Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Reinige die Rüben und schneide sie in große Stücke. Koche sie gut gar in einer guten Fleischbrühe. Danach passiere die Rüben durch einen großen, gelochten Löffel oder zerstoße sie. Gib sie anschließend zurück in eine gute, fette Brühe und lasse sie mit etwas gesalzenem Fleisch, Pfeffer und Safran aufkochen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| rape | 500 g Rüben | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
| bon brodo di carne | 1 Liter Fleischbrühe | Supermarkt, Metzger | - |
| pocha di carne salata | 100 g gesalzenes Fleisch | Metzger | - |
| pepe | 1 Prise Pfeffer | - | - |
| zafrano | 1 Prise Safranfäden | Supermarkt, Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Ein Rüben-Püree in Fleischbrühe - der direkte Vorfahr des modernen Steckrüben- oder Rübenmus, wie es als deftige Beilage zu gepökeltem Fleisch bis heute auf den Tisch kommt. Martino kocht die Rüben erst weich, treibt sie durch und lässt sie ein zweites Mal in fetter Brühe mit gesalzenem Fleisch ziehen. Dasselbe Verfahren - garen, zerstoßen, in Brühe binden - findet sich quer durch den Korpus: das mandelmilch-basierte Rübenmus aus dem Registrum Coquine (boc-057), die honig-gesüßte Fasten-Variante bei Severin (sev-190) und die schlichten Brüh-Rüben des Ménagier (men-054).
Warum erst kochen, dann passieren? Das Vorgaren in Brühe macht die festen Rüben überhaupt erst durchtreibbar und nimmt ihnen die Schärfe. Der cocchiaro grande forato - ein großer, gelochter Schöpflöffel - dient hier als Durchschlag: man drückt die weichen Rüben hindurch und erhält ein grobes Mus. Pistale (im Mörser zerstoßen) ist die genannte Alternative. Beides liefert dieselbe musige Textur ohne Häcksler.
Die zweite Brühe. Der zweite Durchgang in brodo grasso (fetter Fleischbrühe) ist der Geschmacks-Schritt: das gesalzene Fleisch (carne salata, gepökelter Schweinebauch oder Rind) salzt und würzt das Mus von innen, Pfeffer gibt Schärfe, Safran Farbe und höfischen Status. Das Mus zieht so Fett und Aroma, statt nur in Wasser zu zerfallen.
Praxis. 500 g Speise- oder Steckrüben schälen, grob würfeln, in ca. 1 l kräftiger Fleischbrühe weich kochen (20-30 Min). Abgießen, durch ein grobes Sieb streichen oder mit dem Kartoffelstampfer zerdrücken (nicht im Mixer - es soll grob bleiben). Zurück in etwas frische, fette Brühe geben, 100 g gewürfeltes Pökelfleisch (Kasseler, gepökelter Bauch) dazu, mit Pfeffer und einer Prise Safran 10 Min sanft köcheln. Salz erst am Ende - das Pökelfleisch und die Brühe salzen bereits mit.
Im Mittelalter wurde ein großer Fleischmörser verwendet, um Zutaten zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Für dieses Rezept kannst du die Rüben auch mit einer Gabel zerdrücken oder einen Kartoffelstampfer verwenden. Eine Küchenmaschine oder ein Blender erzielt ebenfalls ein feines Mus.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Du benötigst lediglich einen Topf, einen Schaumlöffel oder eine Gabel zum Zerdrücken und eine Feuerstelle.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem berühmten Koch aus Norditalien.
Im mittelalterlichen Kontext sind mit ‚Rüben‘ meist verschiedene Sorten von Speiserüben gemeint, wie Mairüben, Teltower Rübchen oder auch Steckrüben. Wähle eine Sorte, die dir geschmacklich zusagt und gut erhältlich ist.
Rüben (im Mittelalter waren verschiedene Sorten wie Mairüben oder Steckrüben verbreitet)
Großer Schaumlöffel mit Löchern, hier zum Zerdrücken der Rüben verwendet
Zerstoßen, typischerweise in einem großen Mörser
Fette Brühe, eine kräftige Fleischbrühe mit hohem Fettanteil
Gesalzenes, gepökeltes Fleisch, z.B. gepökelter Schweinebauch oder Rindfleisch
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