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Gefüllter Hecht vom Rost

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Gefüllten Hecht soll man wie folgt zubereiten: Man nehme einen passenden Hecht, schuppe ihn und löse den Darm bis zu den Kiemen heraus. Man nehme weiteres Fischfleisch, welcher Art es auch sei, koche es und entferne die Gräten. Das gekochte Fischfleisch stoße man in einem Mörser. Hacke dazu Salbei, Pfeffer, gestoßenen Kümmel und Safran. Salze dies angemessen. Damit fülle man den Hecht und besprenge ihn außen mit Salz. Backe ihn auf einem hölzernen Rost und brate ihn sehr schön gar. Ebenso kann man ihn auch mit Eiern zubereiten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
gefuege hechede 1 ganzer Hecht (ca. 1-1,5 kg) Fischhändler -
vische, welcher kuenne sie sin 500 g weißes Fischfilet (z.B. Kabeljau, Zander) Fischhändler / Supermarkt -
salbey frischer Salbei Supermarkt / Wochenmarkt -
pfeffer 1 TL schwarzer Pfeffer, gestoßen - -
kuemel 1 TL Kümmel, gestoßen - -
safran gestozzen 1 Prise Safranfäden Supermarkt / Gewürzladen -
saltz Salz nach Geschmack - -
eyern 2-3 Eier (optional) - -

Welches Gericht ist das? Ein ganzer, gefüllter Hecht vom Rost, dessen Bauchhöhle über die Kiemenöffnung mit einer fein gewürzten Fischfarce befüllt und anschließend über dem Feuer gegrillt wird. Verwandt ist das Grundprinzip - Fischfleisch zu einer Farce verarbeiten und in die Haut eines anderen Fischs zurückfüllen - mit dem farcierten Fisch der französischen Küche und mit modernen, gefüllten Ganzfischen vom Grill. Im Buch von guter Speise selbst finden sich mit koe-003 eine fast wortgleiche und mit mha-194 und bgs-046 aufwendigere Varianten mit anderer Enthäutungstechnik; das Gericht war offenbar ein verbreitetes Standardrezept, keine Einzelerfindung.

Der Hecht wird durch die Kiemenöffnung ausgenommen, damit die Bauchdecke für die Füllung intakt bleibt. Für die Farce nimmst du festes weißes Fischfilet, kochst es, entfernst die Gräten und stößt es im Mörser zu einer Paste. Dazu kommen gehackter Salbei, gestoßener Pfeffer und Kümmel sowie Safran, gesalzen nach Maß - der Text nennt keine genauen Mengen.

Praxis. Fülle die Farce locker in den ausgenommenen Hecht und besprenge ihn außen mit Salz. Gare ihn auf einem hölzernen Rost über dem Feuer, bis er schön gebräunt und gar ist. Ebenso kannst du ihn auch mit Eiern zubereiten, wie es der Text als Variante nennt - ein bis zwei Eier unter die Farce gearbeitet geben zusätzlichen Halt.

Wo bekomme ich einen ganzen Hecht?

Einen ganzen Hecht erhalten Sie am besten bei einem gut sortierten Fischhändler oder auf dem Wochenmarkt. Manchmal bieten auch Anglervereine oder lokale Fischer Hechte an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Der Hecht kann zu Hause vorbereitet (geschuppt, ausgenommen) und die Füllung (Fisch kochen, Gewürze mischen) vorbereitet werden. Am Lager selbst muss dann nur noch alles zusammengefügt und der Hecht über offenem Feuer auf einem Rost gebraten werden. Ein großer Mörser ist zwar authentisch, aber eine Küchenmaschine kann die Vorarbeit erleichtern.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Es gibt Einblicke in die Kochkunst des Spätmittelalters.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext ist mit 'Mörser' ein großer Fleischmörser gemeint, kein kleiner Gewürzmörser. Darin wurde Fleisch oder Fisch zu einer feinen Farce zerstoßen. Für die Zubereitung zu Hause können Sie stattdessen eine Küchenmaschine oder einen starken Mixer verwenden, um das gekochte Fischfleisch zu pürieren. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit- oder Marmormörser mit einem schweren Stößel.

Von gefuelten hechden. Gefuelte hechede sol man also machen: man neme gefuege vnd schuepe die vnd loese in abe den darm zvo den oren vische, welcher kuenne sie sin, vnd suede sie vnd lazze gerete, stozze sie in eime moerser, hacke dar zvo salbey, kuemel vnd safran gestozzen, saltz sie zvo mazzen, da man die hechde vnd besprenge sie vzzen mit saltze. backe eime huelzinen roste vnd brat in gar schone. Conf. Also mahtu in auch machen mit eyern.
gefuege

passend, geeignet

schuepe die

schuppe sie

loese in abe den darm zvo den oren

löse den Darm bis zu den Kiemen heraus

gerete

Gräten (nach dem Kochen entfernt)

stozze sie in eime moerser

stoße sie in einem Mörser (zu einer Farce)

zvo mazzen

angemessen, in Maßen

huelzinen roste

hölzerner Rost (historisch: Holzspieße oder ein Rost aus frischen Ästen, heute eher Metallrost)

brat in gar schone

brate ihn sehr schön gar

Conf. Also mahtu in auch machen mit eyern

Ebenso kannst du ihn auch mit Eiern zubereiten.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 158r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgefuege / gefüege hechede

Gewählte Lesart: Die Lesart 'passender Hecht' wurde gewählt, da die Harsch-Edition 'gefüege hechede' explizit als Adjektiv zum Hecht zuordnet.

Lesartlazze gerete / lazze uz daz gerete

Gewählte Lesart: Die Lesart 'entferne die Gräten' wurde gewählt, da dies im Kontext des Ausnehmens und Vorbereitens von Fisch für eine Füllung die einzig sinnvolle Interpretation ist.

Lesartda man die hechde / da mit fülle man die hechde

Gewählte Lesart: Die Lesart 'damit fülle man den Hecht' wurde gewählt, um die Textlücke der Gloning-Edition mit dem plausiblen Verb aus der Harsch-Edition zu schließen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Gloning-Edition hat hier eine Textlücke, in der das Verb 'füllen' fehlt. - Die Harsch-Edition ergänzt das fehlende Verb 'fülle', was den Sinn des Rezepts als 'gefüllter Hecht' erst vollständig macht und die Intention des Rezepts klarstellt.

Lesartpfeffer

Gewählte Lesart: Pfeffer wird zur Füllung hinzugefügt, da er ein Standardgewürz der mittelalterlichen Küche war und in der Harsch-Edition explizit genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Gloning-Edition erwähnt Pfeffer nicht explizit in der Zutatenliste für die Füllung. - Obwohl in einer Edition fehlend, war Pfeffer ein so ubiquitäres Gewürz, dass seine Hinzufügung als implizit oder als Variante angenommen werden kann.

Lesartzvo den oren vische / zu den oren uz. nim vische

Gewählte Lesart: Die Lesart 'löse den Darm bis zu den Kiemen heraus. Nimm weiteres Fischfleisch' wurde gewählt, da die Harsch-Edition die Phrase an dieser Stelle klar in zwei Sätze trennt: das Ausnehmen des Hechts ('zu den oren uz') und die separate Zutat für die Füllung ('nim vische').

Lesarthuelzinen roste

Gewählte Lesart: Die Lesart 'hölzerner Rost' wurde gewählt, da dies die direkte Übersetzung ist und die historische Praxis des Grillens auf Holzrosten widerspiegelt.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein 'hölzerner Rost' könnte auch ein Rost aus frischen Ästen oder Holzspießen sein, die direkt über dem Feuer verwendet werden und nach Gebrauch entsorgt werden. - Diese Interpretation betont die Einfachheit und Verfügbarkeit der Materialien in der mittelalterlichen Lagerküche, wo dauerhafte Metallroste seltener waren.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 158r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Das Garen auf dem Rost über offenem Feuer ist klassische Lagerküche. Hecht zu Hause schuppen und durch die Kiemen ausnehmen, das Fischfleisch für die Farce vorkochen und entgräten, die Gewürze als Mischung vorbereiten. Vor Ort nur noch die Farce fertig stoßen (Mörser oder vorbereitete Masse), den Hecht füllen und über mäßiger Glut wenden. Kein Ofen, keine Kühlung nötig.
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