Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Nimm den Kalbsbauch und mache ein Loch an einer Ecke, groß genug, um die Füllung hineinzugeben. Die Füllung soll aus den unten aufgeführten Zutaten bestehen: gutem altem Käse, vier Eiern, etwas grob zerstoßenem Pfeffer, etwas Safran, Rosinen und etwas fein gehackter Petersilie, Majoran und Minze. Vermische all diese Zutaten miteinander. Danach gib die Mischung in den besagten Kalbsbauch und lasse ihn sieden, bis er gut durchgekocht ist.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| la pancia del vitello | 1 Kalbsbauch | Metzger | - |
| bon caso vecchio | alter Käse (z.B. Parmesan oder Pecorino) | Supermarkt | - |
| quattro ova | 4 Eier | - | - |
| un pocho di pepe un pocho rotto | etwas grob zerstoßener Pfeffer | - | - |
| un pocho di zafrano | etwas Safran | - | - |
| uva passa | Rosinen | - | - |
| un pocho de petrosello | etwas Petersilie | - | - |
| maiorana | Majoran | - | - |
| menta | Minze | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein gefüllter Kalbsbauch - der direkte Verwandte der gefüllten Kalbsbrust, die bis heute auf bayerisch-schwäbischen Sonntagstischen steht. Martino schneidet eine Tasche in den Bauchlappen, stopft eine herzhafte Käse-Ei-Kräuter-Masse hinein und kocht das Ganze im Sud (allesso). Im selben Korpus hat das Gericht enge Geschwister: der gefüllte Schweinemagen aus dem Bockenheimer Kochbuch (boc-021, fast identische Käse-Ei-Kräuter-Füllung, ebenfalls gekocht) und das gefüllte Osterlamm (boc-028) mit derselben Gewürzhandschrift.
Die Füllung. Der Kern ist eine Bindung aus geriebenem altem Hartkäse und Eiern (quattro ova) - die Eier stocken beim Garen und halten die Masse zusammen, der gereifte Käse (bon caso vecchio, am ehesten Parmesan oder Pecorino) gibt Salz und Tiefe. Dazu die typisch oberitalienische Süße-Würze-Achse: Rosinen (uva passa) und Safran (zafrano) gegen den grob gestoßenen Pfeffer (un pocho rotto) und die frischen Kräuter. Petrosello (Petersilie), maiorana (Majoran) und menta (Minze) werden baptuta bene - also gut feingehackt - untergemischt.
Im Sud gegart. Allesso meint das Garen in Flüssigkeit (Sieden/Pochieren), nicht den Braten am Spieß. Für den dickwandigen, eiweißreichen Bauch ist das genau richtig: sanftes, langes Ziehen lässt die Eimasse stocken, ohne dass sie reißt, und hält das Kalbfleisch zart.
Praxis. Beim Metzger einen flachen Kalbsbauchlappen bestellen und eine Tasche einschneiden lassen. Füllung: ca. 150 g fein geriebener Parmesan oder Pecorino, 4 Eier, 2-3 EL eingeweichte Rosinen, eine Prise Safran (in 1 EL warmem Wasser ziehen lassen), grob gemörserter schwarzer Pfeffer und je ein kleiner Bund gehackte Petersilie, Majoran und Minze. Alles verrühren, einfüllen, die Öffnung mit Küchengarn vernähen oder feststecken. In leise siedender, leicht gesalzener Brühe etwa 60-90 Minuten ziehen lassen (nicht sprudelnd kochen), bis die Füllung fest ist. In Scheiben aufschneiden - warm oder erkaltet als Vorspeise.
'Allesso' bezeichnet das Sieden oder Pochieren, also das Garen in Flüssigkeit unter dem Siedepunkt. Es unterscheidet sich vom Braten ('arrosto'), bei dem das Fleisch direkt über oder in der Nähe von Hitze gegart wird, und führt zu einem zarteren, saftigeren Ergebnis als reines Kochen bei starker Hitze.
Nein, dieses Rezept ist aufgrund der langen Garzeit und des Bedarfs an einem großen Topf und konstanter Hitze nicht ideal für die Zubereitung direkt am Lager. Zuhause vorbereiten.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts in Norditalien. Es spiegelt die gehobene Küche der Renaissance wider.
'Caso vecchio' bedeutet ‚alter Käse‘. Gemeint ist ein gut gereifter, harter Käse, der dem heutigen Parmesan oder Pecorino sehr ähnlich ist und als Würzmittel und Füllungsbestandteil dient.
Wörtlich ‚Bauch des Kalbes‘, gemeint ist der Kalbsbauch.
Alter, gereifter Käse, vergleichbar mit Parmesan oder Pecorino.
Wörtlich ‚geschlagen‘, im Kontext von Kräutern ‚fein gehackt‘.
Eine Garmethode, die ‚sieden‘ oder ‚pochieren‘ bedeutet, also das Garen in Flüssigkeit unter dem Siedepunkt.
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