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Mandelkäse und Mandelbutter

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchVon guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Um Mandelbutter und Mandelkäslein zu bereiten, stelle zuerst gute Mandelmilch her. Gib die Mandelmilch in eine Pfanne und lasse sie sieden. Nimm guten Weinessig und füge ihn löffelweise, behutsam und nach und nach hinzu. Sobald die Milch zu gerinnen beginnt und sich eine Art Rahm bildet (‚roomene‘), ziehe die geronnenen Bestandteile (die ‚Matten‘) zurück. Nimm ein kleines Körbchen, lege Stroh hinein und ein Tuch darüber. Darauf lasse die geronnenen Bestandteile abkühlen. Halte ein kleines Käsefass bereit. Mische Zucker unter die abgekühlten geronnenen Bestandteile. Forme den Käse im Käsefass und die Butter auf einer Platte.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
goet amandel melc Mandelmilch - -
goeden wijn asijn Weinessig - -
sukere Zucker - -
stroo Stroh Bauernhof, Bastelbedarf Käsematte aus Kunststoff
dwale Tuch Haushaltswaren Mulltuch, Passiertuch

Welches Gericht ist das? Fasten-„Käse" und -„Butter" aus Mandelmilch - eine milchfreie Imitation tierischer Milchprodukte, wie sie an Fastentagen geschätzt wurde. Mandelmilch wird mit Weinessig zum Gerinnen gebracht, das Gerinnsel (die matten) abgeschöpft, abgetropft, gesüßt und in eine Käseform gedrückt. Direkt verwandt mit der Mandelbutter aus dem Harpestreng-Umfeld (hkb-003) und dem gezuckerten Mandelkäse des Buchs von guter Speise (bgs-072).

Roomene beschreibt das Gerinnen/Aufrahmen der erhitzten Mandelmilch unter Säurezugabe - hier die Bildung fester Flocken, nicht bloßes Schäumen.

Die matten sind die festen, geronnenen Bestandteile (der „Bruch"), die zurückgehalten und weiterverarbeitet werden - nicht die abfließende Molke.

Cueruelkin (Körbchen mit Stroh und Tuch) und caes vat (Käseform) verraten, dass hier tatsächlich die Käse-Herstellung imitiert wird: abtropfen lassen, dann in Form pressen.

Praxis. Kräftige Mandelmilch erhitzen (nicht stark kochen) und löffelweise guten Weinessig zugeben, bis sie flockig gerinnt. Die festen matten behutsam abschöpfen, in ein mit Tuch ausgelegtes Sieb oder eine Käseform geben und kühl abtropfen lassen. Mit Zucker verkneten, den festeren Teil in der Form zu „Käse" pressen, den weicheren als streichfähige „Butter" auf einer Platte abstreichen. Kühl servieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die Lagerküche geeignet. Die Mandelbutter und der Mandelkäslein müssen kühl gelagert werden, um ihre Konsistenz zu halten und sicher zu bleiben. Zuhause vorbereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Handschrift UB Gent 1035, einer mittelniederländischen Sammlung namens ‚Wel ende edelike spijse‘ (Gutes und edles Speisen) aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es ist die einzige vollständig erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung dieser Epoche und wurde in Flandern verfasst. Eine digitale Edition ist auf coquinaria.nl verfügbar.

Was bedeuten ‚roomene‘ und ‚matten‘ im Rezept?

‚Roomene‘ beschreibt den Prozess des Gerinnens oder des Bildens einer Rahmschicht auf der Mandelmilch, ähnlich dem Gerinnen von Milch zu Quark. Die ‚Matten‘ sind die dabei entstehenden geronnenen, festen Bestandteile, also der Mandelquark oder Käsebruch, aus dem dann Käse und Butter geformt werden.

Was ist Mandelbutter und Mandelkäslein?

Mandelbutter und Mandelkäslein sind im Mittelalter beliebte milchfreie Alternativen zu tierischen Produkten, insbesondere für Fastenzeiten oder bei speziellen Diäten. Es handelt sich nicht um echte Butter oder Käse im modernen Sinne, sondern um gesüßte, gepresste Mandelmilch-Gerinnsel, die in Konsistenz und Aussehen an weichen Käse oder streichfähige Butter erinnern.

Botere ende kaes van amandelen men maect goet amandel melc dan doet mense in een panne zieden Ende men nemt goeden wijn asijn met eenen leple Cleenlike ende lettel te gadere ende altemet dat die melc beghiint te roomene Soo trect die matten achtere ende neemt een cleen Cueruelkin ende stroo daer Jnne ende een dwale daer bouen daer vp doet die matten vercoelen ende hebt een cleen caes vat ende mingelt daer toe sukere metten matten maect case int caesvat ende botre int platteel
roomene

Gerinnen, sich rahmen, eine Haut bilden.

matten

Geronnene Bestandteile, Quark, Käsebruch.

Cueruelkin

Kleines Körbchen, Käseform.

dwale

Tuch.

caes vat

Käsefass, Käseform.

platteel

Platte, Schale, Teller.

Handschrift
Wel ende edelike spijse
Sprache
Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Gent, Flandern, 1475

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartroomene

Gewählte Lesart: Gerinnen, Flocken bilden - die mit Essig versetzte heiße Mandelmilch scheidet feste Bestandteile aus.

Andere mögliche Lesart:

  • Schäumen/Aufschäumen. - Im Kontext der Säuregerinnung und der anschließend abgeschöpften festen matten ist die Bildung von Gerinnsel plausibler als reines Schäumen.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 010, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain
Transkription
Coquinaria.nl - Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Das Gerinnsel muss kühl abtropfen und fest werden (Käseform), bevor es geformt wird - braucht Kaltstellen statt nur Feuer. Besser zuhause ansetzen.
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