Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Römische Bandnudeln mit Käse und Gewürzen

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküchePastaPastaVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit50 Min.Portionen2-4 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm feines Mehl und knete es zu einem Teig, der etwas dicker ist als Lasagne-Teig. Rolle den Teig um einen Stab. Ziehe anschließend den Stab heraus und schneide den Teig einen kleinen Finger breit, sodass er wie Bänder oder Schnüre aussieht. Koche die Nudeln in fetter Brühe oder, je nach Anlass, in Wasser. Achte darauf, dass die Flüssigkeit kocht, wenn du die Nudeln hineingibst. Wenn du sie in Wasser kochst, füge frische Butter und etwas Salz hinzu. Sobald die Nudeln gar sind, serviere sie auf Tellern mit gutem Käse, Butter und süßen Gewürzen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
farina che sia bella Feines Mehl - - -
acqua Wasser - Leitung -
brodo grasso Fettreiche Brühe - Metzger Geflügelbrühe aus dem Supermarkt
butiro frescho Frische Butter - - -
pocho sale Salz - - -
bono caso Guter Käse (gerieben) - - Pecorino oder Parmesan
spetie dolci Süße Gewürze (z.B. Zimt, Ingwer, Muskat, Zucker) - - -

Welches Gericht ist das? Maccaroni romaneschi - römische Bandnudeln mit Käse, Butter und süßen Gewürzen. Trotz des Namens sind das keine Röhrennudeln: Martino beschreibt um den Stab gewickelte, dann in Bänder geschnittene Frischnudeln, also den direkten Vorfahr von Tagliatelle oder Fettuccine. Verwandt mit der englischen geschichteten Nudelplatte (foc-047) und den frühen Macrows mit Käse und Butter (foc-089).

Distemperala heißt „mit Flüssigkeit anrühren“ - womit, sagt Martino nicht (Wasser, Ei, Wein?), er setzt das Können des Kochs voraus. Der Teig soll un pocho più grossa (etwas dicker) als Lasagne-Teig sein, also stabiler, damit die Bänder beim Garen halten. Das Wickeln um einen bastone (Stab) und Wiederherausziehen ist eine frühe Formgebungstechnik für gleichmäßig breite Bänder.

In brodo grasso, overo in acqua secundo il tempo - in fetter Brühe oder, je nach Zeit, in Wasser: das tempo meint hier die Fastenzeit. An Fleischtagen Brühe, an Fastentagen Wasser mit Butter. Wichtig ist, dass die Flüssigkeit bereits kocht, wenn die Nudeln hineinkommen, sonst kleben sie.

Die Vollendung mit Käse, Butter und spetie dolci (süßen Gewürzen wie Zimt und Muskat) wirkt für uns ungewohnt, war aber typisch für die süß-würzige Pasta der höfischen Renaissance.

Praxis. 250 g feines Mehl mit etwas Wasser (gern einem Ei) zu einem festen Teig kneten, dünn ausrollen, um ein bemehltes Rundholz wickeln, das Holz herausziehen und die Rolle in etwa fingerbreite Bänder schneiden. In kräftig kochender Brühe (oder gesalzenem Butter-Wasser) wenige Minuten garen. Auf Tellern mit reichlich geriebenem Hartkäse, Butterflöckchen und einer Prise Zimt/Muskat anrichten.

Was sind 'Maccaroni romaneschi'?

Im mittelalterlichen Italien waren 'Maccaroni' keine Röhrennudeln wie heute, sondern eher breite Bandnudeln oder Nudelschnüre. Das Rezept beschreibt, wie der Teig um einen Stab gerollt und dann in Streifen geschnitten wird, was zu einer Bandnudelform führt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Der Nudelteig kann zu Hause vorbereitet und getrocknet oder frisch mitgebracht werden. Das Kochen der Nudeln in Brühe oder Wasser ist über offenem Feuer oder auf einem Kocher unkompliziert. Käse und Gewürze lassen sich leicht transportieren.

Was bedeutet 'dito piccolo' im Rezept?

'Dito piccolo' ist eine historische Maßeinheit, die wörtlich 'ein kleiner Finger' bedeutet. Sie entspricht ungefähr einer Breite von 1,5 bis 2 Zentimetern. Die Nudeln sollen also in etwa dieser Breite geschnitten werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Libro de Arte Coquinaria (Norditalien). Das erste große Kochbuch der italienischen Renaissance (~1465). Maestro Martino, Chefkoch des Patriarchen von Aquileia, beschreibt als Erster Kochtechniken mit präzisen Mengen und Zeiten. 268 Rezepte in 6 Kapiteln: Fleisch, Suppen/Pasta, Saucen, Pasteten, Frittiertes, Fisch.

Maccaroni romaneschi. Piglia de la farina che sia bella, et distemperala et fa' la pasta un pocho più grossa che quella de le lasangne, et avoltola intorno ad un bastone. Et dapoi caccia fore il bastone, et tagliala la pasta larga un dito piccolo, et resterà in modo de bindelle, overo stringhe. Et mitteli accocere in brodo grasso, overo in acqua secundo il tempo. Et vole bollire quando gli metti accocere. Et se tu gli coci in acqua mettevi del butiro frescho, et pocho sale. Et como sonno cotti mittili in piattelli con bono caso, et butiro, et spetie dolci.
Maccaroni romaneschi

Römische Makkaroni - im 15. Jahrhundert breite Bandnudeln (Vorfahr von Tagliatelle), nicht die heutigen Röhrennudeln.

distemperala

den Teig mit Flüssigkeit anrühren und kneten - welche Flüssigkeit (Wasser, Ei, Wein) bleibt offen, Martino setzt es voraus.

bindelle, overo stringhe

„Bänder oder Schnüre“ - beschreibt die fertige Form der geschnittenen Nudeln.

secundo il tempo

„je nach Zeit“ - gemeint ist die Fastenzeit: an Fastentagen Wasser statt Fleischbrühe.

spetie dolci

süße Gewürze (oft Zimt, Ingwer, Muskat, Zucker) - typische süß-würzige Note der höfischen Pasta.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 19r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

acquawater Q283
brodo grassostock Q3075310
pocho saletable salt Q11254
spetie dolcispice Q42527

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 19r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Den Teig zu Hause vorbereiten (frisch oder angetrocknet mitbringen); das Garen in kochender Brühe oder Butter-Wasser gelingt am Feuer leicht. Käse und Gewürze sind gut transportierbar.
Alle Rezepte aus Libro de Arte Coquinaria Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.