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Gebackene Fruchtschnitten zur Fastenzeit

The Forme of Cury · England · 1390

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit90 Min.Portionen6-8 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Ziehe eine dicke Mandelmilch mit Wasser. Nimm Datteln und putze sie sauber. Hacke sie zusammen mit Äpfeln und Birnen klein und vermenge sie mit Damaszener-Pflaumen. Nimm die Steine aus den Pflaumen und schneide sie entzwei. Gib Rosinen, Zucker, gemahlenen Zimt, ganze Muskatblüten und Nelken, gute Gewürze und Salz dazu. Färbe es mit Sandelholz. Vermenge dies mit Öl, bereite eine Teighülle wie zuvor und gib diese Farce hinein. Backe sie gut und trage sie auf.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
a thick almaunde Mylke Dicke Mandelmilch - -
water Wasser - -
dates Datteln Supermarkt -
apples Äpfel - -
peeres Birnen - -
prunes damysyns Damson-Pflaumen (Zwetschgen) Wochenmarkt Getrocknete Zwetschgen
prunes Pflaumen (getrocknet) Supermarkt -
Raisouns Rosinen - -
sugur Zucker - -
flour of canel Zimtpulver - -
hoole macys Ganze Muskatblüten (Macis) Bio-Laden Gemahlene Muskatblüte
clowes Nelken (ganz) - -
gode powdours Milde Gewürzmischung (z.B. Zimt, Ingwer, Muskat) - -
salt Salz - -
saundres Sandelholzpulver Online-Gewürzhandel -
oile Pflanzenöl (z.B. Rapsöl) - -
coffyn Pastetenteig (für eine Form) - -

Welches Gericht ist das? Eine gebackene Fruchtpastete für die Fastenzeit, die nach dem Backen in Scheiben (leshes) aufgeschnitten wird - der englische Vetter einer gefüllten Obst-Tarte und nah verwandt mit den Frucht-Rissolen des Ménagier (men-260) und den Fasten-Mandelmilch-Süßspeisen (wes-016, men-237). Trotz des Titels „gebraten“ wird im Text klar gebacken.

Coffyn. Kein Sarg, sondern der mittelalterliche Standardausdruck für die stabile, frei stehende Teighülle (raised pie crust) - eine Form aus festem Wasser-Mehl-Teig, die als essbare Backform dient. „Wie zuvor“ verweist auf die vorangehenden Pasteten-Rezepte des Buchs; gemeint ist derselbe aufgesetzte Teigrand.

Saundres. Rotes Sandelholz, das periodentreue rote Speise-Färbemittel - gibt der Füllung einen warmen rotbraunen Ton. Kein moderner Behelf nötig, Sandelholzpulver ist im Gewürzhandel erhältlich.

Leshes / fryed. Der Titel „Leshes fryed in Lenton“ (Scheiben, Fastenzeit) ist irreführend: das Rezept selbst weist nur Backen an. Aufgeschnitten wird die fertige Pastete in Schnitten serviert - daher „leshes“.

Fastenlogik. Statt Sahne, Butter und Ei binden Mandelmilch und Öl - klassische Fasten-Ersatzstoffe, die das Gericht milch- und eifrei halten.

Praxis. Trockenfrüchte (Datteln, Pflaumen, Rosinen) und frisches Kernobst fein hacken, mit Zucker und warmen Gewürzen (Zimt, Macis, Nelke) mischen, mit einer Messerspitze in Wasser angerührtem Sandelholz rötlich färben und mit etwas Öl binden. In einen blind vorgebackenen Mürbe- oder Wasserteig-Boden füllen und bei 180 Grad backen, bis die Hülle fest ist. Nach dem Abkühlen in Schnitten aufschneiden. Braucht einen Ofen - am Lager nur als mitgebrachte Füllung praktikabel.

Was sind „Leshes“?

„Leshes“ bezeichnet im mittelalterlichen Kontext Scheiben oder Schnitten eines Gerichts, oft einer Art Pastete oder eines Brotes. In diesem Rezept sind es die Scheiben der gebackenen Fruchtpastete.

Was bedeutet „gode powdours“ und welche Gewürze sind gemeint?

„Gode powdours“ (gute Pulver) ist eine allgemeine Bezeichnung für eine milde Gewürzmischung. Typischerweise enthielt sie Zimt, Ingwer, Muskat und manchmal Zucker. Verwende eine Mischung dieser Gewürze nach eigenem Geschmack.

Was ist „Saundres“ und wofür wird es verwendet?

„Saundres“ ist Sandelholzpulver, das im Mittelalter als Farbstoff für Speisen verwendet wurde, um ihnen eine rötlich-braune Farbe zu verleihen. Es hat einen milden, leicht holzigen Geschmack. Du kannst es in Apotheken oder spezialisierten Gewürzläden finden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Zubereitung direkt am Lager. Das Backen einer Pastete mit Teigmantel erfordert einen Ofen und ist zeitaufwendig. Die Fruchtfüllung kann jedoch zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden, um sie dann in einer vorbereiteten Teighülle oder als Füllung für andere Gerichte zu verwenden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“, einer Sammlung von Kochrezepten, die um 1390 für die Köche von König Richard II. von England zusammengestellt wurde. Es ist eines der ältesten und bekanntesten englischen Kochbücher und gibt Einblicke in die höfische Küche des Spätmittelalters.

LESSHES FRYED IN LENTON . XX.VII Drawe a thick almaunde Mylke wiþ water. take dates and pyke hem clene with apples and peeres & mynce hem with prunes damysyns. take out þe stones out of þe prunes. & kerue the prunes a two. do þerto Raisouns sugur. flour of canel. hoole macys and clowes. gode powdours & salt. colour hem up with saundres. meng þise with oile, make a coffyn as þou didest bifore & do þis Fars þerin. and bake it wel and serue it forth. Leshes. V. Leche Lumbard in Gloss. lenton. Lentoun, Contents, i. e. Lent. Fars. Vide Gloss.
almaunde Mylke

Mandelmilch, der pflanzliche Milchersatz der Fastenküche.

prunes damysyns

Damaszener-Pflaumen (Damsons), eine kleine, herb-säuerliche Pflaumensorte - hier als getrocknete Dörrpflaumen, deren Steine zu entfernen sind.

saundres

Rotes Sandelholz, das periodentreue rote Speise-Färbemittel - färbt die Füllung warm rotbraun.

coffyn

Die frei stehende Teighülle einer Pastete (raised crust), die als essbare Backform dient - nicht „Sarg“.

Leshes

Scheiben, Schnitten - die fertig gebackene Pastete wird aufgeschnitten serviert.

Lenton

Die Fastenzeit vor Ostern, in der Fleisch, Eier und Milchprodukte gemieden wurden.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 74 recto
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartLeshes fryed in Lenton

Gewählte Lesart: Gebacken: der Rezepttext weist ausdrücklich "bake it wel" an und beschreibt eine coffyn (Teighülle). Der Titel "fryed" steht im Widerspruch dazu und ist vermutlich ein Sammel- oder Rubriken-Titel; serviert werden die aufgeschnittenen Scheiben (leshes).

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 74 recto, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die gebackene Teighülle braucht einen Ofen. Die Fruchtfüllung lässt sich zuhause vorbereiten und mitbringen.
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