Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Wer einen Kumpost aus Sauerkirschen machen will, der nehme Weichseln und breche ihnen die Stiele ab und siede sie in einem Topf in ihrem eigenen Saft. Und wenn sie gesotten sind, so gieße sie ab und lass sie kühlen und schlage sie durch ein Tuch und gieße sie dann in einen Topf, der gepicht ist, die Kirschen hinein. Und menge sie mit Honig und gib Galgant-Gewürz darunter gestreut. Wer es sogleich essen will, der lasse es ohne Gewürz.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| suren wiseln | Sauerkirschen | - | Wochenmarkt, Supermarkt | - |
| honige | Honig | - | Supermarkt, Imker | - |
| galgan wuertze | Galgantpulver | - | Gewürzhandel, Bio-Laden, Online-Gewürzhandel | Ingwerpulver (geschmacklich ähnlich, aber nicht identisch) |
Welches Gericht ist das? Ein Sauerkirsch-Kumpost zum Einlagern - eine passierte, mit Honig gesüßte und mit Galgant gewürzte Fruchtzubereitung, die in einem pechausgekleideten Topf aufbewahrt wird. Die fast wortgleichen Schwesterfassungen im Korpus zeigen, worum es geht: die Sauerkirschsauce zur Vorratshaltung m5919-047 ("darin bleibt sie ein Jahr oder vier Jahre gut") und die Weichsel-Latwerge m811-004. In allen drei Fällen werden die Früchte im eigenen Saft gekocht, passiert, und der Brei wird zur Konserve - es ist also eine eingekochte Frucht-Würze, kein modernes süßes Kompott.
Kumpost und der gepichte Hafen. Kumpost (von lat. compositum) meint im Mittelalter eine eingelegte, haltbar gemachte Frucht- oder Gemüsezubereitung. Der hafen, der gebichet si ist ein innen mit Pech ausgekleideter Vorratstopf - das dichte, luftabschließende Gefäß für die Lagerung, das im Schwesterrezept m5919-047 schlicht ein Fass ist. Es gibt keinen Beleg für eine bewusste Fermentation; die Haltbarkeit entsteht durch das Einkochen, den Honig und das dichte Gefäß.
Praxis. Sauerkirschen entstielen und im eigenen Saft weich kochen, bis sie gar sind - das Original nennt keine Zeit- oder Mengenangabe, das hängt von der Reife der Früchte ab. Abkühlen lassen, durch ein Tuch oder feines Sieb streichen, um Kerne und Häute zu entfernen. Anders als die eng verwandten Fassungen m5919-047 und m811-004, die den passierten Brei noch einmal aufkochen, bis er dick wird, bleibt der Brei hier ungekocht und wird direkt mit Honig gemengt - das Ergebnis ist dadurch flüssiger als bei den Schwesterfassungen. Den passierten Brei nach Geschmack mit Honig süßen und mit etwas Galgantpulver würzen; es bringt eine erdig-scharfe, leicht zitronige Note. Wer sofort essen will, lässt nach dem Original die Gewürze weg. Sicherheit: Die historische Pech-Topf-Lagerung heute nicht nachstellen - fertig in sterile Gläser füllen, kühl stellen und binnen weniger Tage verbrauchen.
Galgantpulver ist in gut sortierten Apotheken, Reformhäusern oder spezialisierten Gewürzläden erhältlich. Online-Gewürzhändler führen es ebenfalls. Als geschmackliche Alternative kann Ingwerpulver verwendet werden, auch wenn der Geschmack nicht identisch ist.
Eingeschränkt. Die Zubereitung - Kirschen entstielen, im eigenen Saft weich kochen, durch ein Tuch passieren - lässt sich problemlos am Lagerfeuer mit Topf und Tuch erledigen. Die eigentliche Vorratshaltung im pechversiegelten Topf gehört aber nicht ans Lager: Das Abdichten mit Pech ist kein Feld-Handwerk, und die Lagerzeit braucht eher Monate als eine Marktsaison. Praktikabel ist entweder die Sofort-Variante ohne Gewürz frisch zu genießen oder das fertig eingekochte Kompott mitzubringen.
Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet 'cumpost' (von lateinisch 'compositum') allgemein eine eingelegte, haltbar gemachte Frucht- oder Gemüsezubereitung - der Begriff kann auch Fermentiertes einschließen. Für dieses Rezept ist eine bewusste Fermentation aber nicht belegt: Die Haltbarkeit entsteht hier durch Einkochen, Honig und den dicht verschlossenen Topf. Es ist keine süße Nachspeise im modernen Sinne, sondern eine würzige Fruchtkonserve.
Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).
Von lat. compositum: eine eingelegte, haltbar gemachte Frucht- oder Gemüsezubereitung - nicht das süße Kompott der Neuzeit.
Weichseln, also Sauerkirschen (auch 'suren wiseln'). Im selben Text synonym 'kirsen' genannt.
Der eigene Saft der Früchte, der beim Kochen austritt - es wird keine Flüssigkeit zugesetzt.
Ein innen mit Pech ausgekleideter Vorratstopf - das dichte Lagergefäß. Im Schwesterrezept m5919-047 ist es ein Fass.
Galgantpulver: ein Ingwergewächs mit scharf-zitronigem Geschmack, in der mittelalterlichen Küche sehr beliebt.
Nimmt die zuvor durchgeschlagene Fruchtmasse noch einmal beim Namen ('die Kirschen'), nachdem der Nebensatz zum Pech-Topf eingeschoben wurde - keine zweite Zutat, sondern dieselbe Masse.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| suren wiseln | sour cherry Q68438267 |
| honige | honey Q10987 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vnd schuete sie denne in einen hafen, der gebichet si, vnd schuet die kirsen drin
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Stand dieser Fassung: 10.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.