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Guter Senf nach Meister Hans

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit25 Min.Portionen1 Glas (ca. 200 ml Paste)BuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Für einen guten Senf: Nimm Senfsamen und reinige ihn. Zerstoße ihn fein und reibe ihn durch ein engmaschiges Tuch. Stoße Zimtblüte und mische sie darunter. Verrühre den Senf zweimal zusammen mit Honig, recht wie ein Mus. Und wenn du ihn anrichten willst, so nimm ein wenig und rühre ihn mit Wein an. So hast du einen guten Senf.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
seniff samen Senfsaat Supermarkt Senfmehl
zimen plue Zimtblüte Gewürzhandel eine Prise Zimt
hoenig Honig - -
wein Wein - Verjus oder Essig

Welches Gericht ist das? Ein Vorrats-Tafelsenf: gemahlene, passierte Senfsaat wird mit Zimtblüte und Honig zu einer haltbaren dicken Paste verarbeitet, die erst am Tisch portionsweise mit Wein zu einer löffelfähigen Sauce angerührt wird. Das ist im Kern die Vorstufe des heute noch bekannten süßen (bairisch-österreichischen) Senfs; über die Wein-Anmachung statt Essig ist er auch ein naher Verwandter der französischen moutarde au vin.

Zwei-Stufen-Logik. Das Rezept trennt bewusst Vorrat und Tafelfertigmachung: Die Senfmehl-Zimtblüte-Honig-Paste wird auf Vorrat angesetzt und ist haltbar. Beim Anrichten wird jeweils nur eine kleine Portion der Paste frisch mit Wein zu einer servierfertigen Konsistenz verrührt - kein separater Kochschritt.

„zwier“ = zweimal. Der Honig wird in zwei Durchgängen untergemischt, dadurch wird die Paste gleichmäßiger als bei einem einzigen Arbeitsgang. Im Anrichte-Schritt taucht mit „twier“ ein ähnlich aussehendes, aber anderes Wort auf (siehe Annotation) - keine Wiederholung des Verrührens, sondern das Anrühren mit Wein selbst.

„tuoch das enng sey“ = ein engmaschiges Tuch (Leinen-Filtertuch oder modernes Käsetuch): hält Schalen- und Hülsenreste der Senfsaat zurück, sodass die Paste glatt wird.

Zimtblüten-Substitution. Echte Zimtblüten (Cinnamomum-Blütenknospen) gibt es im Gewürzhandel oder online. Eine sparsame Prise gemahlener Ceylon-Zimt oder Cassia ist eine praktische Alternative - sehr sparsam dosieren, da Zimtrinde intensiver schmeckt als die Blüte.

Praxis. Senfsaat reinigen, im Mörser fein zerstoßen und durch ein engmaschiges Tuch reiben. Zerstoßene Zimtblüte einmischen, dann in zwei Durchgängen kräftig mit Honig zu einer musartigen Paste verrühren. Diese Paste hält sich als Vorrat; zum Anrichten jeweils eine kleine Portion mit Wein zu einer löffelfähigen Sauce anrühren. Das Rezept nennt keine Mengenverhältnisse von Senfsaat, Honig und Zimtblüte - Konsistenz und Schärfe der fertigen Paste hängen von der eigenen Erfahrung ab; wer es milder mag, nimmt mehr Honig, wer es schärfer mag, weniger.

Was ist Zimtblüte und wo bekomme ich sie?

Zimtblüten sind die getrockneten Blüten des Zimtbaumes und haben ein milderes, blumigeres Zimtaroma als die Zimtrinde. Du kannst sie in gut sortierten Gewürzläden oder online kaufen. Alternativ kannst du eine Prise gemahlenen Zimt verwenden, achte aber auf eine geringere Dosierung, da Zimtrinde intensiver schmeckt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Senfpaste kann zu Hause vorbereitet und im Lager aufbewahrt werden. Das Anrühren mit Wein erfolgt dann frisch bei Bedarf. Das Zerstoßen der Senfsaat kann mit einem Mörser im Lager erfolgen, oder du bringst bereits gemahlene Senfsaat mit.

Was bedeutet 'Mus' in diesem Rezept?

Im Kontext dieses Rezepts bezeichnet 'Mus' eine dicke, pastenartige Konsistenz, ähnlich einer modernen Senfpaste. Es ist nicht im Sinne eines süßen Obst- oder Getreidebreis zu verstehen, sondern als eine Art Gewürzpaste.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

von ainem guoten seniff . Item zue guotem seniff Nym seniff samen vnd seuber In vnd stosz In schon vnd reib In durch ain tuoch das enng sey Vnd stosz zimen plue misch dar vnnder vnd den seniff zwier mit hoe= nig samen vnnder einannder recht als ein muoss vnd wenn du In wild machen So nym ein wenig vnd twier In mit wein So hastu ainen guoten seniff also .
seuber In

Reinige die Senfsaat. Dies war wichtig, da Gewürze oft mit Verunreinigungen aus dem Transportweg behaftet waren.

stosz In schon

Zerstoße die Senfsaat fein im Mörser.

reib In durch ain tuoch das enng sey

Reibe die zerstoßene Senfsaat durch ein feines Tuch, um eine glatte Paste ohne Schalenreste zu erhalten. Dies entspricht dem Passieren oder Sieben.

zimen plue

Die Zimtblüte ist die getrocknete Blüte des Zimtbaumes, die ein milderes, blumigeres Zimtaroma besitzt als die Rinde. Sie war im Mittelalter ein beliebtes Gewürz.

muoss

Im Kontext von Meister Hans kann „Mus“ auch eine breiige oder pastenartige Konsistenz bezeichnen, nicht nur einen süßen Brei. Hier ist eine dicke Senfpaste gemeint.

samen vnnder einannder

Hier nicht das Substantiv „Samen“ (wie in „seniff samen“ am Anfang), sondern eine Schreibvariante von „samet/sament“ = „zusammen“. Gemeint ist: den Senf zusammen mit dem Honig verrühren.

twier

Nicht zu verwechseln mit „zwier“ (= zweimal) weiter oben im Text - trotz ähnlichem Schriftbild ein anderes Wort: Schreibvariante von treiben/(ze)treiben, hier im Sinne von rühren/verreiben. Gemeint ist das Anrühren der Senfpaste mit Wein.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 021v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 021v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Senfpaste lässt sich gut vorbereiten und im Lager aufbewahren. Das Anrühren mit Wein erfolgt frisch bei Bedarf. Benötigt Mörser und feines Tuch, aber gemahlene Senfsaat kann auch fertig mitgebracht werden.
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