Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Bereite die Rüben wie folgt zu: Nimm sie, reinige sie und gib sie zum Kochen. Dann gieße das Wasser ab und zerstoße sie gut im Mörser. Vermische sie anschließend mit Olivenöl und Mandelmilch. Gib dann Zucker, Safran und Salz hinzu und streue Zimt darüber. Wenn es außerhalb der Fastenzeit ist, kann das Gericht auch mit einer fetten Brühe aus verschiedenen Fleischsorten zubereitet werden. Und es wird für die einfachen Leute sein.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| rapas | Rüben | - | - |
| oleo olive | Olivenöl | - | - |
| lacte amigdalarum | Mandelmilch | - | - |
| zucarum | Zucker | - | - |
| zapharano | Safran | - | - |
| sale | Salz | - | - |
| cinamomum | Zimt | - | - |
| brodio grasso de diversis carnibus | Fette Fleischbrühe | Metzger | - |
Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Rübenmus - gekochte Rüben, gestampft und mit Fett, Mandelmilch und süß-warmen Gewürzen zur cremigen Beilage gebunden. Im Korpus hat es lupenreine Geschwister: das Rübenmus mit gesalzenem Fleisch (Zwilling mar-066), das süße Rübenmus mit Honig und Gewürzen (sev-190) und die Rüben auf vier Arten (ant-014). Wie viele Bockenheim-Rezepte kommt es in zwei Fassungen - einer fastentauglichen und einer für Fleischtage.
Das Rezept ist nach Kirchenjahr gebaut: in der quadragesima (Fastenzeit) bindet Mandelmilch das Mus, außerhalb der Fastenzeit darf es eine brodio grasso - eine fette Fleischbrühe - sein. Safran färbt das Mus golden, Zucker und Zimt geben die süß-würzige Note.
Pista illas bene - 'stampfe sie gut' - meint das Zerstoßen im Mörser zu feinem Mus, der mittelalterliche Weg zum Püree.
Praxis. Rüben (weiße Rüben oder Steckrüben) schälen, in Stücken weichkochen, abgießen und gründlich stampfen. Mit einem Schuss Olivenöl und Mandelmilch (Fastenvariante) oder kräftiger Fleischbrühe (Fleischtag) zu einem cremigen Mus rühren. Mit Zucker, einer Prise Safran und Salz abschmecken und Zimt darüberstreuen.
Safran ist ein teures Gewürz, das du im gut sortierten Supermarkt, im Feinkostladen oder online findest. Achte auf gute Qualität, da es oft Fälschungen gibt.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind lagerfähig, und die Zubereitung (Kochen und Zerdrücken) lässt sich problemlos über offenem Feuer oder auf einem Kocher bewerkstelligen. Es benötigt keine Kühlung und kann warm serviert werden.
Dieses Rezept stammt aus dem „Registrum Coquine“, einem Kochbuch, das um 1433 von Johannes von Bockenheim, dem Koch des Papstes Martin V., verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die höfische Küche des frühen 15. Jahrhunderts.
Die Phrase „Et erit pro villanis“ bedeutet „Und es wird für die einfachen Leute sein.“ Dies ist ein interessanter Kommentar, da das Rezept teure Zutaten wie Safran und Zucker enthält, die für die meisten Bauern unerschwinglich waren. Es könnte ein humorvoller Hinweis auf die einfache, sättigende Art des Gerichts sein, die auch von höheren Ständen als „rustikale“ Speise geschätzt wurde, oder ein ironischer Kommentar des Kochs.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Gemüse zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für dieses Rezept, das Rüben zu Mus verarbeitet, ist ein großer Mörser ideal. Alternativ kannst du die gekochten Rüben auch mit einem Kartoffelstampfer oder einer Gabel zerdrücken oder für eine feinere Konsistenz einen Pürierstab oder eine Küchenmaschine verwenden.
Rüben - Oberbegriff für weiße Rüben, Steckrüben und ähnliches Wurzelgemüse.
Die Fastenzeit vor Ostern, in der kein Fleisch erlaubt war.
Fette (Fleisch-)Brühe - die Fleischtag-Variante, im Gegensatz zur fastentauglichen Mandelmilch.
Bauern, einfache Leute - die ausdrücklich genannte Zielgruppe des Gerichts.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
rapas
Gewählte Lesart: Rüben allgemein. Rapa ist im Mittelalter ein Sammelbegriff für verschiedene Rübenarten; eine bestimmte Sorte wird nicht festgelegt.
Andere mögliche Lesart:
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