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Frische Erbsen: Fleisch- und Fastentag

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10BeilageBeilageBürgerliche KücheBürgerlichHülsenfrüchteHülsenfrüchte
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Was die frischen Erbsen betrifft: Manchmal werden sie an Fleischtagen in Fleischbrühe gekocht, mit im Mörser zerstoßener Petersilie, um einen grünen Eintopf zu bereiten; dies ist für Fleischtage. Und an Fastentagen kocht man sie in Mandelmilch, mit Ingwer und Safran darin. Und manchmal auch mit einer Cretonnée, wovon später die Rede sein wird.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
pois nouveaulx Frische Erbsen - -
eaue de char Fleischbrühe - -
percil broyé Petersilie - -
lait Mandelmilch - Kuhmilch (nicht für Fastentage)
gingembre Ingwer - -
saffran Safran - -

Welches Gericht ist das? Junge, frische Erbsen als gebundene Beilage - die direkte Ahnin der französischen purée de pois bzw. des deutschen Erbspürees. Der Ménagier gibt zwei Versionen je nach Kirchenkalender: an jours de char (Fleischtagen) ein grüner Eintopf mit Fleischbrühe und Petersilie, an jours de poisson (Fastentagen) milchig mit Mandelmilch, Ingwer und Safran.

potage vert - der grüne Eintopf. Die im Mörser zerstoßene Petersilie (percil broyé) färbt und aromatisiert die Erbsen zugleich. Potage meint hier kein klares Süppchen, sondern eine dicke, löffelbare Masse - näher am Brei als an der Suppe. Das Grün kommt rein aus der Petersilie, nicht aus einem Farbmittel.

lait an Fastentagen = Mandelmilch. An Fastentagen waren Kuhmilch und Butter verboten. Wenn ein Fastenrezept schlicht „Milch“ sagt, ist immer Mandelmilch gemeint - der Standard-Ersatz der mittelalterlichen Fastenküche. Safran gibt Farbe und Status, Ingwer die Wärme.

Praxis. Frische oder TK-Erbsen weich kochen. Fleischtag-Variante: in kräftiger Brühe garen, eine gute Handvoll Petersilie fein mörsern oder pürieren, untermengen, zu einem dicken Mus zerdrücken. Fastentag-Variante: in Mandelmilch köcheln, mit einer Messerspitze Ingwer und einigen Safranfäden würzen. Die im Schlusssatz erwähnte Cretonnée ist eine eigene, sämig gebundene Zubereitung (vgl. men-048).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung ist einfach und die Zutaten sind leicht zu transportieren und über offenem Feuer zuzubereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.

Was bedeutet 'lait' im Kontext der Fastentag-Variante?

Im Kontext der mittelalterlichen Fastentage ('jour de poisson') war Kuhmilch verboten. Daher ist 'lait' hier als Mandelmilch zu verstehen, die ein gängiger und erlaubter Ersatz für tierische Milchprodukte war.

Was ist ein 'Potage' im mittelalterlichen Sinne?

Im Mittelalter bezeichnete 'Potage' einen dicken Eintopf, Brei oder eine gebundene Speise, die oft als Hauptgericht oder Beilage serviert wurde. Es ist nicht mit einer modernen, klaren Suppe zu verwechseln, sondern eher mit einem Mus oder Püree.

Brauche ich einen Mörser für die Petersilie?

Das Originalrezept spricht von 'percil broyé' (zerstoßene Petersilie), was auf die Verwendung eines Mörsers hindeutet, um eine feine Paste zu erhalten. Für die moderne Küche kannst du Petersilie auch sehr fein hacken oder in einem Mixer pürieren. Wer es authentisch mag, verwendet einen großen Mörser und Stößel.

Quant est de pois nouveaulx, aucunesfoiz ils sont cuiz a jour de char et a l'eaue de char, et du percil broyé pour faire potage vert, et c'est a jour de char; et a jour de poisson l'en les cuit au lait, de gingembre et du saffran dedens; et aucunesfoiz a la cretonnee, dont il sera parlé cy apres.
potage vert

Grüner Eintopf bzw. grünes Mus - eine dicke, gebundene Speise, keine klare Suppe. Das Grün stammt aus der Petersilie.

percil broyé

Im Mörser zerstoßene Petersilie; färbt und würzt zugleich.

lait (jour de poisson)

An Fastentagen war Kuhmilch verboten; gemeint ist Mandelmilch als erlaubter Ersatz.

cretonnee

Eine sämig gebundene Erbsen-/Bohnen-Zubereitung; eigenes Rezept im Kapitel der gebundenen Eintöpfe (vgl. men-048).

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 136v
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 136v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Robust und schnell: Erbsen einfach im Topf über dem Feuer garen. Fleischtag-Variante braucht nur Brühe und Petersilie, Fastentag-Variante Mandelmilch, Ingwer und Safran - alles gut transportierbar.
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