Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475
Um Roffioelen von Hecht, Kabeljau oder Flussfisch zuzubereiten, nimm den zuvor genannten Fisch, gut gekocht.
Halte Feigen und Safran bereit. Gib den Fisch nach und nach in einen Mörser und verarbeite ihn zusammen mit den Feigen und dem Safran zu einer feinen Farce. Würze diese Farce mit guten Gewürzen und salze sie passend.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| snouken / Cabbelyauwe / Rijvissce | Hecht, Kabeljau oder Flussfisch | Fischhändler, Supermarkt | - |
| vigen | Feigen | Supermarkt | - |
| soffraen | Safran | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| goeden crude | Gewürze | - | - |
| zoutet te passe | Salz | - | - |
Welches Gericht ist das? Die Füllung für roffioelen - mittelniederländische Teigtaschen, kleine Geschwister der italienischen Ravioli, halbmondförmig gefaltet und meist in Schmalz frittiert. Im Kern ist es eine fein gestoßene Fischfarce, also derselbe Handgriff wie bei den Fischkrapfen Martinos (mar-174) und beim englischen Fisch-Mortrews (foc-121): gekochter Fisch, im Mörser zur glatten Masse zerstoßen, gewürzt. Die süß-edle Note kommt von Feigen und dem teuren Safran - eine typische Fastentafel-Kombination der gehobenen flämischen Küche um 1475.
Roffioelen bezeichnet hier nur die Füllung; den Teig setzt das Manuskript als bekannt voraus und dokumentiert ihn nirgends eigens. Der Name ist mit ital. raviolo („kleine Rolle") verwandt. Die Farce könnte grundsätzlich auch direkt zu Klößchen geformt werden - der Wortlaut nennt aber Teigtaschen als Bezugsrahmen.
Gesoden heißt schlicht „gesotten/gekocht": Der Fisch wird vorgegart, bevor er in den Mörser kommt. Das Vorkochen festigt das Eiweiß, sodass sich das Fleisch sauber von den Gräten löst und im mortier zu einer feinen, bindigen Farce zerstoßen werden kann - roh würde es nur breiig zerfasern.
Goeden crude („gute Gewürze") ist die stehende Würzformel der Quelle, ohne feste Rezeptur. Für Fisch passt eine warme, nicht scharfe Mischung aus Pfeffer, Ingwer, etwas Galgant und Muskat, eine Spur Nelke.
Praxis. Etwa 500 g festes, weißes Fischfilet (Hecht, Kabeljau oder ein fester Süßwasserfisch) in leicht gesalzenem Wasser knapp gar ziehen, abkühlen lassen, Gräten entfernen. Mit etwa 6-8 entstielten getrockneten Feigen und einer guten Prise in wenig warmem Wasser eingeweichtem Safran im Mörser (oder kurz in der Küchenmaschine) zu einer feinen, formbaren Farce stoßen. Mit der Gewürzmischung und Salz abschmecken. Für die Teigtaschen einen geschmeidigen Teig aus feinem Weizenmehl, einem Ei, etwas warmem Schmalz (oder Öl für die Fastenvariante), einer Prise Salz und Wasser oder Weißwein kneten, 30 Minuten ruhen lassen, dünn ausrollen, runde Stücke (ca. 8 cm) ausstechen, Füllung einlegen, zuklappen, Ränder gut festdrücken und in etwa 170 Grad heißem Schmalz schwimmend goldbraun frittieren. Eine kalte Cameline (Brot-Wein-Essig-Sauce mit Zimt, Ingwer, Nelke) wäre die zeittypische Begleitung zu jedem Fischgang.
‚Roffioelen‘ sind eine mittelalterliche Form von gefüllten Teigtaschen oder Klößchen, vergleichbar mit modernen Ravioli. Dieses Rezept beschreibt die Zubereitung der Füllung aus Fisch, Feigen und Safran.
‚Goeden crude‘ bedeutet wörtlich ‚gute Gewürze‘. Da keine spezifischen Gewürze genannt werden, kannst du eine typische mittelalterliche Mischung verwenden, die gut zu Fisch passt. Empfohlen werden Pfeffer, Ingwer, eine Prise Galgant, Muskat und eventuell eine Spur Nelke.
Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet. Der Fisch wird gekocht, was die Haltbarkeit verbessert, und die Farce kann mit einem großen Mörser oder einer modernen Küchenmaschine (falls vorhanden) zubereitet werden. Achte darauf, den Fisch bis zur Verarbeitung kühl zu lagern.
Im mittelalterlichen Kontext war ein ‚Mörser‘ ein großes, robustes Küchengerät, oft aus Stein oder Metall, das zum Zerkleinern und Pürieren von größeren Mengen an Zutaten wie Fleisch oder Fisch diente. Für eine authentische Zubereitung benötigst du einen solchen großen Mörser und Stößel. Alternativ kannst du eine moderne Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um eine feine Farce herzustellen.
Dieses Rezept stammt aus dem Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475, Gent, Flandern). Älteste erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung (~1475). Handschrift UB Gent 1035, 62 Rezepte in zwei Kapiteln - vollständig erhalten, kein Fragment. Höfische Küche des spätmittelalterlichen Flandern: Geflügel, Wild, Fisch, Pasteten und Saucen.
Ein mittelniederländischer Begriff, der sich auf eine Art gefüllter Teigtaschen oder Klößchen bezieht, ähnlich den modernen Ravioli. Das Rezept beschreibt hier die Füllung.
Bedeutet ‚gekocht‘ oder ‚gesotten‘. Der Fisch wird vor der Weiterverarbeitung gegart.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein ‚Mörser‘ ein großes, schweres Gefäß aus Stein oder Metall mit einem kräftigen Stößel. Er diente dazu, Zutaten wie Fleisch, Fisch oder Nüsse zu einer feinen Farce zu zerstoßen.
Wörtlich ‚gute Gewürze‘. Im Mittelalter war dies oft eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat. Die genaue Zusammensetzung variierte je nach Verfügbarkeit und Geschmack.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
roffioelen
Gewählte Lesart: ‚Roffioelen‘ als ‚Ravioli-Füllung‘ übersetzt, da das Rezept die Zubereitung einer Farce beschreibt, die als Füllung für Teigtaschen dient, ohne die Teighülle selbst zu thematisieren.
Andere mögliche Lesart:
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