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Lachs im Teigmantel

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Dies ist ein gutes Gericht von Lachs. Nimm einen Lachs, schabe ihm die Schuppen ab, spalte ihn und schneide ihn in Stücke. Hacke Petersilie und Salbei. Nimm gestoßenen Ingwer, Pfeffer, Anis und Salz in Maßen. Mache einen festen Teig, passend zur Größe der Fischstücke. Wirf die gehackten Kräuter auf die Stücke und umhülle sie mit dem Teig. Wenn du sie in eine Form pressen kannst, so tue dies. Auf diese Weise kannst du auch Hechte, Forellen und Brassen zubereiten und jedes Stück einzeln in seinem Teig backen. Ist es jedoch ein Fleischtag, so kannst du Hühner, Rebhühner, Tauben und Fasane zubereiten, sofern du die Formen hast. Backe sie in Schmalz oder gare sie in den Formen. Nimm von den Brüsten der Hühner oder anderes gutes Fleisch, so wird die Kunst umso besser. Und versalze es nicht.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
einen lahs Lachs 1 Fischhändler / Supermarkt -
peterlin Petersilie - Supermarkt / Wochenmarkt -
selbey Salbei (einige Blätter, frisch gehackt) - Supermarkt / Wochenmarkt / Garten -
gestozzen yngeber gemahlener Ingwer 1 TL - -
pfeffer Pfeffer ½ TL - -
enys Anis (gemahlen) ½ TL Supermarkt / Gewürzladen -
saltz Salz - - -
eynen derben teyk Teig (ca. 300 g Mehl, Wasser, etwas Fett) - Supermarkt (für Mehl) -
hechde, foerheln, brasmen Hecht, Forelle oder Brasse (alternativ zum Lachs) - Fischhändler / Supermarkt -
huenre, rephuenre, tuben vnd vasande Hühnerbrust, Rebhuhn, Taube oder Fasan (für Fleischtag-Variante) - Metzger / Geflügelhändler Hähnchenbrust oder anderes Geflügel
smaltze Schmalz - Metzger / Supermarkt Butterschmalz oder Pflanzenöl

Welches Gericht ist das? Ein einzeln im Teig gebackenes oder gegartes Fischstück - im Prinzip verwandt mit dem, was heute als Fisch im Blätterteig bekannt ist. Statt einer großen Pastete bekommt hier jedes Fischstück sein eigenes Teigpäckchen. Das Buch von guter Speise nennt es als flexibles Grundverfahren: derselbe Teigmantel funktioniert für Fastenfisch (Lachs, Hecht, Forelle, Brasse) und an Fleischtagen für Geflügel und Wild (Rebhuhn, Taube, Fasan, Hühnerbrust). Eng verwandt mit der Forellenpastete ant-068.

derben teyk - der feste Teig. derp/derb meint hier nicht herb, sondern fest, dicht, ohne Trieb - ein nicht aufgehender, kräftiger Teig, der die Füllung umschließt und beim Garen die Form hält. Das ist der klassische mittelalterliche Hüllteig (heißer Wasserteig aus Mehl, Wasser und etwas Fett, oder ein fester Mürbeteig). Der Teig wird passend zur Größe der Fischstücke zugeschnitten - jedes Stück bekommt seinen eigenen Mantel.

gestemphen in ein forme und suet sie in den formen. Zwei Varianten desselben Wortes forme mit unterschiedlicher Funktion: entweder den Teig in eine Form pressen (Pastetenform, Terrine), damit alle Päckchen gleich aussehen, oder die Päckchen in der Form sieden statt sie in Schmalz auszubacken. Das Rezept nennt für das Sieden weder Gar-Medium noch Zweck - ob damit Wasser, Brühe oder reiner Dampf im geschlossenen Gefäß gemeint ist, bleibt offen. Wer siedet statt backt, bekommt vermutlich einen weicheren, blassen statt knusprigen Teigmantel - die Kehrseite der schonenderen Garmethode.

Praxis. Für 500 g Fisch oder Geflügelbrust: Stücke mit 2 EL gehackter Petersilie, etwas gehacktem Salbei und je einer Prise gemahlenem Ingwer, Pfeffer und Anis würzen - sparsam salzen (das Original mahnt ausdrücklich versaltzez niht). Fest in den derben Teig schlagen; das Rezept selbst nennt keinen Randverschluss, aber die Ränder gut anzudrücken ist eine sinnvolle praktische Ergänzung, damit der Teig beim Garen dicht bleibt. In Schmalz oder Butterschmalz ausbacken, oder - vor allem bei Geflügel - in wenig Brühe oder Wasser in der Form sanft garen. Wer lieber im Ofen backt, gart die Päckchen bei etwa 180 °C goldbraun, das ist eine naheliegende moderne Umsetzung, auch wenn dieses Rezept selbst den Ofen nicht erwähnt. Da das Original keine Zeit- oder Temperaturangabe nennt, lieber Durchgaren über Kerntemperatur bzw. klaren statt roten Fleischsaft prüfen als allein über die Teigbräunung - die bleibt bei der gesottenen Variante ohnehin aus. Häufigster Fehler: zu weicher Teig, der durchweicht und die Füllung verliert. Ein Schuss Verjus oder Weißwein zum Fisch hebt die Aromen, ist zeittypisch, auch wenn das Rezept ihn hier nicht nennt.

Wo bekomme ich Rebhuhn, Taube oder Fasan?

Diese Wildgeflügelarten sind saisonal und oft bei spezialisierten Metzgern, Wildhändlern oder auf Wochenmärkten erhältlich. Eine gute Alternative ist Hähnchenbrust oder anderes Geflügel aus dem Supermarkt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nur eingeschränkt. Das Original nennt zwei Garwege: Ausbacken in Schmalz, das im Kessel über offenem Feuer gut machbar ist, und Sieden in einer Form, das eine kontrollierte, gleichmäßige Hitze braucht - das ist am Lagerfeuer schwieriger zu steuern, besonders wenn mehrere Päckchen gleichzeitig gegart werden. Am besten zu Hause vorbereiten und am Lager nur vorsichtig fertiggaren oder aufwärmen.

Was bedeutet 'gestemphen in ein forme' und 'suet sie in den formen' im Rezept?

'Gestemphen in ein forme' bedeutet, die mit Teig umhüllten Fisch- oder Fleischstücke in eine Form zu pressen, damit sie eine gleichmäßige Gestalt bekommen. 'Suet sie in den formen' (gare sie in den Formen) bezieht sich auf eine feuchte Garmethode, während die Stücke noch in ihren Formen sind - eine Alternative zum Backen in Schmalz. Welches Gar-Medium genau gemeint ist, nennt das Original nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Diz ist ein guot spise von eime lahs. Nim einen lahs, schabe im abe die schuopen, spalde in vnd snit in an stuecke. hacke peterlin, selbey, nim gestozzen yngeber, pfeffer, enys, saltz zvo mazzen, mache eynen derben teyk noch der groezze der stuecke vnd wirf daz krut vf die stuecke vnd bewirke sie mit dem teyge. kanst du sie gestemphen in ein forme, daz tuo. so mahtu machen hechde, foerheln, brasmen, vnd backe ieglichez besunder in sime teyge. ist ez aber eins fleischtages, so mahtu machen huenre, rephuenre, tuben vnd vasande mahtu machen, ab du hast die formen, vnd backe sie in smaltze oder suet sie in den formen. nim von den bruesten der huenre oder ander guot fleisch, so wirt die kunst deste bezzer vnd versaltzez niht.
spalde in vnd snit in an stuecke

spalte ihn und schneide ihn in Stücke - zwei Verben (spalden und sniden).

selbey

Salbei (mhd. selbey/selbei, salvia officinalis) - nicht Sellerie. Mit Petersilie eine klassische Kräutermischung zu Fisch.

gestozzen yngeber, pfeffer, enys, saltz

gestoßener Ingwer, Pfeffer, Anis und Salz - die Würzmischung für Fisch bzw. Fleisch.

derben teyk

fester, nicht aufgehender Teig (mhd. derp = dicht, fest) - der Hüllteig, der die Füllung umschließt; nicht herb.

gestemphen in ein forme

in eine Form pressen (für gleichmäßige Gestalt)

suet sie in den formen

gare sie in den Formen - das Original nennt weder Gar-Medium noch Zweck des Siedens; vermutlich ein feuchteres Garen als das Ausbacken in Schmalz.

versaltzez niht

versalze es nicht - die abschließende Mahnung des Rezepts

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 158r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

einen lahssalmon Q83363028
peterlinparsley Q25284
selbeycommon sage Q1111359
gestozzen yngeberginger Q15046077
pfefferpepper Q3143131
enysanise Q33873455
saltztable salt Q11254
smaltzefat, unspecified Q2789594 · Q1423543 · Q427457

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsaltz zvo mazzen

Gewählte Lesart: Wir beziehen 'zvo mazzen' (in angemessener Menge) auf die gesamte vorangehende Gewürzliste (Ingwer, Pfeffer, Anis, Salz), da es am Ende der Aufzählung steht und in der Übersetzung entsprechend nachgestellt ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Bezieht sich nur auf das Salz, das unmittelbar davor genannt wird. - 'saltz zvo mazzen' steht im mhd. Text als engste Wortfolge direkt zusammen, was auch eine Lesart nur fürs Salz nahelegt.

Lesartsuet sie in den formen - Gar-Medium

Gewählte Lesart: Wir empfehlen als Praxis, in wenig Wasser oder Brühe sanft zu garen - die unproblematischste Lesart von mhd. 'sieden'.

Andere mögliche Lesart:

  • Reines Dämpfen im geschlossenen Gefäß ohne Flüssigkeit. - Ist mit mhd. 'sieden' ebenfalls vereinbar, vom Text aber nicht eindeutig belegt - es fehlt jede Angabe zu Medium oder Zweck.

LesartGarprobe für das Geflügel/Wild im Teig

Gewählte Lesart: Das Original nennt keine Zeit-, Temperatur- oder Garprobenangabe für diesen Schritt; als Praxis empfehlen wir, Durchgaren über Kerntemperatur bzw. klaren statt roten Fleischsaft zu prüfen statt allein über die Teigbräunung.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Zeitanalogie zum Brotbacken, wie sie andere Rezepte im Korpus für ein ähnliches, aber nicht identisches Verfahren (gehackter Fisch in einem Teig-Topf statt einzeln verpackter Stücke) nennen. - bgs-019 selbst enthält diese Analogie nicht, und die betreffenden Rezepte teilen nicht das gleiche Grundverfahren - eine Übertragung wäre nicht sicher begründet.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 158r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die im Text genannten Garwege sind Ausbacken in Schmalz (feuertauglich im Kessel) und Sieden in der Form (kontrollierte, gleichmäßige Hitze in einem Gefäß, eher wasserbadartig). Gerade das gleichzeitige Garen mehrerer Formen bei konstanter, milder Hitze ist am offenen Feuer schwer zu steuern - zu Hause vorbereiten und am Lager nur vorsichtig fertiggaren oder aufwärmen ist die sicherere Wahl.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 5-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.