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Süß-saurer Kohl mit Feigen und Mandeln

Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v) · Mittelrhein · 1445

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRheinfränkisches Kochbuch (~1445)

Den gleichen Kohl kannst du auch mit süßem Pulver und Feigen zubereiten, die du darin kochst. Gib Wein, Essig, Weintrauben und Mandeln darüber. Du kannst auch Mispelbeeren und allerlei geschnittene Rüben und Kohl hinzufügen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
kappus Kohl Supermarkt -
suszem puluer Süßes Pulver - Zucker mit einer Prise Zimt und Ingwer
vigen Feigen Supermarkt -
win Wein Supermarkt -
eszig Essig Supermarkt Weinessig oder Apfelessig
winber Weintrauben Supermarkt -
mandelkerne Mandeln Supermarkt (Backregal) -
mispelen beren Mispelbeeren (optional) Wochenmarkt (saisonal), spezialisierte Obsthändler kleine Äpfel oder Birnen
ruben snydde Rüben, geschnitten (optional) Supermarkt Steckrüben oder Pastinaken
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es ist schnell zubereitet (ca. 20-30 Minuten), benötigt nur einen Topf und ein Feuer und verwendet robuste Zutaten, die keine Kühlung erfordern.

Was ist ‚süßes Pulver‘?

‚Süßes Pulver‘ (suszem puluer) war im Mittelalter eine gängige Gewürzmischung, die nicht nur zum Süßen, sondern auch zur Geschmacksabrundung diente. Typische Bestandteile waren Zucker oder Honig, Zimt, Ingwer und Nelken. Du kannst es durch eine Mischung aus Zucker mit einer Prise Zimt und Ingwer ersetzen.

Wo bekomme ich Mispelbeeren?

Mispelbeeren sind heute seltener im Handel. Du findest sie manchmal saisonal auf Wochenmärkten oder bei spezialisierten Obsthändlern. Alternativ kannst du kleine, säuerliche Äpfel oder Birnen verwenden, um eine ähnliche Textur und Geschmacksnote zu erzielen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rheinfränkisches Kochbuch (~1445, Mittelrhein). Sammlung von 76 Koch- und Backrezepten in rheinfränkischer Mundart, entstanden um 1445. Schwerpunkt Fastenspeisen: Krapfen, Fladen aus Fischrogen, Fasten-Schauspeisen (z.B. ein aus Fisch geformtes Rebhuhn-Imitat). Überliefert als Teil des astrologisch-astronomischen Sammelbands Ms. germ. fol. 244 der Staatsbibliothek zu Berlin (fol. 285r-294v). Akademisch erschlossen seit 2021 in der CoReMA-Edition (Böhm/Klug, Universität Graz, FWF-Projekt) als hyperdiplomatische Transkription. Die Fyndling-Edition ergänzt diese akademische Erschließung um die kulinarische Dimension: moderne Übersetzung, Zutaten-Listen mit Bezugsquellen, FAQ zur Zubereitung und Scan-Anzeige im Browser - damit erstmals als praktische Edition für Hobby-Köche und mediävistisch interessierte Laien.

Den selben kappus magistu auch machen mit suszem puluer vnd vigen da in sieden vnd win eszig vnd winber vnd mandelkerne dar uff strauwen vnd du magist auch mispelen beren vnd allerhande dar in dune beide ruben snydde vnd kappusz
kappus

Mittelhochdeutsch für Kohl, meist Weißkohl.

suszem puluer

Ein ‚süßes Pulver‘ war im Mittelalter eine gängige Gewürzmischung, oft aus Zucker, Zimt, Ingwer und anderen süßlich-aromatischen Gewürzen. Es diente nicht nur zum Süßen, sondern auch zur Geschmacksabrundung herzhafter Speisen.

vigen

Feigen waren im Mittelalter eine beliebte Süßigkeit und Zutat, oft getrocknet importiert.

win eszig

Wein und Essig - zwei getrennte Zutaten, die zusammen die typische süß-saure Grundlage bilden (vgl. rfk-032, wo dieselbe Wendung ebenfalls Wein + Essig meint). Nicht als ein Wort „Weinessig“ zu lesen.

winber

Mittelhochdeutsch für Weintrauben. Sie wurden frisch oder getrocknet (als Rosinen) verwendet.

mandelkerne

Mandeln waren eine Grundzutat der mittelalterlichen Küche, sowohl als ganze Kerne als auch zu Mandelmilch verarbeitet.

mispelen beren

Mispelbeeren sind die Früchte der Mispel, die erst nach dem Frost oder einer längeren Lagerung (Bletting) weich und genießbar werden. Sie haben einen säuerlich-süßen Geschmack.

ruben snydde

‚Rüben‘ ist ein Oberbegriff für verschiedene Wurzelgemüse. Hier sind wahrscheinlich weiße Rüben oder Teltower Rübchen gemeint, die eine milde Süße und leichte Schärfe mitbringen.

Handschrift
Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v)
Folio
Fol. 289v
Sprache
Rheinfränkisch (Mittelhochdeutsch, Mittelrhein, ca. 1445)
Entstehung
Mittelrhein, 1445

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsuszem puluer

Gewählte Lesart: Als ‚süßes Pulver‘ wird eine mittelalterliche Gewürzmischung verstanden, die Zucker oder Honig mit wärmenden Gewürzen wie Zimt und Ingwer kombiniert. Es diente der Geschmacksabrundung und war ein Statussymbol.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur Zucker oder Honig. - Obwohl ‚süßes Pulver‘ oft Gewürze enthielt, könnte es in einfacheren Kontexten auch nur Zucker oder Honig gemeint haben, um die Süße zu betonen.

Lesartwinber

Gewählte Lesart: ‚Winber‘ wird als Weintrauben übersetzt. Der Begriff ‚Weinbeere‘ ist eine alte Bezeichnung für die Frucht der Weinrebe.

Andere mögliche Lesart:

  • Rosinen (getrocknete Weintrauben). - Getrocknete Weintrauben (Rosinen) waren im Mittelalter ebenfalls sehr gebräuchlich und würden in diesem Kontext ebenfalls Sinn ergeben, besonders wenn frische Trauben nicht verfügbar waren.

Lesartruben snydde

Gewählte Lesart: ‚Rüben‘ wird hier als geschnittene Rüben interpretiert, wobei Teltower Rübchen oder weiße Rüben am ehesten dem mittelalterlichen Geschmacksprofil entsprechen.

Andere mögliche Lesart:

  • Andere Wurzelgemüse wie Pastinaken oder Karotten. - Der Begriff ‚Rüben‘ war im Mittelalter breiter gefasst und konnte verschiedene Wurzelgemüse umfassen, die ebenfalls geschnitten und gekocht wurden.

Originalwerk (~1445) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 289v, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 244 (um 1445), fol. 285r-294v - Public Domain Mark 1.0 (Digitalisierung 2014, gefördert durch DFG) Quelle öffnen
Transkription
Primäre wissenschaftliche Vergleichs-Edition: Böhm, A. & Klug, H. W. (2021): CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, ms. B1 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. fol. 244). Hyperdiplomatische Transkription, Universität Graz, FWF I 3614, hdl:11471/562.10.1791, CC BY 4.0. Zusätzlich: Thomas Gloning, Sample-Edition (Universität Gießen, rfk1.htm) mit den ersten 5 Rezepten. Volltext-Print-Edition Adelmann/Ehlert/Gloning 1998 (Auer Verlag, ISBN 3-403-03131-4, Tupperware-Stiftungsausgabe, vergriffen). Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Im Topf am Feuer in 20-30 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung, ideal für die Lagerküche.
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Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.

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