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Mandelmilch im Teigmantel

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

MittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4 PersonenBuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Mache eine dicke Milch aus Mandelkernen. Forme einen Topf aus Teig und gib die Mandelmilch hinein. Verschließe den Topf oben mit demselben Teig. Salze es und backe es in einem heißen Ofen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ammandæls kiærnæ Mandelkerne - -
degh Teig - -
saltæ thæt Salz - -
(implicit) Wasser Leitung -

Welches Gericht ist das? Eine gebackene Mandelmilch-Pastete: dicke Mandelmilch wird in einen selbstgeformten Teigtopf gefüllt, oben mit Teig verschlossen und im heißen Ofen gebacken - bis die Füllung im Teigmantel zu einer festen, puddingartigen Masse stockt. Es ist ein Fasten-Gericht (rein pflanzlich) und ein Vorläufer der gefüllten Pasteten: Der Teig dient zugleich als Backform und essbare Hülle. Verwandt ist es mit der Mandelmus-Familie um rfk-017, hier aber im Ofen gegart statt am Topf eingedickt.

Der Teigtopf (grytæ af degh). Statt einer Tonform wird ein Topf aus Teig (grytæ af degh) frei geformt - die mittelalterliche „coffin“-Technik: ein steifer, oft nur als Hülle gedachter Teig hält die flüssige Füllung beim Backen zusammen. Mit demselben Teig wird oben ein Deckel aufgesetzt und verschlossen (lykkæ hænnæ ouæn mæth thæn sammæ degh).

Dick muss die Milch sein. Ausdrücklich thiuk miælk - dicke Mandelmilch. Eine dünne Mandelmilch würde im Teigtopf nicht stocken, sondern auslaufen. Gemeint ist eine konzentrierte (viel Mandeln, wenig Wasser) oder leicht eingekochte Mandelmilch, die beim Backen zu einer schnittfesten Creme wird. Das saltæ thæt (salzen) weist auf eine herzhafte, nicht süße Ausrichtung.

Praxis. Dicke Mandelmilch herstellen (200 g blanchierte Mandeln auf ca. 150 ml Wasser stoßen, durchs Tuch geben, ggf. kurz einkochen), salzen. Aus festem Roggen- oder Weizen-Wasser-Teig einen Topf formen (oder eine kleine ofenfeste Form mit dünnem Teig auskleiden), die Mandelmilch einfüllen, mit Teigdeckel verschließen. Bei kräftiger Hitze backen, bis der Teigmantel fest ist und die Füllung gestockt ist. Am offenen Feuer nur im gut geführten Lehmofen oder Dutch Oven realistisch.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde. Sie ist eine der ältesten nordeuropäischen Kochbuchquellen und wird in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen aufbewahrt.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel 'Quomodo conficiuntur amigdala in pastello'?

Der Titel bedeutet übersetzt ‚Wie Mandeln in einer Pastete zubereitet werden‘. Er beschreibt prägnant den Inhalt des Rezepts: eine Mandelzubereitung, die in einem Teigmantel gebacken wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Es erfordert einen heißen Ofen mit kontrollierter Temperatur, was am Lager nur mit einem speziellen Lehmofen oder einem sehr gut geführten Dutch Oven realistisch ist. Zudem ist das Backen einer flüssigen Füllung in einem Teigmantel über offenem Feuer sehr anspruchsvoll. Zuhause vorbereiten.

Was ist mit 'dicker Mandelmilch' gemeint?

Die 'dicke Mandelmilch' bezieht sich auf eine sämige Mandelzubereitung. Im Mittelalter wurde Mandelmilch oft durch das Zerstoßen von geschälten Mandeln mit Wasser im Mörser und anschließendes Auspressen hergestellt. 'Dick' bedeutet hier, dass sie entweder sehr konzentriert ist (viel Mandeln auf wenig Wasser) oder leicht eingedickt wurde, um eine cremigere Konsistenz zu erhalten, die gut in der Pastete hält.

Quomodo conficiuntur amigdala in pastello. Man skal gøræ thiuk miælk af ammandæls kiærnæ oc gøræ en grytæ af degh . oc late .i. thæn miælk oc lykkæ hænnæ ouæn mæth thæn sammæ degh. oc saltæ thæt oc bakæ thæt .i. en heet ouæn.
thiuk miælk

Dicke Mandelmilch - konzentriert oder leicht eingekocht. Nur eine dicke Milch stockt im Teigmantel; eine dünne liefe aus.

grytæ af degh

Wörtlich „Topf aus Teig“ - ein frei geformter Teig-Behälter, der die flüssige Füllung beim Backen hält. Die mittelalterliche Pasteten- bzw. „coffin“-Technik, bei der der Teig zugleich Form und Hülle ist.

lykkæ hænnæ ouæn mæth thæn sammæ degh

Den Teigtopf oben mit demselben Teig verschließen - ein Deckel aus Teig dichtet die Füllung beim Backen ab.

heet ouæn

Heißer Ofen - das Gericht wird gebacken, nicht am Topf gegart. Die Ofenhitze lässt den Teigmantel fest werden und die Mandelmilch stocken.

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 140v
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 140v, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Das Gericht wird ausdrücklich im heißen Ofen (_heet ouæn_) gebacken - eine flüssige Füllung im Teigmantel stockt zuverlässig nur bei gleichmäßiger, regelbarer Hitze. Am Lager allenfalls im Lehmofen oder sehr gut geführten Dutch Oven, sonst zuhause vorbereiten.
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