Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475
Nimm die kleinen vorderen Schweinefüße. Streife die Haut bis zu den Klauen ab und schneide die Haut dann ab. Fülle die Füße gut mit der zuvor genannten Farce und nähe sie sorgfältig zu. Dann hab kochendes Wasser über dem Feuer, gib sie hinein und lass sie sieden. Wenn sie gut gar sind, röste sie und beträufle sie immer wieder mit heißem Schmalz.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| die vorste swijnen beene cleene | Kleine vordere Schweinefüße | Metzger | - |
| die huut | Haut der Schweinefüße | - | - |
| metten vaersele voorseit | Farce aus wes-003 (Hammelfleisch, Eier, Gewürze) | - | Hackfleischfüllung nach Wahl, wenn das Originalrezept nicht zur Hand ist |
| wallende watere | Wasser | Leitung | - |
| smoute | Schmalz | Supermarkt | - |
Welches Gericht ist das? Gefüllte und zweifach gegarte Schweinefüße - erst gefüllt und genäht, dann gekocht, dann über dem Feuer geröstet. Das Verfahren (sieden, dann rösten/glasieren) ist dasselbe wie bei der bis heute gekochten und anschließend krossgebratenen Schweinshaxe oder den belgischen pieds de porc panés. Die zarten Vorderfüße werden hier zur essbaren Hülle für eine Fleischfarce.
Verstroopt die huut toten naglen: die Schwarte wird bis zu den Klauen abgestreift und abgeschnitten, sodass eine Tasche für die Füllung entsteht. Metten vaersele voorseit („mit der zuvor genannten Farce") verweist zurück auf das Grundlagenrezept wes-003 - eine Universalfarce aus Hammelfleisch, hart gekochten Eiern und Gewürzen, die dort ausdrücklich auch für zwijnen beene (Schweinefüße) vorgesehen ist. Die Farce fehlt also nicht, sie steht nur in einem eigenen Rezept.
Roostet ende droopet met smoute: nach dem Garen werden die Füße über dem Feuer geröstet und dabei laufend mit heißem smout (Schmalz/Bratfett) beträufelt - das gibt die krosse, glänzende Oberfläche.
Praxis. Vordere Schweinefüße vom Metzger vorbestellen. Haut/Schwarte als Tasche lösen, mit einer Hackfleischfarce (Hammel- oder gemischtes Hack, gekochte Eier, kräftig gewürzt) füllen und mit Küchengarn zunähen. In siedendem Wasser gar ziehen (1,5-2 Std.), dann über der Glut oder im Ofen rösten und immer wieder mit heißem Schmalz beträufeln, bis die Haut knusprig glänzt. Am Lager machbar - die Farce besser zuhause kühl vorbereiten, am Feuer dann nur sieden und rösten.
Schweinefüße sind nicht in jedem Supermarkt erhältlich, aber ein gut sortierter Metzger kann sie in der Regel besorgen oder vorbestellen. Frage am besten direkt beim Fleischer deines Vertrauens nach.
Die Farce ist nicht fehlend - sie steht in Rezept wes-003 („Vielseitige Füllung für Pasteten und Würste"). Mit „metten vaersele voorseit" („mit der zuvor erwähnten Farce") verweist Meister Hans direkt darauf zurück: eine Universalmasse aus gut gekochtem Hammelfleisch (mager und fett), hart gekochten Eiern, Pfeffer, Safran, Kräutern und Salz, im Mörser gestoßen. wes-003 nennt „zwijnen beene" (Schweinefüße) explizit als eine der vorgesehenen Verwendungen.
Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Die Zubereitung einer Farce und das Nähen der Schweinefüße erfordern eine saubere Arbeitsumgebung und Zeit. Zudem müsste eine Fleischfarce gekühlt werden, was im Lager oft schwierig ist. Es empfiehlt sich, die gefüllten und genähten Schweinefüße zu Hause vorzubereiten und im Lager nur noch zu sieden und zu rösten.
Dieses Rezept stammt aus der mittelniederländischen Handschrift UB Gent 1035, bekannt als „Wel ende edelike spijse“, verfasst in Flandern um 1475. Es ist die einzige vollständig erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung dieser Epoche und wurde von Christianne Muusers (coquinaria.nl) digital ediert.
Die Schwarte wird bis zu den Klauen abgestreift und abgeschnitten - so entsteht die Tasche für die Füllung.
„Die zuvor genannte Farce" - die Universalfüllung aus wes-003 (Hammelfleisch, gekochte Eier, Gewürze), die dort eigens für „zwijnen beene" (Schweinefüße) vorgesehen ist.
Tierisches Schmelzfett, meist Schweineschmalz, zum Rösten und Beträufeln.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vaersele voorseit
Gewählte Lesart: Mittelniederländisch „voorseit" = „vorgenannt / zuvor erwähnt". Verweist auf die Universal-Farce aus wes-003, die im selben Manuskript als Grundlagen-Rezept steht und „zwijnen beene" (Schweinefüße) ausdrücklich als eine der vorgesehenen Anwendungen listet.
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