Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300
Nimm Mandeln und gib sie in heißes Wasser, bis sie sich schälen lassen. Trockne sie danach auf einem Tuch. Zerstoße die Mandeln anschließend in einem Mörser zu einer feinen Paste und wringe diese Paste durch ein Tuch, um das Öl zu gewinnen. Dieses Öl ist gut für alle Arten von Speisen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ammandæls kiærnæ | Mandeln | - | - |
| het watn | Heißes Wasser | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Selbstgemachtes Mandelöl - ein feines, mildes Speiseöl, das durch Stoßen und Auspressen geschälter Mandeln gewonnen wird. Es war in der mittelalterlichen Küche hoch geschätzt: vielseitig, neutral im Geschmack und - weil pflanzlich - perfekt für die Fastenzeit. Der direkte Verwandte im selben Manuskript ist das Nussöl hkb-001, das mit identischer Technik entsteht.
Blanchieren zuerst. Die Mandeln kommen in het watn (heißes Wasser), bis sich die braune Haut abziehen lässt - das klassische Blanchieren. Danach werden sie auf einem Tuch getrocknet, damit das Restwasser die spätere Ölausbeute nicht verwässert. Nur die geschälten, weißen Kerne ergeben ein klares, mildes Öl.
Stoßen und Pressen. Die getrockneten Mandeln werden im Mörser zu einer feinen, öligen Paste gestoßen und diese Paste durchs Tuch gewrungen - writhæ gømæn et klæthæ. Das austretende Fett ist das Mandelöl; der Trester (die gepresste Mandelmasse) ist nichts anderes als entöltes Mandelmehl und lässt sich weiterverwenden. Der Schlusssatz lobt das Öl als goth til alkyns mat - „gut für alle Arten von Speisen“.
Praxis. Mandeln in kochendem Wasser kurz blanchieren, häuten, gut abtrocknen. Im schweren Mörser (vorgewärmt erleichtert das Pressen) zu einer Paste stoßen, dann portionsweise durch ein festes Tuch oder eine Nussmilchpresse auswringen. Die Ausbeute ist gering - Mandeln enthalten zwar viel Fett, geben es per Hand aber nur teilweise her. Wer es einfach will: fertiges, kaltgepresstes Mandelöl gibt es im Reformhaus oder Bioladen.
Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde und sich heute in der Det Kongelige Bibliotek in Kopenhagen befindet. Sie gilt als eine der ältesten nordeuropäischen Kochbuchquellen.
Der lateinische Titel „Quomodo fiet oleum de amigdalis“ bedeutet übersetzt „Wie man Mandelöl macht“.
Im mittelalterlichen Kontext ist mit 'Mörser' ein großer Küchenmörser gemeint, der zum Zerstoßen von Fleisch, Nüssen oder anderen Zutaten zu einer feinen Paste diente. Für dieses Rezept benötigst du einen stabilen Mörser und Stößel, um die Mandeln zu einer feinen Masse zu verarbeiten. Alternativ kannst du eine Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um die Mandeln sehr fein zu zerkleinern. Das Auspressen des Öls erfordert dann ein feines Tuch oder eine Nussmilchpresse.
Ja, mit Einschränkung. Blanchieren, Stoßen und Auspressen sind am Lager mit Topf, Mörser und festem Tuch durchaus machbar - es braucht weder Ofen noch Kühlung. Die Arbeit ist allerdings aufwendig und die Ölausbeute bescheiden. Wer es eilig hat, bringt fertiges Mandelöl mit.
Heißes Wasser zum Blanchieren - es löst die braune Mandelhaut, die sich danach leicht abziehen lässt. Nur die weißen Kerne ergeben ein klares, mildes Öl.
Durch ein Tuch wringen - presst das Öl aus der gestoßenen Mandelpaste, ein echtes Auspressen, kein bloßes Abseihen.
„Gut für alle Arten von Speisen“ - lobt die vielseitige Verwendbarkeit des milden Mandelöls.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.