Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Weichsel-Latwerge mit Honig und Brot

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 811 · Schwaben · 1440

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9.2/10BrotBrot / BackwerkHöfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit100 Min.Portionen1 Glas ~500 mlBuchMünchner Kochbuchhandschriften (Cgm 811) (~1440)

Willst du eine gute Latwerge von Weichseln zubereiten, so gib die Sauerkirschen in einen Topf und setze diesen auf gute Glut, ohne Flüssigkeit hinzuzufügen. Wenn es zu sieden beginnt, lass es abkühlen.

Danach streiche das Mus durch ein Tuch. Gib das passierte Mus in einen Kessel und setze diesen auf einen Dreifuß. Lege gute Glut darunter und lass es sieden, bis es dick wird.

Füge dann Honig und geriebenes Brot hinzu und würze es gut. Rühre es, bis es dick wird. Und das genügt.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
weich seln Sauerkirschen - Supermarkt, Wochenmarkt -
honig Honig - - -
geribens prot Geriebenes Brot - Supermarkt (Paniermehl) oder selbst herstellen -
wrcz es wol Gewürze - - Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat

Welches Gericht ist das? Eine Weichsel-Latwerge - ein dick eingekochtes, passiertes Sauerkirsch-Mus zum Aufbewahren, mit Honig gesüßt und mit geriebenem Brot gebunden. Eng verwandt mit der Tegernseer Kirschen-Latwerge (m725-010) und mit einer fast textgleichen Fassung im Kloster Rott am Inn (Clm 15632) - näher an heutigem Powidl oder Lekvar als an einer modernen, mit Gelierzucker gebundenen Marmelade.

Zwei Stufen. Zuerst die Weichseln ohne Zugabe von Flüssigkeit auf der Glut weich ziehen lassen (sie geben selbst Saft ab), abkühlen lassen und erst dann durch ein Tuch streichen - dabei werden Kerne und Häute in diesem einen Arbeitsgang entfernt. Danach das passierte Mus im Kessel über Glut erneut dick einkochen, mit Honig süßen, mit geriebenem Brot binden, würzen und rühren, bis es dick steht. „et sufficit“ - das genügt.

Praxis. Sauerkirschen ohne Wasserzugabe sanft erhitzen, bis sie weich sind und selbst Saft ziehen; abkühlen lassen und durch ein Tuch streichen (dabei werden Kerne und Schalen zugleich entfernt). Das Mus erneut über Glut oder auf kleiner Flamme einkochen, mit Honig und etwas geriebenem, trockenem Brot binden, mit den üblichen süßen Gewürzen abschmecken und rühren, bis es löffelfest ist.

Was ist eine Latwerge?

Eine Latwerge ist ein dickes Fruchtmus oder eine Konfitüre, die im Mittelalter oft als Süßspeise oder Beilage zu Fleisch serviert wurde.

Welche Gewürze soll ich verwenden?

Das Rezept nennt keine spezifischen Gewürze. Typisch für süße Latwergen im Mittelalter waren Zimt, Nelken, Ingwer oder Muskat. Wähle eine Mischung nach deinem Geschmack.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung im Topf über Glut ist authentisch, und die Zutaten sind robust und gut transportierbar. Lediglich das Passieren durch ein Tuch erfordert etwas Sauberkeit und Geduld.

Was bedeutet 'Weichseln'?

'Weichseln' sind Sauerkirschen, die im Mittelalter häufig für Mus, Latwergen und Saucen verwendet wurden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 811) (2. Viertel 15. Jh., Schwaben). Vier Kochrezepte, eingestreut in das berühmte 'Liederbuch des Jakob Käbitz' (Cgm 811) - eine schwäbische Lieder- und Spruchsammlung des 2. Viertels des 15. Jh. Eine Hand notierte hier drei Selsen (fruchtig-saure Würzsaucen: aus Weintrauben und sauren Äpfeln; aus Äsche; eine grüne Kräuter-Selse, die mit Morgentau angesetzt und zu Pulver getrocknet wird) sowie eine Weichsel-Latwerge mit Honig und geriebenem Brot. Einzige schwäbische Quelle im Korpus und ein seltenes Beispiel für Kochrezepte in einer Liederhandschrift. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M7 ediert; Teil der Ehlert-Edition der Münchner Kochbuchhandschriften.

Wiltu machen guot latwerg uon weich seln so tue sy jn ein hafen vnd secz in auff ein guot gluot vnd geuß nit dar an vnd wen eß seydent wirt so laß eß kalt werden vnd streich es durch ein duoch vnd tuo es in ein kessel vnd secz es auff einen trifuß vnd tuo es ein guot gluot dar vnder vnd las eß syeden piß es dick wirt vnd tuo den dar ein honig vnd geribens prot vnd wrcz es wol vnd rur es piß es dick wirt et sufficit
Latwerg

Eine Art dickes Fruchtmus oder Konfitüre, oft gesüßt und gewürzt, die im Mittelalter als Süßspeise oder Beilage serviert wurde. In diesem Rezept (Cgm 811) und in der eng verwandten Fassung Clm 15632 als „latwerg/latwäring“ bezeichnet - die meisten anderen Textzeugen derselben Rezeptfamilie nennen dieselbe Zubereitung „salse“ (Soße), was auf eine fließende Grenze zwischen süßer Latwerge und würziger Fleischsoße in dieser Rezeptgruppe hindeutet.

Weichseln

Sauerkirschen, die im Mittelalter häufig für Mus, Latwergen und Saucen verwendet wurden.

hafen

Ein Kochtopf, meist aus Keramik oder Metall.

gluot

Glühende Holzkohle oder Asche, die als Wärmequelle dient.

duoch

Ein Leinentuch zum Passieren von Flüssigkeiten oder Mus.

trifuß

Ein dreibeiniger Ständer, auf dem ein Kessel über dem Feuer oder der Glut platziert wird.

geribens prot

Fein geriebenes, oft getrocknetes Brot, das als Bindemittel und Geschmacksgeber verwendet wird.

wrcz es wol

Die genaue Gewürzmischung ist nicht angegeben, aber typisch für süße Latwergen wären Zimt, Nelken, Ingwer oder Muskat.

et sufficit

Lateinisch für „und es genügt“, eine häufige Abschlussformel in mittelalterlichen Rezepten.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 811
Folio
Fol. 036r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-bairisch, Liederbuch des Jakob Käbitz)
Entstehung
Schwaben, 1440

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwrcz es wol

Gewählte Lesart: Die Anweisung „würze es gut“ wurde als Aufforderung verstanden, die Latwerge mit den im Mittelalter üblichen süßen Gewürzen zu verfeinern.

Originalwerk (~1440) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 036r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 811 (Liederbuch des Jakob Käbitz, 2. Viertel 15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M7 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 811), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf über Glut zubereitet, erfordert es etwas Zeit zum Abkühlen und Passieren. Die Zutaten sind robust und gut transportierbar.
Alle Rezepte aus Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 811) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.