Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Gewürzsenf mit Honig und Anis

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen1 Glas (ca. 250 ml)BuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Mahle zuerst den Senf. Gib dann ein Drittel Honig, ein Zehntel Anis und zwei Teile Zimt hinzu. Mahle die Mischung mit gutem Essig und fülle sie in einen Krug oder eine Flasche. Dieser Senf hält sich drei Monate lang.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
sinup Senfsaat - Senfmehl
hunugh ein Drittel Honig - -
aniz ein Zehntel Anis - -
kaniæl zwei Teile Zimt - -
ædikæ guter Essig - -

Welches Gericht ist das? Ein gewürzter Lagersenf mit Honig, Anis und Zimt - ein früher, auf lange Haltbarkeit angelegter Gewürzsenf, verwandt mit dem lombardischen Senf des Form of Cury und dem süssen Zimt-Senf der Münchner Handschriften. Aus der Saucen-Rubrik (de aliis, „von anderem“) der Harpestreng-Handschrift.

Proportionale Mengen. Die Angaben sind reine Verhältnisse zu einer nicht genannten Grundmenge: thrithi deld (ein Drittel) Honig, tyndæ deld (ein Zehntel) Anis und slikæ tu (zwei solche Teile) Zimt - jeweils bezogen auf den Senf als Basis. Man wählt eine Grundeinheit für den Senf und rechnet die übrigen Zutaten anteilig.

kaniæl - Zimt. Der Zimt (kaniæl, von lat. canella) und der Anis machen aus dem schlichten Senf einen warm-süsslich parfümierten Gewürzsenf. Mit gutem Essig zu einer glatten Masse vermahlen.

Reifen im Krug. lat .i. læghæl - „gib es in einen Krug“. Der Senf reift verschlossen drei Monate; in dieser Zeit runden sich Schärfe und Gewürze ab. Essig und Honig wirken konservierend.

Praxis. Senfsaat mit Anis und Zimt fein mahlen (Verhältnis etwa 10 Teile Senf, 3 Teile Honig, 1 Teil Anis, 2 Teile Zimt), mit gutem Essig zu einer glatten Paste anrühren und in ein verschliessbares Gefäss füllen. Kühl und dunkel mehrere Wochen bis Monate reifen lassen.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Das Rezept verlangt das Mahlen der Zutaten. Dafür kannst du einen großen Mörser und Stößel verwenden, wie er im Mittelalter üblich war. Für die moderne Küche eignen sich auch eine Gewürzmühle, ein Blender oder eine Küchenmaschine, um die Senfsaat und Gewürze fein zu mahlen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die direkte Zubereitung am Lager geeignet, da der Senf drei Monate lang reifen und lagern soll. Du kannst ihn jedoch problemlos zu Hause vorbereiten und dann mit zum Lager nehmen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde. Sie gilt als die älteste nordeuropäische Kochbuchquelle und bietet einen einzigartigen Einblick in die mittelalterliche Küche Skandinaviens.

Was bedeuten die Mengenangaben wie 'ein Drittel' oder 'ein Zehntel'?

Diese Angaben sind proportionale Maße, die sich auf ein nicht näher definiertes Gesamtvolumen beziehen. Wähle eine beliebige Grundeinheit (z.B. eine Tasse oder ein Löffel) für den Senf und berechne die anderen Zutaten entsprechend. Zum Beispiel: 10 Teile Senfsaat, 3,3 Teile Honig, 1 Teil Anis, 2 Teile Zimt.

Item de aliis. Mal aftær sinup oc lat til thrithi deld hunugh oc tyndæ deld aniz oc slikæ tu kaniæl. oc mal hænnæ mæth goth ædikæ oc lat .i. læghæl. Thæt ær got thre manæth.
sinup

Senf bzw. Senfsaat zum Mahlen.

kaniæl

Zimt (von lat. canella) - gibt dem Senf die süsslich-warme Würze.

læghæl

Krug oder Tonflasche zum Abfüllen und Reifen des Senfs.

thrithi deld / tyndæ deld

Ein Drittel / ein Zehntel - proportionale Anteile bezogen auf die Senfmenge.

slikæ tu

„Zwei solche“ - zwei Teile (Zimt) im selben Verhältnismass wie die übrigen Angaben.

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 142v
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 142v, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Ohne Feuer angerührt, robuste lagerfähige Zutaten, monatelang haltbar. Lässt sich gut auf Vorrat zu Hause ansetzen und reif mitbringen.
Alle Rezepte aus Kogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.