The Forme of Cury · England · 1390
Nimm den Magen eines großen Schweins und fünf oder sechs kleine Schweinemägen. Fülle sie vollständig mit der gleichen Farce. Nähe sie fest zu und brühe sie vor. Nimm sie heraus und forme kleine Stücke aus gutem Teig oder Paste und frittiere sie. Nimm diese frittierten Stücke und stecke sie dicht in die Mägen, auf die Farce, sodass sie wie ein Igel ohne Beine aussehen. Spieße sie auf, brate sie am Spieß und färbe sie mit Safran, dann serviere sie.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| þer mawe of þe grete Swyne | 1 großer Schweinemagen | Metzger | - |
| fyfe oþer sex of pigges mawe | 5-6 kleine Schweinemägen | Metzger | - |
| þe self fars | Farce (Füllung) | - | - |
| gode past | Teig oder Paste | - | - |
| safroun | Safran | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein urchoun (mittelenglisch für Igel) - eines der berühmten englischen Schauessen des Spätmittelalters. Gefüllte Schweinemägen werden mit frittierten Teigspitzen so dicht gespickt, dass das fertige Stück aussieht wie ein zusammengerollter Igel ohne Beine. Eng verwandt mit dem zeitgleichen englischen Schaugericht yrchouns, bei dem dasselbe Prinzip auf eine Brätkugel angewandt wird; das lebende Pendant ist jede Sülzwurst oder Brätfüllung, die heute zum Schaustück dekoriert wird.
Die Igel-Form. After an urchoun withoute legges heißt „nach Art eines Igels ohne Beine" - die Form ist das ganze Rezept. Der prall gefüllte, zugenähte Magen ist der runde Igelkörper, die schräg eingesteckten Teigspitzen sind die Stacheln. Safran färbt die Stacheln goldbraun.
Die Teigstacheln (prews). Prews sind hier keine Spieße, sondern kleine, spitz zugeschnittene Teigstücke - das Gegenstück zu den poyntes in der Schwester-Vorschrift (foc-180). Sie werden erst frittiert (damit sie steif bleiben) und dann in die noch weiche Farce gesteckt.
seeþ = stecken, nicht sieden. Der Herausgeber notiert ausdrücklich, dass seeþ hem þicke hier nicht „siede sie dick" meint, sondern „stecke sie dicht" - ein Schreib- oder Lesefehler für sette/stikke. Inhaltlich zwingend: man steckt die bereits frittierten Spitzen ein, kocht sie nicht erneut.
Praxis. Brät aus durchwachsenem Schweinehack mit Ei, Brot und Gewürzen herstellen, in einen gereinigten Schweinemagen (oder ersatzweise einen Naturdarm-Beutel/eine mit Schweinenetz umhüllte Kugel) füllen und fest zunähen. Kurz in heißem Wasser pochieren, damit der Körper Form bekommt. Aus festem Mürbeteig schmale, spitze Dreiecke schneiden, in heißem Schmalz goldgelb frittieren, abtropfen lassen. Die Spitzen schräg nach hinten in den noch warmen Magen stecken (Stachelrichtung beachten - alle in eine Richtung). Auf dem Drehspieß oder im Bräter über Glut fertig braten, dabei mit in Brühe gelöstem Safran bestreichen. Als Tafelaufsatz servieren.
Schweinemägen sind heute nicht mehr in jedem Supermarkt erhältlich. Frage am besten bei einem Metzger deines Vertrauens nach, der auch Innereien führt. Eventuell muss vorbestellt werden.
Nein, dieses Rezept ist für die Lagerküche nicht geeignet. Die Zubereitung ist sehr aufwendig und erfordert mehrere Schritte wie Füllen, Vorbrühen, Formen und Frittieren der Teigstücke, bevor der Magen am Spieß gebraten wird. Dies ist am Lagerfeuer kaum umsetzbar. Bereite das Gericht am besten zu Hause vor.
Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und wichtigsten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für den Hof von König Richard II. verfasst und gibt Einblicke in die höfische Küche des Spätmittelalters.
Eine 'Farce' ist eine feine Füllung, meist aus gehacktem Fleisch, Gewürzen und Bindemitteln. Das Rezept gibt keine genaue Zusammensetzung an, da dies als bekannt vorausgesetzt wurde. 'Gode past' (guter Teig/Paste) bezieht sich auf einen einfachen Teig, der zu kleinen Stücken geformt und frittiert wird, um die 'Igelstacheln' zu bilden. Hierfür kann ein einfacher Nudelteig oder ein Brotteig verwendet werden.
Der Titel 'Hert Rowee' ist mehrdeutig. 'Hert' könnte 'Herz' oder 'hart/rau' bedeuten, während 'Rowee' 'Reihen' oder 'Rogen' (Fischeier) meinen könnte. Angesichts der Zubereitung, bei der kleine Stücke in Reihen auf den Magen gesteckt werden, um eine raue, igelartige Oberfläche zu erzeugen, ist eine Interpretation als 'Raue Reihen' oder 'Igel-Magen' am plausibelsten.
Magen (Schweinemagen) - hier der Hüllbeutel für die Farce.
Brätfüllung aus durchwachsenem Fleisch, Brot, Ei und Gewürz.
Kleine, spitz geschnittene Teigstücke (= poyntes in foc-180), die als Stacheln dienen.
Hier verschrieben für stecken/festsetzen, NICHT sieden - so ausdrücklich die Herausgeber-Anmerkung.
Mittelenglisch für Igel - die nachgebildete Form des Schaugerichts.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
seeþ hem þicke
Gewählte Lesart: Stecke sie dicht (ein). Der Herausgeber weist auf einen Schreibfehler hin: gemeint ist stecken, nicht sieden - die Teigspitzen sind bereits frittiert und werden nur noch in die Farce gesteckt.
Hert Rowee
Gewählte Lesart: Als Igel-Form-Gericht übersetzt; der Titel selbst bleibt dunkel und wird über den eindeutigen Rezeptinhalt (urchoun) erschlossen.
Andere mögliche Lesart:
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