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Mandelbutter herstellen

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit45 Min.PortionenErgibt eine kleine Menge MandelbutterBuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Nimm Mandelkerne und bereite daraus Mandelmilch zu, füge dann Wasser hinzu. Gib die Mandelmilch in einen Topf und erwärme sie über Glut. Füge gut zerstoßenen Safran, Salz und Essig nach Geschmack hinzu. Erhitze alles, bis die Masse eindickt. Sobald sie sehr dick ist, gib sie in ein Tuch, das wie ein Beutel zusammengenäht ist, und hänge es an eine Wand, bis das Wasser vollständig abgetropft ist. Nimm die feste Masse dann heraus und forme sie zu Butter.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ammandæls kiærnæ Mandeln - -
watn Wasser Leitung -
safran wæl writhæt Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
salt Salz - -
ædyk til matæ Essig - -

Welches Gericht ist das? Eine Mandelbutter - eine geronnene, abgetropfte und geformte Mandelmasse, die als pflanzlicher Butter-Ersatz für die Fastenzeit diente. Sie gehört zur Familie der Mandelkäse/Mandelbutter: Mandelmilch wird durch Säure (hier Essig) oder Hitze zum Gerinnen gebracht und im Tuch abgetropft, bis eine feste, streichfähige Masse entsteht - dasselbe Prinzip wie beim Mandelkäse aus anderen Sammlungen (vgl. wes-026, bgs-039).

Gerinnung durch Säure. Aus Mandeln wird zunächst dicke Mandelmilch gewonnen und mit Wasser verlängert. Beim Erhitzen mit Essig (ædyk) gerinnt das Mandelfett-Eiweiss-Gemisch und dickt ein - der Essig ist hier das Gerinnungsmittel, nicht nur Würze. Safran gibt die buttergelbe Farbe, Salz die Würze.

Abtropfen und Formen. Die geronnene Masse kommt in ein zum Beutel zusammengenähtes Tuch (klæthæ syth samæn sum posæ) und hängt an der Wand, bis das Wasser vollständig abgelaufen ist. Was übrig bleibt, wird zu „Butter“ geformt - smørslagh meint hier das Formen/Kneten der festen Masse, nicht das Schlagen von Sahne.

Praxis. Mandelmilch aus blanchierten, gestossenen Mandeln gewinnen, mit Wasser verlängern, im Topf über Glut erhitzen. Gut zerstossenen Safran, Salz und Essig nach Geschmack zugeben, unter Rühren weiter erhitzen, bis die Masse deutlich eindickt und gerinnt. In ein dichtes Tuch geben, aufhängen und mehrere Stunden abtropfen lassen, dann die feste Masse zu einem Butterstück formen.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 entstand und in der Det Kongelige Bibliotek in Kopenhagen aufbewahrt wird. Sie gilt als eine der ältesten nordeuropäischen Kochbuchquellen.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel ‚Quomodo fit butirum de amigdalis‘?

Der lateinische Titel bedeutet ‚Wie Butter aus Mandeln gemacht wird‘. Er beschreibt präzise den Inhalt des Rezepts, nämlich die Herstellung einer pflanzlichen Butteralternative.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die aktiven Zubereitungsschritte sind in kurzer Zeit über offenem Feuer oder Glut machbar. Die Zutaten sind lagerfähig, und die Mandeln können bereits gemahlen mitgebracht werden, um die Zubereitung vor Ort zu vereinfachen. Das Abtropfen der Mandelmasse kann über mehrere Stunden erfolgen, während andere Tätigkeiten verrichtet werden.

Was ist Mandelbutter und wozu diente sie?

Mandelbutter ist eine pflanzliche Alternative zu tierischer Butter, die im Mittelalter häufig verwendet wurde. Sie war besonders in Fastenzeiten wichtig, da tierische Produkte wie Butter dann verboten waren. Mandelbutter lieferte eine ähnliche Textur und Fettigkeit und konnte zum Kochen, Braten oder als Brotaufstrich dienen. Sie galt auch als Zeichen von Wohlstand, da Mandeln und Safran teure Importgüter waren.

Quomodo fit butirum de amigdalis Man skal takæ ammandæls kiærnæ oc gør af myælk oc latæ til watn. oc latæ .i. en grytæ oc gøræ thæt warmt .a. gløthæ. oc latæ til safran wæl writhæt. oc salt. oc ædyk til matæ oc gør thæt heet alt til thæt thiuknær. Thæn timæ thæt ær yuært thiukt. latæ thæt .i. et klæthæ syth samæn sum posæ oc hængæ thæt .a. en wæg alt til watlæn ær af sykt. oc take sithæn thæt ut oc gør af smørslagh.
ammandæls kiærnæ

Mandelkerne

myælk

Milch, hier im Kontext der Mandelkerne als Mandelmilch zu verstehen.

gløthæ

Glut, eine Wärmequelle ohne offene Flamme.

wæl writhæt

Gut zerstoßen oder gemahlen, um Farbe und Aroma freizusetzen.

ædyk til matæ

Essig nach Geschmack.

thiuknær

Eindicken, verdicken.

klæthæ syth samæn sum posæ

Ein Tuch, das wie ein Beutel zusammengenäht ist, zum Abseihen und Abtropfen der Flüssigkeit.

smørslagh

Wörtlich ‚Butterschlag‘ oder ‚Butterzubereitung‘, hier im Sinne des Formens der abgetropften Mandelmasse zu einer butterähnlichen Konsistenz.

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 140v
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartmyælk

Gewählte Lesart: Im Kontext der ‚ammandæls kiærnæ‘ (Mandelkerne) ist ‚myælk‘ als Mandelmilch zu verstehen, die aus den Mandeln gewonnen wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch Kuhmilch gemeint sein, die dann mit Mandeln angereichert wird. - Obwohl Mandeln explizit genannt werden, war Kuhmilch ein Grundnahrungsmittel. Die Formulierung ‚gør af myælk‘ könnte auch bedeuten, dass man aus Mandeln und (Kuh-)Milch eine Art Milch zubereitet. Die primäre Lesart ist jedoch aufgrund der direkten Verbindung zu den Mandeln wahrscheinlicher.

Lesartwæl writhæt

Gewählte Lesart: ‚Wæl writhæt‘ wurde als ‚gut zerstoßen‘ oder ‚gut gemahlen‘ übersetzt, da dies die gängige Methode war, um Gewürze wie Safran für die Freisetzung von Farbe und Aroma vorzubereiten.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch ‚gut gewrungen‘ oder ‚gut gepresst‘ bedeuten, was sich auf das Auspressen von Flüssigkeit beziehen würde. - Das Wort ‚writhæt‘ ist verwandt mit ‚wringen‘. Im Kontext von Safran, der Farbe abgeben soll, ist jedoch das Zerstoßen die plausiblere Interpretation.

Lesartgør af smørslagh

Gewählte Lesart: Diese Phrase wurde als ‚forme es zu Butter‘ übersetzt, was das abschließende Formen der abgetropften Mandelmasse zu einer festen, butterähnlichen Konsistenz impliziert.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch bedeuten, die Masse durch Schlagen oder Kneten weiter zu verfeinern, ähnlich dem Buttern von Sahne. - ‚Smørslagh‘ bezieht sich auf den Prozess des Butterns. Da die Masse bereits fest ist, ist ein ‚Schlagen‘ im Sinne des Butterfassens unwahrscheinlich. Eher ist ein Kneten oder Formen gemeint, um die Textur zu verbessern und die Masse in eine ansprechende Form zu bringen.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 140v, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Erhitzen und Eindicken sind am Topf über Glut machbar; das mehrstündige Abtropfen im Tuch läuft nebenher. Mandeln können gemahlen mitgebracht werden.
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