Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Wollt Ihr noch einen Mandelkäse bereiten, so nehmt Mandelkerne und stoßt sie. Nehmt die Mandelmilch und gebt reichlich weitere Milch dazu. Kocht sie ein und gießt sie auf ein Tuch. Lasst sie erkalten, legt sie in eine Käseform, formt sie und legt sie auf einen Teller. Bestreut sie mit Zucker. Dies nennt man einen Mandelkäse.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| mandelkern | Mandeln | 500 g | - | - |
| milich (impliziert durch Herstellung) | ca. 1 Liter Wasser | 1 l | Leitung | - |
| eime zuckere | 50-100 g Zucker | 50 g | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein geformtes, gesüßtes Mandelmus, das der Text Mandelkäse nennt. Anders als beim benachbarten Mandelziger (bgs-071) wird hier keine Säure oder Gerinnung genannt: Die Mandelmilch wird eingekocht, die Masse kühlt ab und wird in einer Käseform gestaltet. Der Name beschreibt damit vor allem Form und Anrichtung, nicht nachweisbar einen Zweck als Fastenspeise.
Was der Wortlaut sagt - und offenlässt. erwelle daz abe lässt sich gut als Einkochen bzw. Reduzieren lesen. Danach heißt es, die Masse auf ein Tuch zu gießen und sie erkalten zu lassen; erst dann kommt sie in den kese napf, wird geformt und auf einen Teller gelegt. Ein Pressen zwischen Tellern steht nicht im Text. Auch die Formulierung vnd guoz einer guoten milich dor zuo bleibt mehrdeutig: Sie kann zusätzliche Mandelmilch meinen, doch ein Zusatz von Wasser zum Ausziehen der Mandeln ist als moderne Rekonstruktion ebenso denkbar.
Praxis (heutiger Testansatz). Für einen Testansatz 200 g blanchierte Mandeln sehr fein mahlen und portionsweise mit etwa 400-500 ml Wasser zu einer konzentrierten Mandelmilch verarbeiten; wer die offene Flüssigkeitsstelle anders erproben möchte, ergänzt stattdessen etwas bereits bereitete Mandelmilch. Die Flüssigkeit in einem breiten Topf bei mäßiger Hitze unter ständigem Rühren einkochen, bis ein dickes, glattes Mus entsteht und der Rührer eine Spur am Topfboden zieht. Das Tuch ist dabei sinnvoll als Passiertuch für eine besonders feine Masse, nicht als Beleg für einen ausdrücklich angeordneten Pressvorgang. Die noch warme Masse in eine kleine, mit Tuch ausgelegte Form füllen, vollständig erkalten lassen, stürzen, auf einem Teller anrichten und erst dann mit Zucker bestreuen.
Kein Käse im heutigen milchwirtschaftlichen Sinn, sondern eine geformte, eingekochte Mandelmasse mit Zucker. Das Rezept nennt sie wegen ihrer Form Mandelkäse; es beschreibt jedoch weder Lab noch eine Säuregerinnung. Am ehesten erinnert sie an ein festes Mandelmus, das in einer kleinen Form auskühlt und gestürzt wird.
Mandeln und Zucker gibt es im Supermarkt. Als Käseform genügt für den Test eine kleine Schale, Förmchen oder ein mit Tuch ausgelegtes Sieb; der im Text genannte Teller dient anschließend zum Anrichten.
Nicht für eine schnelle Zubereitung am Lager: Das Einkochen verlangt fortlaufendes Rühren, und die geformte Masse muss anschließend auskühlen. Als zu Hause vorbereitete Süßspeise lässt sie sich dagegen gut mitnehmen.
Kese napf bedeutet Käseform oder Käseschüssel: ein Gefäß, in dem die abgekühlte Masse geformt wird. Solche Formen konnten aus Holz oder Ton bestehen.
Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).
Eine Käseform, meist ein Gefäß aus Holz oder Ton, das einer weichen Masse Form gibt.
Wörtlich etwa „koche das ab“: Die Masse wird durch Kochen konzentriert bzw. reduziert.
Teller. Der Text nennt ihn nach dem Formen als Anrichtungsort; eine Pressfunktion wird nicht beschrieben.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| mandelkern | almond Q184357 |
| milich (impliziert durch Herstellung) | water Q283 |
| eime zuckere | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
aber einen kese von mandeln
Gewählte Lesart: „aber“ bedeutet hier nochmals beziehungsweise auf andere Weise: Das Rezept folgt auf weitere Mandelzubereitungen und bietet eine zusätzliche Variante.
Andere mögliche Lesart:
vnd guoz einer guoten milich dor zuo
Gewählte Lesart: Der Wortlaut verlangt einen reichlichen weiteren Flüssigkeitszusatz, bestimmt dessen Verhältnis jedoch nicht eindeutig.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.