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Gegrillter Aal mit Kräuterfüllung

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit75 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Nehmt frische Aale und wascht ihnen den Schleim mit kalter Asche ab. Löst die Haut am Kopf und zieht sie bis zum Schwanz herunter. Hackt Salbei und Petersilie und gebt gestoßenen Ingwer, Pfeffer, Anis und Salz in Maßen hinzu. Füllt die Kräutermischung in die Aale und zieht die Haut wieder darüber. Bestreut die Aale außen mit Salz und bratet sie gar auf einem hölzernen Rost. Serviert sie anschließend.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
frische ele 2-4 frische Aale Fischhändler -
kalter aschen 1 Tasse kalte Holzasche Kamin / Feuerstelle -
salbey Salbei Supermarkt / Wochenmarkt -
petersilien Petersilie Supermarkt / Wochenmarkt -
gestozzen ingeber 1 Stück Ingwer (ca. 20g), gestoßen - -
pfeffer 1 TL schwarzer Pfeffer - -
enis 1 TL Anissamen Supermarkt / Gewürzladen -
sa(l)tz zvo mazzen Salz nach Geschmack - -

Welches Gericht ist das? Ein ganzer Aal, von der Haut befreit, innen mit einer Kräuter-Gewürz-Mischung gefüllt und dann wieder in seine eigene Haut gehüllt, bevor er auf dem Rost gart - ein Fisch im eigenen Kleid, der von außen wie ein normaler Aal wirkt, innen aber gewürzt und gefüllt ist. Verwandt ist die Technik am ehesten mit dem Farcieren unter der Haut, wie man es von Ballotinen kennt; im Korpus selbst ist bgs-018 fast wortgleich mit koe-014 und mon-042 und findet in kkm-019 eine spätere, ausgeschmückte Fassung.

Die kalte Asche. Kalte Holzasche macht den schleimigen Aal beim Häuten griffiger - der Text beschreibt nur die Handlung, keine Begründung. Alternativ funktioniert auch grobes Salz. Das Abziehen der Haut vom Kopf zum Schwanz erfordert Übung und ein scharfes Messer, damit sie als zusammenhängendes Stück erhalten bleibt und sich später wieder überziehen lässt.

Die Füllung. Salbei, Petersilie, gestoßener Ingwer, Pfeffer, Anis und Salz nach Geschmack werden in die enthäutete Aalhaut gegeben, die Haut wieder darübergezogen und der Aal außen zusätzlich gesalzen. Es handelt sich um eine lose Kräuter-Gewürz-Füllung ohne Bindemittel - kein Brot, kein Ei, keine Farce.

Praxis. Gebraten wird auf einem hölzernen Rost über dem Feuer; der Text nennt weder Zeit noch Hitzegrad, hier hilft nur Beobachten und Probieren. Ein Holzrost ist authentisch, verbrennt aber leicht - wer das vermeiden will, kann ersatzweise einen Metallrost verwenden. Der Aal ist gar, wenn sich das Fleisch leicht von den Gräten löst.

Wo bekomme ich frische Aale?

Frische Aale sind saisonal bei gut sortierten Fischhändlern oder auf Wochenmärkten erhältlich. Manchmal bieten auch lokale Fischer Aale an. Alternativ kann man tiefgekühlte Aale verwenden, die vor der Zubereitung vollständig aufgetaut werden sollten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Das Grillen über offenem Feuer auf einem Holzrost ist authentisch und die Zutaten sind leicht zu transportieren. Die Vorbereitung (Reinigen, Füllung) kann teilweise schon zu Hause erfolgen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache. Es wurde um 1350 in Süddeutschland verfasst und spiegelt die Küche des gehobenen Bürgertums oder des niederen Adels wider.

Was bedeutet 'zvo mazzen' im Rezept?

'Zvo mazzen' bedeutet 'in Maßen' oder 'nach Geschmack'. Es ist eine Anweisung, die Zutat (hier Salz) nicht übermäßig, sondern ausgewogen zu verwenden.

Von frischen elen. Nim frische ele vnd wasche in abe den slim mit kalter aschen, loese in abe die hut bi dem haupte vnd zvech die nider zagel. hacke salbey vnd petersilien vnd tuo dar zvo gestozzen ingeber, pfeffer, enis vnd sa(l)tz zvo mazzen. wirf vf zvehe die hut wider veber. besprenge die ele vzzene mit brat sie gar vf eime huelzinen roste vnd gib sie hin.
elen

Aale

slim

Schleim

aschen

Asche

hut

Haut

zvech die nider ... zagel

zieht die Haut bis zum Schwanz herunter

zagel

Schwanz

gestozzen

gestoßen (im Mörser)

zvo mazzen

in Maßen, nach Geschmack

huelzinen roste

hölzerner Rost

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 158r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbesprenge die ele vzzene mit

Gewählte Lesart: bestreut die Aale außen mit Salz

Andere mögliche Lesart:

  • Der Originaltext der Gießener Edition weist hier eine Lücke auf. - Die Stuttgarter Edition ergänzt an dieser Stelle 'saltze', was im Kontext des Bratens von Fisch sehr plausibel ist und die Lücke sinnvoll schließt.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 158r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gefüllter Aal auf dem Holzrost gegrillt - am Feuer machbar. Beim Aal auf Zuchtware vom Fischhändler achten (Wildfang ist reguliert, CITES Anhang II).
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