Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Nimm alle Erbsen, seien sie alt oder neu, und bereite daraus ein Püree. Seihe das Püree durch ein feines Sieb, ein Haarsieb oder ein Tuch. Die alten Erbsen sollst du mit zerstoßenem Safran gelb färben. Gib dazu den Safran ins Kochwasser mit den Erbsen und mische ihn später auch unter das fertige Püree.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| poiz, soient vielz, soient nouveaulx | 500 g Erbsen (getrocknet oder frisch) | - | - |
| saffran broyé | 1 Prise zerstoßener Safran | Gewürzhändler, Online-Gewürzhandel | - |
| eaue | Wasser | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Ein passiertes Erbsenpüree - der direkte Vorfahr der bis heute geliebten Erbsensuppe und des Erbsmus. Der Ménagier macht aus altem wie neuem Erbsenkorn einen glatten, durchgeseihten Brei (coulé); die alten, schon nachgedunkelten Trockenerbsen werden mit Safran wieder schön goldgelb gefärbt. Erbsenpüree zieht sich durch den ganzen mittelalterlichen Korpus - vgl. die Erbsenmus-Sippe foc-068, foc-071 und die klare Tegernseer Fastensuppe teg-004.
Coulé und das Passieren. Das Herzstück ist das Durchseihen durch bultel (grobes Beutelsieb, eigentlich zum Mehlsieben), estamine (feines Haar- oder Leinensieb) oder schlicht ein Tuch. So trennt man Schalen und Fasern ab und bekommt die feine, höfische Konsistenz, die das einfache Bauernmus vom standesgemäßen Püree unterscheidet.
Saffran broyé - Farbe und Status. Alte Trockenerbsen werden grünlich-grau; zerstoßener Safran gibt das appetitliche Gold zurück und ist zugleich ein Statusgewürz. Der Ménagier legt Wert darauf, ihn doppelt einzusetzen - in das Kochwasser der Erbsen und nochmals in das fertige Püree -, damit Farbe und Aroma voll durchziehen.
Praxis. 500 g getrocknete Schälerbsen über Nacht einweichen, dann weich kochen (frische Erbsen entsprechend kürzer). Eine Prise Safran schon ins Kochwasser geben. Weiche Erbsen durch ein feines Sieb oder eine Flotte Lotte passieren, mit etwas Kochwasser auf streichfähige Konsistenz bringen und nochmals Safran unterrühren. Als sämige Beilage oder gestreckt als Suppe servieren.
Diese Begriffe bezeichnen verschiedene Arten von Sieben oder Tüchern, die zum Passieren und Verfeinern des Pürees verwendet wurden. Ein 'bultel' war ein grobes Sieb, 'estamine' ein feineres Haarsieb und 'sacs' ein einfaches Tuch. Heute kannst du ein feines Küchensieb oder einen Pürierstab verwenden, um eine glatte Konsistenz zu erzielen.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Getrocknete Erbsen und Safran lassen sich gut transportieren. Die Erbsen müssen jedoch über Nacht eingeweicht werden, was eine entsprechende Vorbereitung erfordert. Das Kochen und Pürieren kann problemlos über offenem Feuer oder auf einem Kocher erfolgen.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.
'Saffran broyé' bedeutet zerstoßener oder gemahlener Safran. Du kannst Safranfäden in einem kleinen Mörser zerstoßen oder bereits gemahlenen Safran verwenden. Für eine bessere Farbabgabe und Aromaentfaltung ist es ratsam, den Safran vor der Verwendung kurz in etwas heißem Wasser oder Brühe einzuweichen.
Durchgeseihter Brei/Püree - das Passieren durch Sieb oder Tuch ist hier das namengebende Verfahren.
Grobes Beutel-/Beutelsieb, ursprünglich zum Mehlsieben.
Feines Sieb aus Ross-/Pferdehaar oder Leinen für glatte Konsistenz.
Zerstoßener Safran - gibt den nachgedunkelten alten Erbsen ihr Goldgelb zurück (periodentreue Gelbfärbung) und dient als Statusgewürz.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.