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Schweineschmalz herstellen

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

Gewürz / SauceGewürz / SauceMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen1 großes Gefäß Schmalz (ca. 34 kg)BuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm frisches Nierenfett oder frischen Rückenspeck und schneide ihn in Stücke etwa von der Größe einer Kastanie. Gib reichlich Salz hinzu. Danach zerstoße es sehr gut und lasse es einen Tag lang so zerstoßen ruhen. Dann setze es in einem Kessel auf das Feuer. Wenn es hundert Pfund sind, gib zehn oder zwölf Boccali Wasser hinzu und lasse es langsam, langsam kochen, bis es gut geschmolzen ist. Danach seihe dieses Schmalz durch ein feines Tuch oder Sieb. Nimm es dann vorsichtig von oben ab, damit du nicht das Wasser mitnimmst, das sich darunter abgesetzt hat. Fülle es in ein sauberes Gefäß und bewahre dieses Gefäß an einem kühlen Ort auf. Auf diese Weise hält sich dieses Schmalz ein Jahr lang.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
assogna frescha, overo lardo frescho Frisches Nierenfett oder frischer Rückenspeck Metzger -
assai de sale Salz - -
acqua Wasser Leitung -

Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern die Grundzutat schlechthin: ausgelassenes Schweineschmalz für den Vorrat. Was Martino hier beschreibt, ist exakt das, was bis heute als Schmalz im Tiegel steht - das Brat- und Backfett der mittelalterlichen wie der bäuerlichen Küche bis weit ins 20. Jahrhundert. Verwandt sind alle Vorrats-Grundzutaten der Sammlung, die nach demselben Muster auslassen/abseihen/setzenlassen und kühl lagern: das weiße Salz (men-322) und das Mandelöl (hkb-002).

Assogna oder lardo - welches Fett? Assogna (auch sugna) ist das weiche, weiße Blatt- oder Nierenfett, das die Nieren umhüllt; es liefert nach dem Auslassen besonders weißes, neutrales Schmalz. Lardo frescho ist hier nicht der gepökelte Lardo von heute, sondern frischer, ungesalzener Rückenspeck. Beides ergibt gutes Schmalz; das Blattfett gilt als das feinste. Beim Metzger nach Flomen/Liesen (Nierenfett) oder frischem Rückenspeck fragen.

Pistalo - warum zerstoßen? Das gesalzene Fett wird zerstoßen (it. pistare, Mörser) und einen Tag stehen gelassen. Das bricht die Fettzellen auf und verteilt das Salz - beides hilft, dass das Fett später leichter und vollständiger ausschmilzt. Daheim leistet das ein Fleischwolf oder eine kurze Runde im Cutter/Blitzhacker; alternativ das Fett einfach möglichst klein würfeln und mit dem Salz mischen.

Das Wasser im Kessel. Martino gibt auf hundert Pfund Fett zehn bis zwölf Boccali Wasser - rund ein Zehntel des Gewichts. Das Wasser verhindert in der Anfangsphase, dass das Fett am Topfboden anbrennt; es verdampft beim langen Köcheln größtenteils, der Rest setzt sich am Ende unten ab und wird beim Abschöpfen zurückgelassen. Das ist das klassische Nass-Auslassen, das besonders helles, mild schmeckendes Schmalz ergibt.

Praxis. Im Haushaltsmaßstab: 1 kg Nierenfett oder Rückenspeck fein zerkleinern, mit 1 gestrichenen TL Salz mischen, abgedeckt über Nacht kühl ruhen lassen. Am nächsten Tag mit etwa 100 ml Wasser in einen schweren Topf geben und bei kleinster Hitze 2-3 Stunden ganz langsam auslassen - es soll nur leise blubbern, nicht braun werden. Wenn die Grieben absinken und das Fett klar ist, durch ein feines Tuch oder Sieb in saubere, ausgekochte Gläser/Tiegel abseihen. Das klare Fett vorsichtig von oben abnehmen, den trüben Wasser-/Eiweißbodensatz zurücklassen. Verschlossen und kühl (Keller, Kühlschrank) hält das Schmalz Martinos Versprechen entsprechend viele Monate bis ein Jahr. Die zurückbleibenden Grieben nicht wegwerfen - gesalzen aufs Brot oder in Schmalzgebäck.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Das Rezept verlangt, das Fett zu 'zerstoßen'. Im Mittelalter wurde dafür ein großer Fleischmörser verwendet, nicht der kleine Gewürzmörser. Für die Zubereitung zu Hause kannst du stattdessen eine Küchenmaschine oder einen Fleischwolf verwenden, um das Fett fein zu zerkleinern. Wer es authentisch mag, nutzt einen großen Granit-Mörser mit schwerem Holzstößel.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die Zubereitung direkt am Lager geeignet. Es handelt sich um eine Methode zur Vorratshaltung großer Mengen Schmalz, die einen Tag Ruhezeit und mehrere Stunden langsames Kochen erfordert. Bereite das Schmalz zu Hause vor und bringe es fertig mit.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in norditalienischem Volgare verfasst und spiegelt die gehobene Küche der Zeit wider.

Was bedeuten die Maßeinheiten 'libra' und 'boccali' im Rezept?

Eine 'libra' (Pfund) entsprach in Norditalien im 15. Jahrhundert etwa 340 Gramm. Ein 'boccali' war ein Flüssigkeitsmaß, das ungefähr einem Liter entsprach. Das Rezept beschreibt die Herstellung einer sehr großen Menge Schmalz.

Per far structo de porco. Piglia assogna frescha, overo lardo frescho, et taglialo in pezzi como una castagna, et mettegli assai de sale. Da poi pistalo molto bene et lascialo stare un dì così pesto. Et da poi ponilo al focho in un caldaro. Et se serà cento libre ponevi dece, o dudici boccali d'acqua et lascialo bollire ad agio ad agio tanto che sia ben squagliato. Dapoi cola questo strutto per una stamegnia. Et da poi piglialo pian piano di sopra, acciò che tu non togli dell'acqua che starà di socto et ponilo in un vaso necto et tieni il dicto vaso in locho frescho. Et in questo modo durarà questo structo uno anno.
structo de porco

Schweineschmalz

assogna frescha

Frisches Nierenfett (Blattfett)

lardo frescho

Frischer Rückenspeck

pistalo

zerstoßen, stampfen (im Mörser)

caldaro

Kessel, großer Topf

libra

Pfund (historisches Maß, ca. 340 g)

boccali

Boccali (historisches Flüssigkeitsmaß, ca. 1 Liter)

stamegnia

Seihtuch oder feines Sieb

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 11v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 11v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Keine Lagerarbeit. Das ist eine Vorratsmethode für große Mengen: einen Tag Ruhe nach dem Salzen, dann stundenlanges, ganz langsames Auslassen über kleiner Flamme, anschließend Abseihen und Setzenlassen. Heißes, flüssiges Fett in Mengen über offenem Feuer im Lager ist zudem ein ernstes Brandrisiko. Schmalz daheim auslassen und fertig im verschlossenen Tiegel mitbringen - so ist es auf dem Markt sofort zum Braten, Anschwitzen und für Schmalzbrote zur Hand.
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