Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Über ein Gericht aus Leber. Man soll eine Leber und hartgekochte Eier nehmen; diese soll man in einem Mörser zerstoßen. Und dies soll man mit klarem Trank, Wein oder Essig vermengen. Und man soll es in einer Senfmühle mahlen. Nimm Zwiebeln, diese sollst du in Schmalz oder Öl dünsten. Man gieße es über Fisch oder Wildbret. Nach dieser Art kannst du viele andere Dinge zubereiten.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ein lebern | 1 Leber (z.B. Hühner- oder Kalbsleber) | Metzger, Supermarkt | - |
| herte eyer | 2-3 hartgekochte Eier | - | - |
| luterm trank wine oder mit ezzige | 100-150 ml Flüssigkeit (klarer Trank wie Brühe, Weißwein oder Weinessig) | Supermarkt, Leitung (für Brühe) | - |
| (implied by 'senf-muelen') | 1-2 TL Senfsaat (gemahlen) oder Senfpulver | Supermarkt, Reformhaus | - |
| zwiboln | 1-2 Zwiebeln | - | - |
| smaltze oder mit oele | 1-2 EL Schmalz oder Pflanzenöl | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine herzhafte, warme Leber-Ei-Sauce, die mit Zwiebeln, Senf und Säure abgeschmeckt wird - im Geiste ein reicher Leberpfeffer oder ein kräftiges Condiment für Fisch und Wildbret.
So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der feinen Textur der Leber-Ei-Basis: Leber (Hühner- oder Kalbsleber ist ideal, ca. 150-200g) und 2-3 hartgekochte Eier müssen wirklich gründlich im Mörser zerstoßen oder mit einem Pürierstab fein gemixt werden. Gib dann schrittweise den Wein oder Essig (als Startpunkt: 50-80ml) hinzu, bis eine sämige, aber gießfähige Konsistenz entsteht. Die Erwähnung der Senfmühle deutet auf die Zugabe von Senf hin; verwende am besten 1-2 Teelöffel Senfpulver oder scharfen Dijon-Senf, um die nötige Schärfe und Bindung zu erreichen. Die Zwiebeln (eine mittelgroße) in Schmalz oder Öl goldbraun dünsten, nicht zu dunkel, sonst werden sie bitter. Der häufigste Fehler ist eine zu grobe Konsistenz; die Sauce muss homogen sein, damit sie sich gut mit dem Gericht verbindet.
So wird es richtig gut. Die Balance zwischen Säure (Wein/Essig), Schärfe (Senf) und der erdigen Süße der Leber ist entscheidend. Schmecke die Sauce ab und justiere die Säure mit einem Schuss Verjus oder Essig nach. Eine Prise Salz und frisch gemahlener Pfeffer (historisch korrekt) runden den Geschmack ab. Die gedünsteten Zwiebeln geben nicht nur Süße, sondern auch feine Röstaromen; rühre sie entweder unter die Sauce oder verwende sie als Topping für zusätzlichen Biss. Serviere die Sauce unbedingt warm, direkt über gebratenem oder pochiertem Fisch, Wildbret oder auch Geflügel. Die cremige Textur und die würzige Tiefe machen dieses Gericht zu einem echten Geschmackserlebnis.
Frische Leber erhalten Sie beim Metzger Ihres Vertrauens oder in gut sortierten Supermärkten. Achten Sie auf gute Qualität, da die Leber den Hauptgeschmacksträger bildet.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfordert keine speziellen Öfen und kann gut über offenem Feuer oder auf einem Kocher erfolgen. Leber und Eier können vorgekocht und gekühlt mitgebracht werden. Ein Mörser und eine Reibe oder ein kleines Messer für die Zwiebeln sind ausreichend.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, das um 1350 im süddeutschen Raum (vermutlich Würzburg) entstanden ist. Es gibt Einblicke in die bürgerliche und höfische Küche des Spätmittelalters.
Eine 'Senfmühle' war ein Gerät zum Mahlen von Senfsaat. Im Rezept wird Senf nicht ausdrücklich als Zutat genannt, doch das Mahlen der Leber-Eier-Mischung in einer solchen Mühle könnte nahelegen, dass Senf mit hinzukommt. Sicher ist das nicht: Ein eng verwandtes Rezept aus dem Königsberger Kochbuch beschreibt an derselben Stelle nur ein Passieren durch ein Tuch oder Mahlen, ganz ohne Senf-Erwähnung. Die Mühle könnte also auch schlicht als feines Mahlwerkzeug gedient haben.
Leber (Kalbs- oder Hühnerleber) - die Basis der Sauce, mit hartgekochten Eiern fein zerstoßen.
Senfmühle - das genannte Werkzeug könnte darauf hindeuten, dass Senf untergemahlen wird, auch wenn er nicht eigens als Zutat steht; zwingend ist das nicht (siehe Zwilling koe-001).
‚Lauterer Trank' = geklärter, heller Wein; liefert hier Säure und Flüssigkeit (Alternative: Essig).
Zwiebeln in Schmalz oder Öl gedünstet (nicht in Wasser gekocht) - geben Süße und Röstaromen.
Die warme Sauce wird über Fisch oder Wildbret gegossen - ein Begleit-Condiment, kein eigenständiges Gericht.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
luterm trank wine oder mit ezzige / luterm tranke. oder mit wine oder mit ezzige.
Gewählte Lesart: Die Flüssigkeit kann klarer Trank (Brühe), Wein oder Essig sein, wobei der Koch eine dieser Optionen wählen kann.
Andere mögliche Lesart:
senf-muelen
Gewählte Lesart: Die Leber-Eier-Mischung wird in einer Senfmühle gemahlen, was die Zugabe von Senf (Senfsaat oder -pulver) zur Mischung impliziert, auch wenn Senf nicht explizit als Zutat aufgeführt ist.
Andere mögliche Lesart:
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