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Kopfsalat, zubereitet wie Kürbis

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2 BeilagenportionenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm den untersten, weißesten Teil des Kopfsalats, also den mittleren. Koche ihn dann wie Kürbis, mit Eiern und Verjus.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
lattucha Kopfsalat (Herz) - -
ova Eier - -
agresto Verjus (unreifer Traubensaft) Feinkostladen, Online-Shop Weißweinessig, Zitronensaft

Welches Gericht ist das? Eine cremige, mit Ei gebundene Gemüsebeilage aus den hellen Salatherzen - der gleiche Renaissance-Ansatz wie bei Martinos Kürbispüree (Zwilling mar-086), nur mit gekochtem Kopfsalat statt Kürbis. Gekochter, gebundener Salat wirkt heute ungewohnt, war in der italienischen Renaissance-Küche aber gängig; man denke an moderne geschmorte Salatherzen oder lattuga ripiena.

Was heißt como le zucche? Martino schreibt das Verfahren nicht aus, sondern verweist auf sein Kürbisrezept (mar-086): weich kochen, fein zerdrücken oder passieren, dann mit verquirltem Eigelb und etwas agresto (Verjus) bei milder Hitze zu einer sämigen Masse binden. Übertragen auf den Salat heißt das: nur das zarte, weiße Innere verwenden, das beim Kochen nicht bitter wird.

Warum nur das Herz? Die äußeren, grünen Salatblätter werden beim Kochen schnell bitter und zerfallen; der untere, weiße Strunk und das Herz (quello di mezo, der mittlere Teil) bleiben mild und behalten etwas Biss. Darum die ausdrückliche Beschränkung auf den hellsten Teil.

Das Ei darf nicht stocken. Eigelb erst unterrühren, wenn der gekochte Salat etwas abgekühlt ist, dann bei milder Hitze unter ständigem Rühren legieren - sonst gerinnt das Ei zu Rührei statt sämig zu binden.

Praxis. Pro Portion zwei bis drei feste Salatherzen (Römersalat oder fester Kopfsalat) putzen, nur das helle Innere behalten, in Streifen schneiden und in wenig Wasser oder Brühe weich dünsten. Abtropfen lassen, grob zerdrücken. 1 Eigelb pro 2 Portionen mit einem Schuss Verjus (ersatzweise Weißweinessig oder Zitronensaft) verquirlen, unter den lauwarmen Salat rühren und bei kleiner Hitze sämig binden. Mild salzen.

Was ist 'agresto' und wo bekomme ich es?

Agresto ist der Saft unreifer Weintrauben, auch bekannt als Verjus. Er wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel verwendet, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder online. Alternativ kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, um eine ähnliche Säure zu erzielen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt lediglich einen Topf und eine Kochstelle. Die Zutaten sind einfach zu transportieren und die Zubereitung ist schnell.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts. Es repräsentiert die norditalienische Küche der Frührenaissance.

Was bedeutet 'Menestra' im Rezept?

Im Kontext von Maestro Martinos Kochbuch bezeichnet ‚Menestra‘ ein Gericht oder eine Portion, oft einen ersten Gang oder eine leichte Speise. Es ist nicht im modernen Sinne eine Suppe, sondern kann eine Vielzahl von zubereiteten Gerichten umfassen.

Menestra le lactuche che para zucche. Piglia quel di sotto più biancho di la lattucha, cioè quello di mezo, et fallo cocere como le zucche con ova et con agresto.
Menestra

Ein Gericht oder eine Portion. Im mittelalterlichen Italien oft ein erster Gang oder eine leichte Speise.

lattucha

Kopfsalat.

zucche

Kürbis oder Kürbisgewächs. ‚Como le zucche‘ (wie Kürbis) verweist auf Martinos Kürbisrezept (mar-086): weich kochen, zerdrücken, mit Ei und Verjus binden. Gemeint ist die Zubereitungsart, nicht eine zusätzliche Zutat.

agresto

Verjus, der saure Saft unreifer Weintrauben, ein häufiges Säuerungsmittel im Mittelalter.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 18v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartcomo le zucche

Gewählte Lesart: ‚Wie Kürbis‘ ist ein Querverweis auf Martinos eigenes Kürbisrezept (mar-086): das gleiche Verfahren - weich kochen, fein zerdrücken, mit verquirltem Ei und etwas Verjus binden -, hier nur auf Salatherzen statt Kürbis angewandt. Es bezeichnet die Zubereitungsart, nicht eine zusätzliche Zutat.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 18v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Topf über offenem Feuer machbar: Salatherzen kurz garen, dann mit verquirltem Ei und Verjus binden. Wenig Gerät, schnell. Eier brauchen Kühlung, der Salat hält am Markttag durch. Die Ei-Bindung erst bei milder Hitze unter Rühren einziehen lassen, sonst stockt sie zu Rührei.
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