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Kräuteromelett für Schreiber

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 25 Min.👥 2–4 Personen📖 Registrum Coquine (~1433)

Original — Mittellatein (frühes 15. Jh.)

Kräuteromelett für Schreiber — Originalseite aus Registrum Coquine
BnF Ms. Latin 7054, fol. 70v/71r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f71) — Domaine public

Transkription (Mittellatein (frühes 15. Jh.))

Ad faciendum herbolatam aliam
pro Notariis et copiistis.

Recipe herbas bonas, et sanas, et odoriferas, ad libitum tuum, et pista illas bene
cum cultello. tunc recipe caseum recentem, cum ouis crudis temperata cum
zuccharo, et croco, Post hec Recipe caseum bonum, et antiquum
et fac petias rotundas, et mitte super illas herbas, et mitte modicum
bulire et superius zucharum.

Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 — CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Für dieses Kräuteromelett für Notare und Schreiber nimm gute, gesunde und wohlriechende Kräuter nach deinem Belieben und hacke sie fein mit einem Messer. Dann nimm frischen Käse und vermische ihn mit rohen Eiern, Zucker und Safran. Danach nimm guten, alten Käse, schneide ihn in runde Stücke und gib diese auf die Kräuter. Lass das Ganze ein wenig köcheln und streue zum Schluss Zucker darüber.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
herbas bonas, et sanas, et odoriferas, ad libitum tuum Gute, gesunde und wohlriechende Kräuter
caseum recentem Frischer Käse
ouis crudis Rohe Eier
zuccharo Zucker
croco Safran
caseum bonum, et antiquum Guter, alter Käse

Anmerkungen

Herbolatam
Eine Art Kräuteromelett, Kräuterpfannkuchen oder -pastete, oft mit Käse und Eiern zubereitet.
Notariis et copiistis
Notare und Schreiber, also Personen, die im Mittelalter Texte verfassten oder kopierten.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

pista illas bene cum cultello

Gewählte Lesart: ‚hacke sie fein mit einem Messer‘ – Obwohl ‚pista‘ wörtlich ‚zerstoßen‘ oder ‚stampfen‘ bedeutet, legt der Zusatz ‚cum cultello‘ (mit einem Messer) nahe, dass die Kräuter sehr fein gehackt oder zerkleinert werden sollen, um eine ähnliche Konsistenz wie beim Zerstoßen zu erreichen.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚zerstoße sie gut und hacke sie mit einem Messer‘ — Diese Lesart würde eine zweistufige Verarbeitung implizieren, bei der die Kräuter zuerst grob zerstoßen und dann mit dem Messer feiner gehackt werden, was ebenfalls zu einer sehr feinen Textur führen würde.

mitte modicum bulire

Gewählte Lesart: ‚lass es ein wenig köcheln/garen‘ – Angesichts der Zutaten wie Eier und Käse ist ein sanftes Köcheln oder Garen wahrscheinlicher als ein starkes Kochen, um ein Gerinnen oder Anbrennen zu vermeiden und eine cremige Konsistenz zu erhalten.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚lass es ein wenig kochen‘ — ‚Bulire‘ bedeutet direkt ‚kochen‘ oder ‚sieden‘. Es ist möglich, dass die mittelalterliche Küche eine robustere Kochmethode vorsah, auch wenn dies für moderne Gaumen ungewöhnlich erscheinen mag.

Häufige Fragen

Was ist eine ‚Herbolata‘?

Eine Herbolata ist eine mittelalterliche Kräuterspeise, die oft als eine Art Kräuteromelett, Pfannkuchen oder eine offene Pastete zubereitet wurde. Sie enthielt typischerweise frische Kräuter, Eier und Käse und konnte sowohl süß als auch herzhaft gewürzt werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Die Verwendung von frischem Käse und rohen Eiern, die ohne Kühlung schnell verderben können, macht es schwierig, die Lebensmittelsicherheit im Sommerlager zu gewährleisten. Es müsste zu Hause vorbereitet und dann transportiert werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Registrum Coquine‘, einem Kochbuch, das um 1433 von Johannes von Bockenheim verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die höfische und klerikale Küche des frühen 15. Jahrhunderts.

Warum ist dieses Rezept speziell für ‚Notare und Schreiber‘ gedacht?

Die Widmung an Notare und Schreiber ist ungewöhnlich, aber charmant. Es könnte darauf hindeuten, dass es sich um eine leicht zuzubereitende, nahrhafte und vielleicht auch leicht verdauliche Speise handelte, die den oft sitzenden und konzentriert arbeitenden Gelehrten zugutekam. Es ist eine Spekulation, aber es verleiht dem Rezept eine persönliche Note.

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