisch salzt, erst zum Schluss nachsalzen. Wer es saftiger mag, lässt etwas vom Garfond am Gemüse.

Was ist 'Minestra' in diesem Kontext?

Im mittelalterlichen Italien bezeichnete ‚Minestra‘ nicht nur Suppen, sondern allgemein Gerichte, die in einer Schüssel serviert wurden, oft als Beilage oder leichter Gang.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige Zutaten und kann problemlos in einem Topf über offenem Feuer zubereitet werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts in Norditalien.

Was bedeutet 'carne salata' im Rezept?

‚Carne salata‘ bezieht sich auf gesalzenes oder gepökeltes Fleisch, das zur Konservierung behandelt wurde. Dies konnte Schweinefleisch (wie Bauchspeck) oder auch Rindfleisch sein. Es dient hier als würzige Komponente.

[Minestra di finocchi.] Li finocchi si cocono como li chavoli, excepto che vogliono essere più menuti et più cotti con un pocho di pepe et carne salata, overo olio.
Minestra

Ein Gericht, oft eine Suppe oder ein Eintopf, aber auch eine Beilage oder ein Gemüsegericht.

chavoli

Kohl, hier vermutlich Weißkohl.

menuti

Feiner geschnitten, kleiner.

cotti

Gekocht, hier länger gekocht.

carne salata

Gesalzenes, gepökeltes Fleisch.

overo

Oder.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 19r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 19r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Sehr lagertauglich: ein Topf, eine Feuerstelle, fertig. Der Fenchel ist robust und transportfreundlich, das gesalzene Fleisch (oder Öl als Fasten-Variante) braucht keine Kühlung. Garzeit länger als bei Kohl einplanen, damit der Fenchel weich wird.
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