München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Wenn du eine Sauce aus Weichselkirschen machen willst:
Gib die Weichselkirschen in einen Topf und lass sie sieden. Und lass sie kalt werden. Und streiche sie dann durch ein Tuch. Und gib sie dann in eine Pfanne oder einen Topf und setze sie auf eine Glut. Und lass es gut sieden und rühre sie, bis sie dick wird.
Und gib dann Honig, geriebenes Brot, Nelken und genug Gewürze hinzu. Und gib sie in ein Fässchen; drei oder vier Jahre bleibt sie dir gut.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| weichsel | Weichselkirschen | - | Supermarkt, Wochenmarkt | Sauerkirschen |
| honig | Honig | - | - | - |
| ge= ribnes pratt | geriebenes Brot | - | - | Semmelbrösel |
| neglein | Nelken | - | - | - |
| stupt gnug | genug Gewürzpulver | - | - | Zimt, Ingwer, Pfeffer |
Welches Gericht ist das? Eine eingekochte Weichsel-(Sauerkirsch-)Salse zur Vorratshaltung (salssen von weichselen), also eine Frucht-Latwerge: gekochte, passierte Sauerkirschen mit Honig, geriebenem Brot und Nelken/Gewürz dick eingekocht und ins Fässchen gefüllt - hält laut Original „drei oder vier Jahre“. Lebende Verwandte sind der Sauerkirsch-Powidl und die Mostarda. Das Rezept ist ein Wiederholungs-Eintrag der fast wortgleichen Sauerkirschsauce für die Vorratshaltung derselben Handschrift; Methoden-Zwillinge sind die Weichsel-Latwerge mit Honig und Brot und die Weixelsalsen.
Zwei-Stufen-Technik. Die Weichseln werden im haffen ohne Wasserzusatz weich gezogen (sie geben genug Eigensaft ab), kalt durch ain tuch passiert - das entfernt Steine und Häute - und das reine Mus auf der glutt lange eingekocht, pis das sy dick werdt, bis der Rührlöffel nahezu steht. Der fnhd-Binder ge= ribnes pratt ist geriebenes (gern altbackenes) Brot, kein Brät.
Praxis. Entsteinte Sauerkirschen ohne Wasser köcheln, durch ein Tuch oder Sieb passieren, dann mit Honig, 1-2 EL geriebenem Brot bzw. Semmelbröseln und Nelken (gern dazu etwas Zimt/Ingwer) auf milder Glut lange einreduzieren - gegen Ende ständig rühren, damit nichts anbrennt. Heiß in saubere, säurefeste Gläser füllen; dank Zucker und Säure hält sie viele Wochen bis Monate. Süß-würziges Condiment zu Wild und Braten.
Weichselkirschen sind eine alte Bezeichnung für Sauerkirschen (Prunus cerasus). Sie sind saurer und aromatischer als Süßkirschen und eignen sich hervorragend für Saucen, Konfitüren und Konserven.
Ja, hervorragend. Die Sauce ist selbst ein haltbares Vorrats-Condiment: hoher Zuckergehalt durch den Honig, Säure der Kirschen und langes Einkochen machen sie von Natur aus lange haltbar, ohne Kühlung. Die Zubereitung gelingt am offenen Feuer mit Topf, Tuch und Rührlöffel - der einzige Aufwand ist das geduldige Einreduzieren und ständige Rühren gegen Ende. Heiß abgefüllt hält sie sich problemlos viele Wochen bis Monate.
Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (Regensburg, Bayern). Umfangreiche mittelbairische Festküche um 1500: 104 Rezepte aus Regensburg (BSB München, Cgm 5919, datiert um 1500-1510), hyperdiplomatisch transkribiert. Die Kochrezepte stehen auf Bl. 15r-27r. Schwerpunkt auf repräsentativer, gehobener Küche: Pasteten (Hecht, Rindfleisch), Torten von Geflügel, zahlreiche Sülzen und Gallerte (gesülzte Kalbsfüße, Morcheln, Schlehen), Schauspeisen (ein ganzes Huhn in einem Glasgefäß, die Verdopplung eines Aals), Senf sowie Mandel- und Eierspeisen. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M9 ediert. Anders als die sechs Münchner Ehlert-Handschriften NICHT in der gedruckten Edition von Trude Ehlert (1999) enthalten - die CoReMA-TEI ist die alleinige Textbasis.
Weichselkirschen sind eine Sorte der Sauerkirsche (Prunus cerasus).
Bezeichnet Töpfe oder Pfannen, die zum Kochen verwendet werden.
Glühende Kohlen, die als Wärmequelle dienen.
Hier ‚geriebenes Brot' als Bindemittel - dieselbe Lesart wie im Schwester-Rezept m5919-047 (‚geribens pratt') und korpusweit gesichert (m811-004, koe-018). Brot als Andickmittel ist in dieser Frucht-Salse-Familie der Normalfall.
Nelken, ein häufig verwendetes Gewürz in der mittelalterlichen Küche.
Wörtlich ‚genug Gestäubtes', also genug Gewürzpulver. Da Nelken bereits genannt sind, bezieht sich dies auf weitere, nicht näher spezifizierte Gewürze.
Ein kleines Fässchen, das zur Lagerung der Sauce dient.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| weichsel | sour cherry Q68438267 |
| honig | honey Q10987 |
| ge= ribnes pratt | bread Q7802 |
| neglein | clove Q15622897 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
pratt
Gewählte Lesart: ‚Geriebenes Brot' - als Bindemittel für die Sauce.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.