Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Bereite den Teig auf die bereits beschriebene Weise zu. Koche sie ebenso, indem du die bereits genannten Beigaben hinzufügst. Bereite den Teig etwas dicker zu und schneide ihn sehr klein und dünn. Diese nennt man dann ‚triti‘ oder ‚formentine‘.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| pasta nel modo sopraditto | Teig (nach vorherigem Rezept) | - | Einfacher Nudelteig aus Hartweizengrieß und Wasser oder Weizenmehl und Ei |
| fornimenti sopra scripti | Beigaben (nach vorherigem Rezept) | - | Eine einfache Brühe, geriebener Käse oder eine leichte Käsesauce |
Welches Gericht ist das? Eine zweite Variante der römischen Maccheroni aus dem vorangehenden Rezept (mar-068) - statt fingerbreiter Bänder hier sehr fein und klein geschnittene Frischnudeln. Im Ergebnis liegt das nahe an heutiger Suppennudel oder Maltagliati: kleine Teigstückchen, in Brühe gegart und mit Käse und süßen Gewürzen serviert. Teil von Martinos kleiner Pasta-Reihe (mar-068 Bandnudeln, mar-069 feine Nudeln, mar-079 getrocknete Vermicelli); cross-source verwandt mit den extrudierten Würmlein des Meister Hans (mha-032).
Nel modo sopraditto („auf die oben genannte Weise“) heißt: Teig und Beigaben kommen unverändert aus mar-068. Dort wird farina che sia bella (feines Mehl) mit Flüssigkeit angerührt (distemperare; Wasser oder Ei) und zu Teig geknetet, dann in fetter Brühe - an Fastentagen in gesalzenem Butter-Wasser - gegart und mit Käse, Butter und süßen Gewürzen angerichtet.
Der Witz dieser Variante steckt in einem scheinbaren Widerspruch: Der Teig wird un pocho più grossa (etwas dicker) ausgerollt, die geschnittenen Stücke aber molto menuta et sottile (sehr klein und dünn). Das ist kein Fehler - eine etwas dickere, stabilere Platte hält beim sehr kleinen Schneiden besser zusammen und zerfällt nicht, anders als hauchdünn ausgerollter Teig, der unter dem Messer reißt.
Triti und formentine sind nur zwei zeitgenössische Namen für dasselbe: kleingeschnittene Weizennüdelchen. Eine feste Pasta-Nomenklatur gab es im 15. Jahrhundert noch nicht.
Praxis. Wie bei mar-068: 250 g feines Mehl (Typ 00 oder Hartweizengrieß) mit etwas Wasser, gern einem Ei, zu festem Teig kneten, eine knappe Stunde ruhen lassen. Etwas dicker ausrollen als für Bandnudeln (rund 2 mm), die Platte zu kleinen Rauten oder schmalen Streifchen von wenigen Millimetern schneiden. In kräftig kochender Brühe (oder gesalzenem Butter-Wasser) zwei bis drei Minuten garen. Mit reichlich geriebenem Hartkäse, Butterflöckchen und einer Prise Zimt oder Muskat servieren.
Martino verweist auf das unmittelbar vorangehende Rezept mar-068 „Römische Bandnudeln“. Dort wird der Teig aus feinem Mehl beschrieben, ebenso die Beigaben: fette Brühe (oder an Fastentagen Butter-Wasser) zum Garen, dazu geriebener Käse, Butter und süße Gewürze. Für mar-069 wird derselbe Teig nur etwas dicker ausgerollt und sehr fein geschnitten.
Ja. Der Teig lässt sich zu Hause vorbereiten und frisch oder angetrocknet mitbringen; das feine Schneiden braucht nur Messer und Brett. Das Garen in kochender Brühe oder Butter-Wasser gelingt am Feuer leicht, Käse und Gewürze sind gut transportierbar.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘ von Maestro Martino da Como, verfasst um 1465 in Norditalien. Es ist ein frühes und einflussreiches Kochbuch der Renaissance.
‚Triti‘ und ‚formentine‘ sind historische Bezeichnungen für kleine, dünn geschnittene Nudeln oder Nudelformen. ‚Triti‘ bedeutet wörtlich ‚Zerriebenes‘ oder ‚Zerstoßenes‘, während ‚formentine‘ auf ‚Formento‘ (Weizen) hinweist und kleine Weizen-Nudeln meint.
„auf die oben genannte Weise“ - verweist auf das vorangehende Rezept mar-068 „Maccaroni romaneschi“, wo der Teig und die Beigaben beschrieben sind.
die Beigaben zum Servieren - bei mar-068 sind das fette Brühe (oder Wasser an Fastentagen), Käse, Butter und süße Gewürze.
menuto heißt „fein, klein“, sottile „dünn“ - die aus der dickeren Teigplatte geschnittenen Stücke sollen also sehr klein und schmal sein.
zwei alte Namen für diese feinen Nudeln: triti (zu tritare = zerkleinern, also „Kleingeschnittenes“) und formentine (zu formento = Weizen, „Weizen-Nüdelchen“).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
nel modo sopraditto / li fornimenti sopra scripti
Gewählte Lesart: Verweis auf das unmittelbar vorangehende Rezept (mar-068 „Maccaroni romaneschi“): derselbe Teig (distemperala et fa' la pasta) und dieselben Beigaben (fette Brühe oder Wasser, dazu Käse, Butter und süße Gewürze).
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