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Sauerkirsch-Salse zum Einlagern

Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1) · Bayern (Landshut) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9.2/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit90 Min.Portionen1 kleines Fass (ca. 1-2 Liter Salse)BuchKochbuch Meister Eberhards (~1450)

Wenn du eine gute Salse aus Sauerkirschen zubereiten möchtest, gib die Sauerkirschen in einen Topf und stelle ihn auf eine Glut. Lass sie sieden und danach wieder abkühlen. Streiche die Kirschen dann durch ein Tuch und gib sie wieder in den Topf zurück.

Stelle den Topf erneut auf eine Glut und lass die Kirschen gut sieden. Rühre sie, bis sie dick werden. Gib dann Honig, geriebenes Brot, Nelken und ein gutes Gewürzpulver hinzu. Fülle die Salse in ein kleines Fass; sie wird dir drei oder vier Jahre lang gut haltbar bleiben.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
weichselnn Sauerkirschen Supermarkt, Wochenmarkt -
honig Honig - -
geribens prot Geriebenes Brot Supermarkt (Brotkrume) Selbstgemachte Brotkrume aus altbackenem Weißbrot
negellein Nelken - -
gut gestup Gewürzpulver gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Eine Mischung aus Zimt, Ingwer, Pfeffer und Muskat

Welches Gericht ist das? Eine eingekochte, im Fass haltbare Sauerkirsch-Salse (salsenn von weichselnn) - ein süß-würziges Vorrats-Condiment, das als Tunke zu Wild und Braten gereicht wurde. Verwandt mit der Weichsel-Latwerge m811-004, der fast wortgleichen Sauerkirschsauce m5919-047 und der Tegernseer Weixelsalsen.

Das Verfahren läuft in zwei Stufen: Zuerst die weichselnn im Topf weich sieden lassen, abkühlen, durch ein Tuch passieren (Kerne und Häute bleiben zurück). Dann das Mus erneut auf die Glut, gut sieden und rühren, bis es dick wird.

Gewürzt wird zum Schluss: Honig (Süße und Konservierung), geribens prot als Bindung, Nelken und gut gestup - ein gutes Gewürzpulver (frühneuhochdeutsch stup/stupp = Staub, Pulver), keine eigene Frucht oder Nuss. Typisch wäre eine fein gestoßene Mischung aus Zimt, Ingwer, Pfeffer und Muskat.

Praxis. Heiß in saubere, säurefeste Gefäße abfüllen und kühl sowie dunkel lagern. Die im Original genannte Haltbarkeit von drei bis vier Jahren beruht auf dem Zusammenspiel von Zuckerkonzentration, Fruchtsäure und langem Einkochen.

Was sind Weichseln?

Weichseln sind Sauerkirschen. Sie sind säuerlicher als Süßkirschen und eignen sich daher hervorragend für Saucen, Konfitüren und Konserven, da ihre Säure auch zur Haltbarkeit beiträgt.

Was bedeutet ‚gut gestup‘ im Rezept?

‚Gestup‘ ist eine frühneuhochdeutsche Form von ‚Staub‘ oder ‚Pulver‘ und meint hier ein gutes Gewürzpulver, dessen genaue Zusammensetzung nicht angegeben ist. Typische Gewürze der Zeit wären Zimt, Ingwer, Pfeffer, Muskat oder Nelken. Der fast wortgleiche Schwester-Eintrag m5919-047 liest dieselbe Stelle als ‚gut stupt genug‘.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, hervorragend. Es ist ein eingekochtes, haltbares Vorrats-Condiment: robuste Zutaten, am offenen Feuer mit einem einzigen Topf machbar, keine Kühlung nötig. Gerade wegen der langen Haltbarkeit ist die Salse ideal als mitgebrachter Lager-Vorrat - und das Einkochen lässt sich am Lager schön vorführen.

Wie lange ist die Salse haltbar?

Das Rezept verspricht eine Haltbarkeit von drei bis vier Jahren, was auf das Einkochen, die hohe Zuckerkonzentration des Honigs und die Säure der Kirschen zurückzuführen ist. Bei hygienischer Zubereitung und Lagerung an einem kühlen, dunklen Ort ist eine lange Haltbarkeit auch heute noch realistisch.

Zum Ein salsenn von weichselnn zu machen Item Wiltu machen ein gutte salsenn von weichselnn So thue die weich= sell in einen hafen vnd setz die auff ein glut vnd laß sie siedenn vnd laß dann wider erkaltenn vnd streich sie durch ein tuch vnd thue sie dann wider in den hafenn vnd setz sie auff ein glut vnd laß sie wol sieden vnd rurr sie piß sie dick wirt vnd thue dann honig dar an vnd geribens prot vnd negellein vnd gut gestup vnd thue sie in ein feßlein sie pleibt dir gut drew oder vier iarr
salsenn

Eine ‚Salse‘ bezeichnet im Mittelalter eine würzige Tunke oder Sauce, oft mit Frucht- oder Essigsäure, die als Beilage zu Fleisch oder Fisch gereicht wurde - es ist keine Salzzutat.

weichselnn

‚Weichseln‘ sind Sauerkirschen (Prunus cerasus), im Mittelalter eine beliebte Zutat für Saucen und Konserven.

gut gestup

‚Gestup‘ (vgl. ‚stup/stupp‘) ist eine frühneuhochdeutsche Form von ‚Staub‘ bzw. ‚Pulver‘, hier im Sinne von Gewürzpulver. Der nahezu wortgleiche Schwester-Eintrag m5919-047 hat an derselben Stelle ‚gut stupt genug‘ und sichert diese Lesart.

Handschrift
Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1)
Folio
Fol. 059r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)
Entstehung
Bayern (Landshut), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartweichselnn / siedenn / erkaltenn / hafenn

Gewählte Lesart: Die doppelten ‚nn‘ am Wortende sind eine typische Schreibweise im Frühneuhochdeutschen des 15. Jahrhunderts (bairischer Dialekt) und stellen keine inhaltliche Abweichung von den modernen Formen ‚Weichseln‘, ‚sieden‘, ‚erkalten‘ und ‚Hafen‘ dar.

Lesartgut gestup

Gewählte Lesart: ‚Gestup‘ (zu ‚stup/stupp‘) ist die frühneuhochdeutsche Form von ‚Staub, Pulver‘ und meint ein gutes Gewürzpulver. Der nahezu wortgleiche Twin m5919-047 hat an exakt derselben Stelle ‚gut stupt genug‘ und sichert die Lesart cross-source; das Glossar belegt ‚stupp‘ = staubfeines Pulver.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine nicht näher bezeichnete Gewürzmischung. - Die genaue Zusammensetzung des Pulvers gibt das Rezept nicht an; gemeint ist eine fein gestoßene Süßgewürz-Mischung (typisch Zimt, Ingwer, Pfeffer, Muskat).

Lesartgeribens prot

Gewählte Lesart: ‚Geribens prot‘ ist geriebenes Brot, das die Salse bindet und andickt - eine korpusweit belegte Saucen- und Latwergen-Technik (vgl. m5919-047, m811-004).

Andere mögliche Lesart:

  • Geriebener Braten. - ‚prot/pratt‘ könnte theoretisch ‚Braten‘ sein, doch geriebenes Brot als Bindemittel ist in dieser Gerichtsfamilie die übliche und kulinarisch sinnvolle Lesart; ‚geriebener Braten‘ wäre hier unüblich und wird verworfen.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 059r, Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. A1 (Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Gold: ein eingekochtes, robustes Konservat - durch Honig, Gewürze und langes Einkochen lange haltbar (laut Original im Fass „drei oder vier Jahre“). Alle Zutaten lager- und transportfähig, am offenen Feuer mit einem einzigen Topf herstellbar, keine Kühlkette nötig. Gerade wegen der langen Haltbarkeit ein ideales mitgebrachtes Vorrats-Condiment fürs Lager.
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