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Taubenküken nach italienischer Art

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit45 Min.Portionen2-4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm Taubenküken und lege sie in eine Pfanne mit Speckfett. Decke die Pfanne gut zu und wende die Tauben gelegentlich, bis sie gar sind. Nimm Mandeln und zerstoße sie fein mit einem Messer. Verrühre rohe Eier mit Verjus. Danach gieße das Fett aus der Pfanne ab und gib Rosenwasser hinzu. Die Mandel-Ei-Verjus-Mischung soll etwas dickflüssig werden. Gieße diese Mischung über die Taubenküken oder Hühner. Dieses Gericht wird gut sein für die Italiener.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
pipiones Taubenküken Geflügelhändler Wachteln oder junge Hähnchen
pinguedine lardi Speckfett - -
amigdala Mandeln - -
oua cruda Rohe Eier - -
agresto Verjus Feinkostladen, Online-Handel Weißweinessig oder Zitronensaft
aquam roseaceam Rosenwasser Reformhaus, türkischer Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Gebratene junge Tauben unter einer feinen Mandel-Ei-Sauce, mit Verjus gesäuert und Rosenwasser parfümiert - ein höfisches Geflügelgericht der italienischen Manier. Das direkte Schwesterrezept derselben Handschrift ist boc-017 (Hähnchen oder Tauben unter einer Ei-Verjus-Gewürzpaste); verwandt ist auch foc-046 „Geschmorte Tauben“.

in pinguedine lardi … cooperi bene - im geschlossenen Topf garen. Die Tauben werden in Speckfett gelegt, die Pfanne gut zugedeckt und das Geflügel gelegentlich gewendet - das ist ein Schmoren im eigenen Dunst, kein scharfes Braten. So bleibt das magere Taubenfleisch saftig.

Die Sauce - Mandeln, rohe Eier, Verjus. Mandeln werden fein zerstoßen (pista cum cultello), rohe Eier mit Verjus verrührt. Nach dem Garen wird das Bratfett abgegossen, Rosenwasser zugegeben und die Mandel-Ei-Verjus-Mischung soll aliquantulum spissa - etwas dickflüssig - werden: Die Restwärme lässt die Eier leicht binden, ähnlich einer Sabayon, ohne zu fest zu stocken. Die Säure des Verjus kontert das Speckfett.

Praxis. Tauben (ersatzweise Wachteln oder junge Hähnchen) in Speckfett in einem zugedeckten Topf bei mäßiger Hitze gar schmoren, gelegentlich wenden. Mandeln im Mörser fein zerstoßen, mit verquirlten rohen Eiern und Verjus verrühren. Bratfett abgießen, einen Spritzer Rosenwasser zugeben, die Mandel-Ei-Masse über die noch heißen Tauben gießen und unter sanfter Wärme leicht andicken lassen - nicht kochen, sonst gerinnt das Ei.

Wo bekomme ich Taubenküken?

Taubenküken sind heute eine Spezialität und nicht in jedem Supermarkt erhältlich. Frage bei einem gut sortierten Geflügelhändler oder auf dem Wochenmarkt nach. Alternativ kannst du auch Wachteln oder junge Hähnchen verwenden, die geschmacklich ähnlich sind.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist aufgrund der Verwendung von rohen Eiern in der Sauce nicht für die Lagerküche geeignet. Ohne ausreichende Kühlung und die Möglichkeit, die Sauce präzise zu erhitzen und sofort zu servieren, besteht ein hohes Risiko für die Lebensmittelsicherheit. Bereite es besser zu Hause vor.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Registrum Coquine‘ (Kochbuchregister), verfasst von Johannes von Bockenheim um das Jahr 1433. Johannes war Koch am Hof des Gegenpapstes Felix V. in Basel und später in Rom. Sein Werk ist eine wichtige Quelle für die höfische Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet ‚Verjus‘ im Rezept?

Verjus (lateinisch ‚agrestum‘) ist der Saft unreifer Trauben. Er wurde im Mittelalter häufig als mildes Säuerungsmittel in der Küche verwendet, ähnlich wie heute Zitronensaft oder Essig. Du findest ihn in Feinkostläden oder online. Als Ersatz kannst du auch einen milden Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden.

Aliud ministrum pro principibus et nobilibus. Recipe pipiones et pone in patellam in pinguedine lardi et cooperi bene et uerte eas aliquando, quibus decoctis. Recipe amigdala. Et pista cum cultello Et oua cruda temperata cum agresto postea eice pinguedinem et intus mitte aquam roseaceam. Ita quod illa temperata fiat aliquantulum spissa et totum mitte super pipiones aut pullos, et erit bonum pro Italicis.
pipiones

Junge Tauben (Squabs), das zarte Festtagsgeflügel der gehobenen Küche.

cooperi bene … uerte eas

‚decke gut zu und wende sie‘ - die Tauben garen im geschlossenen Topf im eigenen Dunst (Schmoren), nicht im scharfen Braten.

pista cum cultello

‚zerstoße mit dem Messer‘ - die Mandeln werden mit der Messerklinge fein zerdrückt und gehackt, bis eine Paste entsteht; ein Mörser leistet dasselbe.

agresto

Verjus, der Saft unreifer Trauben - das milde Säuerungsmittel der Zeit, kontert hier das Speckfett.

aliquantulum spissa

‚etwas dickflüssig‘ - das rohe Ei soll durch die Restwärme nur leicht binden, nicht zu einer festen Creme stocken.

pro Italicis

‚für die Italiener‘ - eine der Nationen-Zuschreibungen, mit denen Bockenheim seine Rezepte ordnet.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 66v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpro Italicis

Gewählte Lesart: ‚für die Italiener‘ - Johannes von Bockenheim versieht zahlreiche Rezepte mit einer Nationen-Zuschreibung. Es bezeichnet das Publikum, dem der Autor das Geschmacksprofil zuschreibt, nicht zwingend die Herkunft des Gerichts.

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 66v/67r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f67) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
In der gedeckten Pfanne über dem Feuer gut machbar. Die rohen Eier in der Sauce nur durch Restwärme andicken lassen und sofort servieren; frische Tauben und Eier in der Kühlbox transportieren oder morgens am Markttag besorgen.
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