Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300
Wie Fische in einer passenden Sauce zubereitet werden.
Nimm Brassen, Hechte und alle Arten von Fischen. Brate sie gut und beträufle sie mit dem Öl, das zuerst beim Braten entsteht. Sobald die Fische gut gebraten sind, nimm etwas von dem Bratöl ab. Vermische es mit Essig und wringe die Mischung durch ein Tuch. Diese Sauce nennt man ‚Inder Iæght‘. Sie ist gut für alle Arten von Fischen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| brasn | Brassen | Fischhändler | - |
| gæddæ | Hecht | Fischhändler | - |
| allæ fyskæ | alle Arten von Fischen | Fischhändler | - |
| thæn oli thær først ær af saugh | Bratöl (aus dem Braten der Fische) | - | - |
| ædykæ | Essig | - | - |
Welches Gericht ist das? Gebratener Fisch mit einer einfachen Essig-Fett-Sauce aus dem eigenen Bratfett - im Kern eine warme Vinaigrette, die direkt aus dem Bratrückstand der Fische angerührt wird. Das Prinzip „erst braten, dann mit einer Säure-Fett-Sauce vollenden“ teilt es mit der Fastenfisch-Tradition, etwa dem in Sauce servierten Bratfisch via-003 (Salemme) oder dem vielfach zubereiteten Hecht kkm-006.
Die Sauce aus dem Bratfett. Der Kern ist sparsam und clever: Beim Braten tritt Fett aus (thæn oli thær først ær af saugh - „das Öl, das zuerst beim Braten austritt“). Mit diesem ersten, klaren Bratfett werden die Fische zwischendurch beträufelt; ein Teil wird abgenommen und mit Essig zu einer Sauce verbunden. Das writhæ gømæn et klæthæ - durchs Tuch wringen - passiert die Sauce glatt, befreit sie von Bratrückständen und feinen Gräten.
Stoßen oder nur verrühren? støtæ mæth ædykæ heißt wörtlich „mit Essig stoßen/stampfen“. Bei reinem Fett und Essig ist damit aber kein Mörser-Stoßen gemeint, sondern das kräftige Verschlagen/Emulgieren der beiden Flüssigkeiten zu einer verbundenen Sauce - der Vorläufer einer warmen Vinaigrette.
Der rätselhafte Name. Die Sauce heißt Inder iæght; was der Name bedeutet, ist heute nicht mehr gesichert (siehe interpretive_choices). Klar ist nur, dass das Rezept sie als universelle Fischsauce empfiehlt - goth for allæ handæ fyskæ, „gut für alle Arten von Fischen“.
Praxis. Brassen, Hecht oder anderen Fisch in der Pfanne in etwas Fett goldbraun braten, dabei mit dem austretenden Bratfett beträufeln. Einige Löffel des klaren Bratfetts abnehmen, mit kräftigem Weinessig (etwa 1 Teil Essig auf 2-3 Teile Fett) verschlagen, durch ein Tuch oder feines Sieb passieren und warm über die Fische geben. Schnell, einfach, am Feuer bestens machbar.
Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 im Det Kongelige Bibliotek in Kopenhagen entstand. Sie gilt als die älteste nordeuropäische Kochbuchquelle.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Das Braten von Fisch und das Anrühren einer einfachen Sauce lässt sich gut über offenem Feuer oder auf einem Dutch Oven bewerkstelligen.
Das Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde. Es ist ein frühes Zeugnis der nordeuropäischen Küche und zeigt einfache Zubereitungsweisen für Fisch.
Der lateinische Titel „Quomodo condiantur pisces in salso sibi adoptato“ bedeutet übersetzt: „Wie Fische in einer passenden Sauce zubereitet werden“.
‚Inder Iæght‘ ist der Name der Sauce in diesem Rezept. Die genaue etymologische Bedeutung ist heute nicht mehr eindeutig geklärt, es handelt sich wahrscheinlich um einen spezifischen regionalen oder historischen Begriff für diese Art von Essig-Öl-Sauce.
Das Fett, das zuerst beim Braten der Fische austritt - das klare, frische Bratfett, mit dem die Fische beträufelt und aus dem die Sauce angesetzt wird.
Wörtlich „mit Essig stoßen“ - hier das kräftige Verschlagen/Emulgieren von Bratfett und Essig zu einer verbundenen Sauce, nicht das Stoßen im Mörser.
Durch ein Tuch wringen/passieren - macht die Sauce glatt und befreit sie von Bratrückständen und feinen Gräten.
Der überlieferte Name dieser Sauce. Seine Bedeutung ist heute nicht mehr gesichert (siehe interpretive_choices).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Inder iæght
Gewählte Lesart: Eigenname der Sauce, dessen Bedeutung sich aus dem altdänischen Text nicht mehr sicher erschließen lässt - vermutlich eine regionale oder zeitgenössische Bezeichnung für diese Essig-Fett-Sauce. Wir geben den Namen unübersetzt wieder.
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