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Grießbrei mit Brühe oder Mandelmilch

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10BeilageBeilageVorspeiseBrei / MusHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit40 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Den Grieß koche mit fetter Fleischbrühe oder mit der eines großen Huhns. Gib den Grieß nach und nach in die Brühe, während du ständig mit dem Löffel rührst. Lass es eine halbe Stunde lang über der Glut kochen, fern vom Feuer, denn es nimmt leicht Rauchgeschmack an. Danach richte die Portionen an und gib Käse und Gewürze darüber. Und für die Fastenzeit koche es in Mandelmilch mit Zucker und Rosenwasser.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
semola Grieß - -
brodo grasso di carne, o di pollo grosso Fette Fleisch- oder Hühnerbrühe - -
caso Geriebener Käse - -
spetie Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt) - -
lacte d'amandole Mandelmilch - -
zuccharo Zucker - -
acqua rosata Rosenwasser Bio-Laden, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein eingerührter Grießbrei in fetter Brühe - der direkte Vorfahr der herzhaften semolina-Breie und nahe verwandt mit dem süddeutschen Grießbrei und der italienischen Polenta-Logik: ein feines Korn wird unter ständigem Rühren langsam in Flüssigkeit weichgekocht. Martino gibt das Gericht gleich in zwei Fassungen - herzhaft mit Brühe, Käse und Gewürzen für die Fleischtage, süß mit Mandelmilch, Zucker und Rosenwasser für die Fastenzeit. Die böhmische Schwester ist der süße Grießbrei sev-126, die Korn-in-Brühe-Variante mit Hirse steht bei Martino selbst als mar-053.

Warum fern vom Feuer. Longi dal focho (fern vom Feuer) und sopra la bragia (über der Glut) sind kein Beiwerk: Grieß bindet stark und legt sich an den Topfboden, wo er über direkter Flamme sofort ansetzt und einen rauchig-bitteren Ton annimmt (prende volenteri lo fume, „nimmt gern den Rauch an“). Darum die ruhige, gleichmäßige Glut und das ständige Rühren mit dem Löffel (cocchiaro).

Die zwei Fassungen. Die Fleischtag-Variante wird mit Käse (caso) und Gewürzen (spetie, etwa Pfeffer und Ingwer) abgeschmeckt - im Ergebnis nahe an einem frühen Käse-Grießbrei. Für die Quadragesima (die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern) fallen Brühe und Käse weg; an ihre Stelle treten Mandelmilch, Zucker und Rosenwasser - dieselbe Fasten-Logik wie bei den vielen Mandelmilch-Breien des Korpus.

Praxis. Etwa 150 g Grieß und 750 ml kräftige, gut gesalzene Fleisch- oder Hühnerbrühe. Brühe erhitzen, den Grieß im dünnen Strahl einrieseln lassen und dabei zügig rühren, damit keine Klümpchen entstehen. Bei kleinster Hitze (auf dem Herd Stufe 1-2, am Lagerfeuer am Glutrand) rund 30 Minuten quellen lassen, oft umrühren und vom Boden lösen. Zum Servieren geriebenen Hartkäse und eine Prise Gewürz darüberstreuen. Fasten-Fassung: Brühe durch 750 ml Mandelmilch ersetzen, mit Zucker süßen und zum Schluss mit etwas Rosenwasser parfümieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Achte darauf, es über einer reinen Glut und nicht über offenem Feuer zu kochen, um Rauchgeschmack zu vermeiden. Die Zutaten sind leicht zu transportieren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem berühmten Kochbuch ‚Libro de Arte Coquinaria‘ von Maestro Martino da Como, verfasst um 1465 in Norditalien. Es ist ein frühes Beispiel für die gehobene Küche der Renaissance.

Was bedeutet ‚Quadragesima‘ im Rezept?

Quadragesima‘ bezeichnet die Fastenzeit vor Ostern. In dieser Zeit waren Fleisch und tierische Produkte wie Milch und Käse verboten, weshalb Martino eine fleischlose Variante mit Mandelmilch, Zucker und Rosenwasser anbietet.

Welche Gewürze soll ich für die ‚spetie‘ verwenden?

Für die herzhafte Variante mit Brühe und Käse eignen sich typische mittelalterliche Gewürze wie Pfeffer, Ingwer oder eine Mischung aus beiden. Für die süße Fastenzeit-Variante passen Zimt, Nelken oder Muskatnuss gut.

[Minestra di semola.] La semola se coce con brodo grasso di carne, o di pollo grosso, et devese porre appoco appoco nel brodo menando continuamente col cocchiaro. Et falla bollire per spatio di meza hora sopra la bragia longi dal focho, perché prende volenteri lo fume. Et dapoi fa' le menestre, et mettegli sopra caso et spetie. Et la Quadragesima falla cocere in lacte d'amandole con zuccharo et acqua rosata.
semola

Grieß

brodo grasso

Fette Brühe, oft aus Fleisch oder Geflügel

cocchiaro

Löffel

bragia

Glut

longi dal focho

Fern vom Feuer

fume

Rauch

menestre

Portionen, Gänge

caso

Käse

spetie

Gewürze

Quadragesima

Fastenzeit

lacte d'amandole

Mandelmilch

acqua rosata

Rosenwasser

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 18v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 18v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Robuste, gut transportierbare Zutaten (Grieß, Brühe oder Brühpaste, Käse, Gewürze) und ein einziger Topf - in einer halben Stunde fertig. Wichtig ist nur die Hitzeführung: über ruhiger Glut köcheln, nicht über lodernden Flammen, sonst zieht der Brei Rauchgeschmack. Fern vom offenen Feuer halten und oft rühren, denn Grieß setzt schnell am Topfboden an.
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