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Mandelkäse mit Zucker, Fastenspeise

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Wollt Ihr einen Käse aus Mandeln zubereiten, so nehmt Mandelkerne und stoßt diese. Dann nehmt die Mandelmilch - hier ist eine gute Menge Wasser hinzuzufügen, um die Milch zu gewinnen - und kocht sie ein, bis sie eindickt. Gießt die eingedickte Masse auf ein Tuch und lasst sie abtropfen. Legt die feste Masse in eine Käseform und formt sie. Legt sie dann zwischen Teller, um sie zu pressen. Bestreut sie anschließend mit Zucker. Dies nennt man einen Mandelkäse.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandelkern 500 g Mandeln - -
milich (impliziert durch Herstellung) ca. 1 Liter Wasser Leitung -
eime zuckere 50-100 g Zucker - -

Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dieser Mandelkäse ein rein pflanzliches Fasten-Käseimitat, vergleichbar mit einem festen, süßen Frischkäse oder einer Art Marzipan-Pudding, der durch Pressen seine Form erhält.

So gelingt es. Der Schlüssel zu diesem Gericht liegt in der Qualität der Mandelmilch und dem richtigen Einkochen. Beginne mit blanchierten Mandeln (als Startpunkt: 200g Mandeln auf 400-500ml Wasser), die du sehr fein mörserst oder in einem starken Mixer mit dem Wasser zu einer cremigen Mandelmilch verarbeitest. Diese Milch muss dann durch ein feines Tuch gepresst werden, um alle festen Partikel zu entfernen. Die gewonnene Mandelmilch kochst du bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren ein. Das dauert seine Zeit - sei geduldig. Ziel ist eine sehr dicke, puddingartige Masse, die sich vom Topfboden löst und kaum noch Flüssigkeit enthält. Der häufigste Fehler ist, nicht lange genug einzukochen; die Masse bleibt dann zu weich und lässt sich nicht formen. Koche lieber etwas länger, bis die Konsistenz wirklich fest ist. Danach die Masse auf ein sauberes Leinentuch geben, zu einem Päckchen formen und gut ausdrücken. Lege es dann in eine kleine Form (oder einfach zwischen zwei Teller) und beschwere es leicht, um überschüssige Flüssigkeit zu entfernen und eine feste Konsistenz zu erreichen.

So wird es richtig gut. Die Süße ist hier der Star. Das Rezept nennt nur Zucker, aber ein Hauch von Rosenwasser (historisch passend zu Mandelgerichten) oder eine Prise Zimt würde die Aromen wunderbar abrunden, falls du experimentieren möchtest - das ist aber optional. Wichtig ist, dass die Masse beim Servieren gut gekühlt ist; das festigt sie zusätzlich und macht sie erfrischender. Vor dem Servieren den Mandelkäse aus der Form lösen und großzügig mit feinem Zucker bestreuen. Für einen schönen Kontrast kannst du ihn in Scheiben schneiden oder kleine Kugeln formen. Die Textur sollte fest, aber nicht trocken, sondern cremig und schmelzend sein.

Mandelkäse, ist das wirklich Käse? Und wenn nicht, was?

Nein, kein Käse im modernen Sinn. Es ist ein Fasten-Käseimitat aus eingedickter Mandelmilch: weiß, fest, formbar, Form und Funktion wie Frischkäse, aber rein pflanzlich. Im Mittelalter waren während der Fastenzeit (vor Ostern, Advent, Mittwoch und Freitag jeder Woche, insgesamt fast ein Drittel des Jahres) Milch, Butter und Käse verboten. Mandelmilch war DER Standardersatz, und der Mandelkäse die Königsdisziplin. Konsistenz ähnlich wie unser heutiger Tofu oder eine sehr feste Ricotta, angenehm bissfest, leicht süßlich. Mit Zucker bestreut als Süßspeise, ohne Zucker als Brot-Belag oder weitere Kochzutat (z.B. eingelegt in Wein). Eine späte Variante davon ist übrigens die heutige italienische 'Almondina' und der vegane Mandelkäse moderner Reformhäuser, die Tradition reicht 700 Jahre zurück.

Wo bekomme ich die Zutaten?

Mandeln und Zucker bekommst du in jedem Supermarkt. Für die Käseform kann man eine kleine Schüssel oder ein Sieb mit Tuch verwenden, oder man improvisiert mit zwei Tellern zum Pressen, genau wie es im Originalrezept steht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht direkt für die schnelle Zubereitung am Lager. Obwohl die einzelnen Schritte am Feuer machbar sind, erfordert das Rezept Zeit für das Abtropfen und Pressen, was oft nicht in den Zeitplan eines Lagerlebens passt. Es eignet sich jedoch hervorragend als vorbereitete Süßspeise, die man von zu Hause mitbringt und am Lager genießt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, das um 1350 in Würzburg entstand. Es bietet Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters und zeigt die Beliebtheit von Mandeln als Zutat in dieser Zeit.

Was bedeutet 'kese napf' im Rezept?

'Kese napf' bedeutet 'Käseform' oder 'Käseschüssel'. Es ist ein Gefäß, in das die Käsemasse zum Formen und Abtropfen gelegt wird. Im Mittelalter waren diese Formen oft aus Holz, Ton oder geflochtenem Korbmaterial.

Einen kese von mandel. Wilt du machen aber einen kese von mandeln, so nim mandelkern vnd stoz die vnd nim die milich vnd guez einer guoten vnd erwelle daz abe vnd schuetez vf ein tuoch. laz in lege in in einen kese napf vnd mache in vnd lege in denne teler, bestrauwe in mit eime zuckere. daz heizzet ein mandelkese.
kese napf

Eine Käseform, oft aus Holz oder Ton, in die der Käsebruch zum Abtropfen und Formen gelegt wird.

erwelle daz abe

Wörtlich 'koche das ab', gemeint ist 'einkochen' oder 'reduzieren', bis die Flüssigkeit verdampft und die Masse eindickt.

teler

Teller. Im Kontext des Käsemachens ist hier das Pressen zwischen zwei Tellern gemeint, um weitere Flüssigkeit zu entfernen und dem Käse eine feste Form zu geben.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 163v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartaber einen kese von mandeln

Gewählte Lesart: 'aber' = nochmal/zusätzlich, das Rezept ist eine Variante eines vorherigen Mandelkäse-Rezepts im BvgS. Im Originaltext folgen mehrere Mandelkäse-Varianten direkt aufeinander. Das BvgS dokumentiert oft Varianten desselben Gerichts mit unterschiedlichen Techniken oder Zutatenverhältnissen.

Andere mögliche Lesart:

  • 'aber' = jedoch/aber - Im modernen Deutsch denkt man bei 'aber' an Gegensatz. Im Mhd. ist 'aber' aber meist Variations-/Wiederholungs-Marker (= 'nochmals', 'auf andere Weise').

Lesartvnd guez einer guoten

Gewählte Lesart: Die Phrase wurde als 'und gieß eine gute Menge Wasser hinzu' interpretiert.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte sich um eine andere Flüssigkeit handeln, z.B. Wein oder Brühe. - Obwohl andere Flüssigkeiten denkbar sind, ist Wasser die logischste Ergänzung, um aus den gestoßenen Mandeln Mandelmilch zu gewinnen, die dann eingekocht wird.

Lesartlaz in

Gewählte Lesart: Die Phrase wurde als 'lass ihn abtropfen' interpretiert.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch 'lass ihn erkalten' oder 'lass ihn ruhen' bedeuten. - Nach dem Einkochen und dem Gießen auf ein Tuch ist das Abtropfen der feste Bestandteil von der Flüssigkeit der nächste logische Schritt, um eine feste Masse zu erhalten.

Lesartvnd mache in vnd lege in denne teler

Gewählte Lesart: Die Phrase wurde als 'forme ihn und lege ihn dann zwischen Teller [zum Pressen]' interpretiert.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte bedeuten, den Käse auf Teller zum Servieren zu legen. - Die Platzierung auf Tellern zum Servieren wäre nach dem Bestreuen mit Zucker logischer. Die Positionierung vor dem Zuckerstreuen und die grammatikalische Unvollständigkeit ('lege in denne teler' statt 'lege in denne auf teler') legen jedoch eine Funktion im Herstellungsprozess, wie das Pressen, nahe.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 163v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Das Einkochen der Mandelmilch geht am Feuer, aber das Abtropfen im Tuch, das Pressen und das Festigen brauchen Zeit und am besten Kühlung - das passt schlecht in den Lageralltag. Besser zu Hause vorbereiten und gekühlt mitbringen.
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