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Sizilianische Makkaroni mit Käse und Butter

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

LesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküchePastaPastaVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit180 Min.Portionen2 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm feinstes Mehl und knete es mit Eiweiß und Rosenwasser oder mit gewöhnlichem Wasser. Wenn du zwei Teller davon zubereiten möchtest, gib nicht mehr als ein oder zwei Eiweiß hinzu und mache diesen Teig sehr fest. Forme danach kleine Teigstangen, einen Palmo lang und so dünn wie ein Strohhalm. Nimm einen Eisendraht, einen Palmo lang oder länger und so dünn wie eine Schnur, lege ihn auf die Teigstange und rolle ihn einmal mit beiden Händen auf einem Tisch. Dann ziehe den Draht heraus und strecke die in der Mitte durchbohrte Makkaroni. Diese Makkaroni sollen an der Sonne getrocknet werden und halten zwei oder drei Jahre, besonders wenn du sie im Monat August zubereitest. Koche sie in Wasser oder Fleischbrühe. Gib sie auf Teller mit reichlich geriebenem Käse, frischer Butter und süßen Gewürzen. Diese Makkaroni sollen zwei Stunden lang kochen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
farina bellissima Feinstes Weizenmehl (Type 405/00) - -
biancho d'ovo 1-2 Eiweiß - -
acqua rosa Rosenwasser Reformhaus, Online-Gewürzhandel -
acqua communa Wasser - -
caso grattuggiato Geriebener Käse (z.B. Parmesan oder Pecorino) - -
buturo frescho Frische Butter - -
spetie dolci Süße Gewürze (z.B. Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat, Zucker) - -

Welches Gericht ist das? Handgeformte Röhrennudeln - der Name „Makkaroni“ bezeichnete im 15. Jh. noch keine bestimmte Form, sondern Teigwaren allgemein; die hier beschriebene, um einen Draht gerollte Röhrenform ist ein direkter, sehr früher Vorläufer der Bucatini/Makkaroni-Extrusion.

So gelingt es. Feinstes Mehl mit ein bis zwei Eiweiß und Rosenwasser (oder einfach Wasser) zu einem sehr festen Teig kneten - fest ist hier Programm, ein weicher Teig würde beim Draht-Rollen nicht die nötige Röhrenform halten. Aus dem Teig dünne, strohhalmdicke Stangen formen. Einen dünnen Eisendraht (etwa handspannenlang) auf die Teigstange legen, mit beiden Händen auf dem Tisch einmal überrollen, dann den Draht vorsichtig herausziehen und die entstandene Röhre behutsam strecken.

So wird es richtig gut. An der Sonne trocknen - frisch geformt lässt sich die Pasta natürlich auch sofort kochen, aber der eigentliche Witz des Rezepts ist die mehrjährige Lagerfähigkeit nach dem Trocknen (siehe die redaktionelle Anmerkung unten). In Wasser oder Fleischbrühe zwei Stunden kochen, dann mit reichlich geriebenem Käse, frischer Butter und süßen Gewürzen anrichten. Für eine Marktvorführung: Teig formen und Draht-Technik zeigen, aber mit bereits vorgetrockneter Pasta kochen/servieren - der volle Trocken-Zyklus braucht Tage, keine Marktstunden.

Warum zwei Stunden? Drei echte Unterschiede zu heutiger Trockenpasta, keiner davon Übertreibung. Erstens: farina bellissima ist feinstes Weichweizenmehl, nicht der dichte Hartweizengrieß (semola di grano duro), der erst mit der industriellen Extrusion ab dem 19. Jh. zum Standard wurde - Weichweizenteig hat ein lockereres Glutennetz und nimmt Wasser anders auf. Zweitens: die Röhre entsteht hier durch Rollen von Hand um einen Draht, nicht durch Pressen unter Druck durch eine Matrize - die Wand ist unregelmäßiger und mit ziemlicher Sicherheit deutlich dicker als bei modernen Bucatini. Drittens: „al dente“ ist ein modernes (Nachkriegs-italienisches) Garideal - bis weit in die Neuzeit war sehr weich gekochte Stärke (Getreide, Reis, Pasta) die kulinarische Norm, die lange Kochzeit war vermutlich nicht nur technisch nötig, sondern auch gewollt. Ein Beleg direkt aus dem Buch: die dünneren, nur mit den Fingern gebrochenen Vermicelli im Schwesterrezept mar-079 kochen nur eine Stunde - halb so lange wie diese dickeren, drahtgerollten Röhren.

Was sind 'süße Gewürze' und welche soll ich verwenden?

Im Mittelalter waren 'süße Gewürze' eine Mischung aus wärmenden und aromatischen Gewürzen, oft mit Zucker. Typische Bestandteile sind Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat und etwas Zucker. Passe die Mischung nach deinem Geschmack an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Obwohl die Kochschritte einfach sind, erfordert die Herstellung der Makkaroni ein mehrwöchiges Trocknen an der Sonne, um sie haltbar zu machen. Die getrockneten Makkaroni können jedoch problemlos mit zum Lager gebracht und dort gekocht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts (um 1465). Martino war Koch am Hof des Patriarchen von Aquileia und später in Rom. Es zeigt die frühe Entwicklung von getrockneter Pasta, die besonders in Sizilien verbreitet war.

Was bedeutet 'ein Palmo' und 'zwei Stunden Kochzeit'?

Ein 'Palmo' ist ein historisches Längenmaß, das etwa 25 bis 30 Zentimetern entspricht. Die angegebene Kochzeit von zwei Stunden ist für moderne Pasta sehr lang. Dies deutet darauf hin, dass die Makkaroni sehr dick und hart getrocknet waren oder dass ein sehr langsames Sieden gemeint ist, um sie weich zu bekommen. Beginne mit einer kürzeren Kochzeit und prüfe die Konsistenz.

Wie forme ich die Makkaroni mit einem Draht?

Rolle den Teig zu dünnen Stangen. Lege einen dünnen Eisendraht (oder eine Stricknadel) darauf und rolle die Teigstange mit beiden Händen über den Draht, bis der Teig ihn umschließt. Ziehe den Draht vorsichtig heraus, um die hohle Makkaroni zu erhalten. Dies ist eine frühe Form der Pastaherstellung, die später durch Extruder ersetzt wurde.

Maccaroni siciliani. Piglia de la farina bellissima, et inpastala con biancho d'ovo et con acqua rosa, overo con acqua communa. Et volendone fare doi piattelli non gli porre più che uno o doi bianchi d'ova, et fa' questa pasta ben dura; dapoi fanne pastoncelli longhi un palmo et sottili quanto una pagliuca. Et togli un filo di ferro longo un palmo, o più, et sottile quanto un spagho, et ponilo sopra 'l ditto pastoncello, et dagli una volta con tutte doi le mani sopra una tavola; dapoi caccia fore il ferro, et ristira il maccherone pertusato in mezo. Et questi maccharoni se deveno secchare al sole, et durerando doi o tre anni, specialmente facendoli de la luna de agusto; et cocili in acqua o in brodo di carne; et mettegli in piattelli con caso grattuggiato in bona quantità, buturo frescho et spetie dolci. Et questi tali maccharoni vogliono bollire per spatio de doi hore.
farina bellissima

Feinstes Weizenmehl, oft Type 00.

palmo

Historisches Längenmaß, etwa 25-30 cm.

pagliuca

Strohhalm.

filo di ferro

Eisendraht.

spagho

Schnur, Bindfaden.

luna de agusto

Wörtlich 'Augustmond', gemeint ist der Monat August, der ideal zum Trocknen ist.

spetie dolci

Eine Mischung aus süßen Gewürzen, typisch Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat und Zucker.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 21r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartspetie dolci

Gewählte Lesart: Übersetzt als 'süße Gewürze', was im mittelalterlichen Kontext eine Mischung aus Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat und Zucker meint.

Lesartdoi hore

Gewählte Lesart: Wörtlich als 'zwei Stunden' übersetzt. Dies ist eine ungewöhnlich lange Kochzeit für Pasta, was auf eine sehr dichte, hart getrocknete Pasta oder eine langsame Siedemethode hindeutet.

Lesartluna de agusto

Gewählte Lesart: Als 'Monat August' übersetzt, da dies die beste Zeit für das Sonnentrocknen der Pasta war.

Lesartpalmo

Gewählte Lesart: Die historische Maßeinheit 'Palmo' wurde beibehalten und in den Anmerkungen sowie FAQs erläutert.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 21r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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