The Forme of Cury · England · 1390
Nimm Aale und Lachs und schneide sie in Stücke. Schmore sie in Mandelmilch und Verjus. Vermenge den Sud mit weiterer Mandelmilch. Entferne die Gräten sauber aus dem Fisch. Bewahre den Mittelteil der Aale ganz. Den restlichen Fisch zerstoße fein im Mörser. Gib eine Gewürzmischung, Zucker, Salz und geriebenes Brot hinzu. Fülle die Aale damit, wo die Gräten waren. Vermische den anderen Teil der Füllung und die Milch miteinander und färbe es mit Sandelholzpulver. Bereite einen Pastetenteig in einer Form wie zuvor beschrieben zu. Backe die Pastete darin und serviere sie.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Eelys | Aale | Fischhändler | Welsfilet oder Räuchermakrele, falls du auf Aal verzichten möchtest - Wildfang ist reguliert, Zuchtaal beim Fischhändler ist aber unproblematisch |
| Samoun | Lachs | - | - |
| almaund mylke | Mandelmilch | - | - |
| verious | Verjus | Feinkostladen, Online-Handel | Weißweinessig (mild) oder Zitronensaft |
| powdour | Gewürzmischung (mild) | - | - |
| sugur | Zucker | - | - |
| salt | Salz | - | - |
| grated brede | Geriebenes Brot (Paniermehl) | - | - |
| saundres | Sandelholzpulver | Online-Handel für Gewürze | Alkannawurzel oder Kermes (für die Farbe) |
| crust | Pastetenteig | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine aufwendige Fischpastete - das mittelenglische Tartes of Fysshe. Aal und Lachs werden in Mandelmilch und Verjus pochiert, entgrätet, der Mittelteil des Aals bleibt ganz und wird mit der zerstoßenen Restfarce wiedergefüllt, das Ganze rot gefärbt in einer Teighülle gebacken. Verwandt ist die Aalpâté im Teigmantel der italienischen Hofküche (mar-148) und die mittelalterliche Idee, Fisch zu entgräten und ansehnlich wieder zusammenzusetzen.
Almaund mylke. Mandelmilch - blanchierte, gestoßene und durch ein Tuch passierte Mandeln mit Wasser. Der Standard-Milchersatz an Fastentagen, an denen tierische Milch verboten war. Sie ist hier zugleich Pochiersud und Bindung der Farce.
Verious. Verjus, der Saft unreifer Trauben - das milde Säuerungsmittel der mittelalterlichen Küche, wo Zitronen selten waren. Milder Weißweinessig oder Zitronensaft sind brauchbare Ersätze.
Saundres. Rotes Sandelholz (Pterocarpus santalinus), gemahlen als rotbrauner Speisefarbstoff - periodentreu. Nicht zu verwechseln mit weißem Duftsandelholz. Für die Farbe sind alternativ Alkannawurzel oder Kermes denkbar.
As before / trape. Der Verweis make a crust in a trape as before setzt eine Standard-Teighülle (trape = Backform/Pastetenform) voraus, die der Koch aus einem früheren Rezept kannte; der Text nennt sie hier nicht eigens.
Praxis. Aal (Zuchtware vom Fischhändler empfehlenswert, ersatzweise Welsfilet oder Räuchermakrele) und Lachs in Stücke schneiden, in Mandelmilch mit einem Schuss Verjus sanft gar ziehen. Gräten ziehen, ein schönes Aalmittelstück beiseite. Restfisch im Mörser (oder Cutter) fein zerstoßen, mit Gewürzpulver, Zucker, Salz und geriebenem Brot zur Farce binden. Das Aalstück damit füllen, die übrige Farce mit etwas Mandelmilch verrühren und mit Sandelholz rot färben. In die Teighülle setzen, Deckel auf, bei ca. 180 °C backen. Mehrstufig und backofengebunden - zu Hause vorbereiten.
Aal aus Wildfang ist reguliert (CITES Anhang II, IUCN „Critically Endangered", strenge EU-Fangquoten auch für Glasaal); Zuchtaal ist beim Fischhändler ganz normal erhältlich und die empfohlene Bezugsquelle. Wer lieber verzichtet, kann Welsfilet oder Räuchermakrele verwenden, die eine ähnliche Textur und einen kräftigen Geschmack bieten. Sandelholzpulver ist in Apotheken oder spezialisierten Online-Shops für Gewürze erhältlich. Alternativ kann für die Farbe Alkannawurzel oder Kermes verwendet werden.
Nein, dieses Rezept ist aufgrund der aufwendigen Vorbereitung (Entgräten und Füllen der Aale, Zubereitung des Pastetenteigs) und des Backvorgangs nicht für die spontane Zubereitung in der Lagerküche geeignet. Es erfordert eine kontrollierte Backumgebung und mehrere Arbeitsschritte. Zuhause vorbereiten.
Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und wichtigsten englischen Rezeptsammlungen, die um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst wurde. Es bietet einen Einblick in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.
Verjus (aus dem Französischen 'vert jus' = grüner Saft) ist der Saft unreifer Trauben. Er wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel in der Küche verwendet, da Zitronen selten und teuer waren. Er verleiht Gerichten eine feine, fruchtige Säure. Du kannst ihn in Feinkostläden oder online kaufen; ein milder Weißweinessig oder Zitronensaft sind gute Alternativen.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der dazu diente, Fleisch, Fisch oder andere Zutaten zu einer feinen Paste (Farce) zu zerstoßen. Für dieses Rezept kannst du den Fisch stattdessen sehr fein hacken und anschließend in einer modernen Küchenmaschine oder einem Blender pürieren, um eine ähnliche Konsistenz zu erreichen. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit-Mörser mit einem schweren Holzstößel.
Mandelmilch - blanchierte, gestoßene, durchpassierte Mandeln mit Wasser; der Milchersatz an Fastentagen.
Verjus, Saft unreifer Trauben - mildes Säuerungsmittel.
rotes Sandelholz, gemahlen als rotbrauner Speisefarbstoff (periodentreu).
Backform/Pastetenform für die Teighülle.
fertige Gewürzmischung (mild oder scharf).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
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Gewählte Lesart: Den Pochiersud mit weiterer Mandelmilch zu einer bindenden Flüssigkeit verlängern.
Andere mögliche Lesart:
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