Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Nimm Aale, brühe sie ab und schneide sie in kleine Stücke, die nicht dicker als ein halber Finger sein sollen. Nimm frischen Käse und krümeligen, gereiften Käse. Dies soll dann zum Ofen gebracht werden, und man mache eine Pastete. Streue den Käse auf den Boden der Pastetenform, dann setze die Aalstücke aufrecht hinein. Dann folgt eine Schicht Käse, und dann eine Schicht Flusskrebsschwänze. Fahre so immer abwechselnd fort, solange jede Zutat reicht, eine Schicht von dem einen und eine Schicht von dem anderen. Dann koche Milch auf. Koche anschließend Safran, Ingwer, Paradieskörner und Nelken auf. Verdünne dann die Milch mit den Gewürzen. Gib diese Flüssigkeit in die Pastete, nachdem sie schon eine Weile im Ofen war. Gib Salz in die Milch. Die Pastete soll nicht zugedeckt werden. Steche die Flusskrebs-Teile ein. Und mache einen schönen separaten Deckel, um ihn daraufzulegen, wenn die Pastete gar ist.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| des anguilles | 500 g Aalfilet | Fischhändler (Zuchtaal ist normal erhältlich; Wildfang steht unter CITES-Anhang-II-Schutz und gilt als "Critically Endangered"). | Welsfilet oder nachhaltig gezüchteter Lachs |
| de la cloche | 200 g frischer Käse (z.B. Quark oder Ricotta) | - | - |
| du frommage de gain esmié | 200 g gereifter, krümeliger Käse (z.B. alter Gouda oder Parmesan) | - | - |
| (implied: pâte à tarte) | 1 Rolle Blätterteig oder Mürbeteig | - | - |
| colz d'escrevisses | 200 g Flusskrebsschwänze | Feinkostladen, Online-Handel | Garnelen oder Langustenschwänze |
| du lait | 500 ml Milch | - | - |
| du saffran | 1 Prise Safranfäden | - | - |
| du gingembre | 1 TL gemahlener Ingwer | - | - |
| graine | 1/2 TL Paradieskörner (gemahlen) | Online-Gewürzhändler | schwarzer Pfeffer mit einer Prise Kardamom |
| giroffle | 1/2 TL gemahlene Nelken | - | - |
| du sel | Salz | - | - |
Wildfang-Aal gilt als vom Aussterben bedroht (IUCN 'Critically Endangered') und unterliegt seit 2009 CITES Anhang II sowie strengen EU-Fangquoten. Zuchtaal davon ist nicht betroffen und beim Fischhändler ganz normal erhältlich, etwa als Räucheraal - er wird aber zunehmend teurer, weil auch die für die Zucht nötigen Glasaale unter Fangquoten stehen. Wer ganz darauf verzichten möchte, kann alternativ Welsfilet oder nachhaltig gezüchteten Lachs verwenden, die eine ähnliche fleischige Textur bieten.
Nein, dieses Rezept ist nicht für die Lagerküche geeignet. Es erfordert einen Backofen für die Pastete und eine sorgfältige Schichtung der Zutaten. Die Zubereitung ist zu aufwendig und zeitintensiv für einfache Lagerbedingungen. Bereite die Pastete am besten zu Hause vor und bringe sie fertig gebacken mit.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.
'Cloche' ist ein mehrdeutiger Begriff. Im Kontext dieses Rezepts, wo es zusammen mit 'frommage de gain esmié' (gereiftem Käse) genannt wird, interpretieren wir es als eine Art frischen Käse oder Quark. Es könnte sich um einen jungen, unreifen Käse oder eine Art Käsebruch handeln.
Dies ist eine mittelalterliche Maßangabe und bedeutet wörtlich 'einen halben Finger dick'. Es ist eine anschauliche, aber unpräzise Angabe, die dir eine Vorstellung von der gewünschten Dicke der Aalstücke geben soll.
Wörtlich übersetzt bedeutet dies 'steche die Füße der Flusskrebse ein'. Da das Einstechen von Füßen beim Kochen keinen Sinn ergibt, wird dies als eine Anweisung interpretiert, die Flusskrebs-Teile (insbesondere die Schwänze) einzustechen. Dies könnte dazu dienen, dass die Gewürzflüssigkeit besser eindringt oder um zu verhindern, dass die Krebse beim Backen platzen.
Ein mehrdeutiger Begriff, der hier als eine Art frischer Käse oder Quark interpretiert wird.
Krümeliger, gereifter Käse.
Wörtlich 'einen halben Finger dick', eine anschauliche, aber unpräzise Maßangabe.
Kurzform für 'graine de paradis', also Paradieskörner.
Flusskrebsschwänze.
Wörtlich 'steche die Füße der Flusskrebse ein'. Dies wird als Anweisung verstanden, die Flusskrebs-Teile (Schwänze) einzustechen, um das Aroma freizusetzen oder ein Platzen zu verhindern.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
cloche
Gewählte Lesart: Wir haben 'cloche' als 'frischen Käse' oder 'Quark' übersetzt, da es im Kontext mit 'frommage de gain esmié' (gereiftem Käse) genannt wird und eine Art Milchprodukt nahelegt.
Andere mögliche Lesart:
poignez les piez des escrevisses
Gewählte Lesart: Wir haben dies als 'steche die Flusskrebs-Teile ein' übersetzt, da 'piez' (Füße) in diesem Kochkontext unlogisch ist. Es wird angenommen, dass es sich um eine Anweisung handelt, die Flusskrebs-Schwänze oder -Fleisch einzustechen.
Andere mögliche Lesart:
Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.
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