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Loesengen: Frittierte Honig-Gebäcke

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

🍯 Nachspeise 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 45 Min.👥 4–6 Personen📖 Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Original — Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)

Loesengen: Frittierte Honig-Gebäcke — Originalseite aus Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse)
Scan 009, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain

Transkription (Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.))

xxij Loesengen inde vastenen of daer buten nemt bloemme huenich melc tempert ende wriuet dynne ghelijc een blat Teender taerten ende dan snijdet naer Juwen wille ziedet inde vastenen in olyen ende buten vastenen in smoute vercoelse ende dan hebt wijn ende huenich ende siedse in een panne met sukere ende met een lettel wijns dan heetse waerm

Coquinaria.nl — Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Benötigt einen Topf mit viel Frittierfett und gute Temperaturkontrolle über dem Feuer. Der Teig kann zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden.

Nehmt Mehl, Honig und Milch. Verrührt und knetet die Zutaten zu einem dünnen Teig, ähnlich einem Tortenboden. Schneidet den Teig dann nach eurem Belieben in Formen. In der Fastenzeit frittiert die Gebäcke in Öl, außerhalb der Fastenzeit in Schmalz. Lasst sie abkühlen. Nehmt anschließend Wein und Honig und kocht sie zusammen mit Zucker und ein wenig Wein in einer Pfanne auf. Erhitzt die Gebäcke darin warm und serviert sie.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
bloemme Mehl
huenich Honig
melc Milch
olyen Öl
smoute Schmalz
wijn Wein
sukere Zucker

Anmerkungen

Loesengen
Raute- oder Pastillen-förmiges Gebäck, oft frittiert und mit Sirup übergossen.
ziedet
Dieses mittelniederländische Verb kann je nach Kontext ‚sieden‘, ‚kochen‘ oder ‚frittieren‘ bedeuten. Im ersten Teil des Rezepts, in Verbindung mit Öl oder Schmalz, ist ‚frittieren‘ gemeint. Im zweiten Teil, für den Sirup, bedeutet es ‚köcheln lassen‘.
temperen
Vermischen, anrühren, zu einer homogenen Masse verarbeiten.
wriuen
Kneten, reiben oder verreiben, um einen Teig zu formen.
smoute
Tierisches Schmalz, meist Schweineschmalz.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

Loesengen

Gewählte Lesart: ‚Loesengen‘ wurden als rauten- oder pastillenförmige, frittierte Gebäcke interpretiert, die typisch für mittelalterliche Süßspeisen waren.

ziedet

Gewählte Lesart: Das Verb ‚ziedet‘ wurde im Kontext des Ausbackens in Fett als ‚frittieren‘ und im Kontext des Sirups als ‚köcheln lassen‘ übersetzt, um die unterschiedlichen Garmethoden korrekt wiederzugeben.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart wäre, ‚ziedet‘ durchgängig als ‚sieden‘ oder ‚kochen‘ zu übersetzen. — Dies würde jedoch die spezifische Garmethode des Frittierens in Öl oder Schmalz, die durch den Kontext ‚in olyen ende in smoute‘ klar impliziert ist, nicht korrekt wiedergeben.

wriuet

Gewählte Lesart: ‚Wriuet‘ wurde als ‚knetet‘ übersetzt, da es sich auf die Teigzubereitung bezieht, bei der die Zutaten zu einer homogenen Masse verarbeitet werden.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine wörtlichere Übersetzung wäre ‚reibt‘ oder ‚verreibt‘. — Im Kontext der Teigherstellung ist ‚kneten‘ jedoch die gebräuchlichere und funktional passendere moderne Entsprechung für das Zusammenführen und Bearbeiten der Zutaten zu einem Teig.

Häufige Fragen

Was sind ‚Loesengen‘?

‚Loesengen‘ sind rauten- oder pastillenförmige Gebäcke, die im Mittelalter oft frittiert und anschließend mit einem süßen Sirup übergossen wurden. Sie waren eine beliebte Süßspeise.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet. Der Teig kann zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden. Am Lager selbst benötigt man einen Topf mit ausreichend Frittierfett und eine gute Kontrolle über die Feuerhitze, um die Gebäcke auszubacken. Der Sirup lässt sich ebenfalls einfach über dem Feuer zubereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Handschrift UB Gent 1035, bekannt als ‚Wel ende edelike spijse‘, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Flandern verfasst wurde. Es ist die einzige vollständig erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung dieser Epoche. Eine digitale Edition ist auf coquinaria.nl (Christianne Muusers, 2020) verfügbar.

Was bedeutet ‚ziedet‘ im Rezept?

Das mittelniederländische Wort ‚ziedet‘ ist vielseitig. Im Kontext des Frittierens in Öl oder Schmalz bedeutet es ‚frittieren‘ oder ‚ausbacken‘. Wenn es sich auf das Aufkochen des Sirups bezieht, ist es mit ‚köcheln lassen‘ oder ‚sieden‘ zu übersetzen. Die genaue Bedeutung ergibt sich aus dem jeweiligen Zubereitungsschritt.

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