Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300
Wie man saure Mandelmilch aus Mandeln macht.
Nimm danach Mandelkerne und mache dicke Milch daraus. Gib Essig oder Wein hinzu und setze es auf heiße Glut, bis es eindickt. Das ist so gut wie saure Schafsmilch.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ammandæls kiærnæ | Mandelkerne | - | gemahlene Mandeln |
| Wasser (impliziert) | Wasser | Leitung | - |
| ædikæ | Essig | - | - |
| win | Wein | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Mandel-Quark - dicke Mandelmilch wird durch Säure (Essig oder Wein) und Hitze zum Gerinnen gebracht, bis eine quarkartige Masse entsteht. Das Rezept sagt selbst, wozu es taugt: Das Ergebnis sei æm got sum suur faræ miælk - „so gut wie saure Schafsmilch“, also ein pflanzlicher Ersatz für gesäuerte Tiermilch in der Fastenzeit. Es gehört zur Familie der Mandelkäse/Mandelquark-Gerichte: derselbe Vorgang wie beim Mandelbutter-Rezept hkb-003 im selben Manuskript und beim Mandelkäse wes-026 und bgs-039.
Die Gerinnung durch Säure. Der Clou ist, dass hier Säure statt Lab arbeitet: Essig (ædikæ) oder Wein (win) bringt das Mandelfett-Eiweiß-Gemisch beim Erhitzen zum Stocken. Säure plus Hitze fällt die gelösten Mandelbestandteile aus - genau wie Essig echte Milch zu Frischkäse gerinnen lässt. Ob man Essig oder Wein nimmt, lässt der Text offen (beides liefert die nötige Säure).
Auf heißer Glut, nicht in der Flamme. sætæ a hetæ gløthæ - sanftes Erhitzen über Glut, nicht stürmisches Kochen. Bei zu großer Hitze würde die Masse zäh oder körnig; die milde Glut lässt sie gleichmäßig eindicken.
Praxis. Aus blanchierten, gestoßenen Mandeln dicke Mandelmilch gewinnen (viel Mandeln, wenig Wasser) und durchs Tuch passieren. In einem Topf über milder Glut erhitzen, dabei löffelweise Weinessig oder sauren Wein einrühren, bis die Masse sichtbar gerinnt und eindickt. Wer eine festere, quarkähnliche Masse will, gibt die geronnene Milch in ein Tuch und lässt sie kurz abtropfen (so wird sie zum Mandelbutter wie in hkb-003). Warm oder kalt als Fasten-Quark.
Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde. Sie ist eine der ältesten nordeuropäischen Kochbuchquellen und wird in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen aufbewahrt.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Mandelkerne, Essig und Wein sind haltbare Zutaten, die keine Kühlung benötigen. Die Zubereitung über heißer Glut ist eine typische mittelalterliche Kochmethode und lässt sich am Lagerfeuer leicht umsetzen.
Der lateinische Titel ‚Quomodo fit lac acetuosum de amigdalis' bedeutet übersetzt ‚Wie man saure Mandelmilch aus Mandeln macht'. Er beschreibt präzise den Inhalt des Rezepts.
Das Rezept impliziert das Zerstoßen der Mandelkerne, was traditionell in einem großen Mörser geschah. Für die Lagerküche oder zu Hause kannst du jedoch auch fertig gemahlene Mandeln verwenden oder die Mandeln in einer modernen Küchenmaschine oder einem Blender zerkleinern, um die Mandelmilch herzustellen.
Dicke Mandelmilch aus gestoßenen Mandelkernen und Wasser - Ausgangsmasse, die durch Säure und Hitze zum Quark gerinnt.
Essig oder Wein - beide liefern die Säure, die das Gerinnen auslöst. Der Text lässt die Wahl offen.
Heiße Glut - sanftes Erhitzen über der Glut, nicht stürmisches Kochen, damit die Masse gleichmäßig eindickt und nicht körnig wird.
Saure Schafsmilch - der Vergleichsmaßstab des Rezepts: Das fertige Mandelprodukt soll deren Konsistenz und Säure haben, ein pflanzlicher Fasten-Ersatz für gesäuerte Tiermilch.
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