The Forme of Cury · England · 1390
Nimm den weißen Teil des Lauchs, schäle und schneide ihn klein. Nimm Schweine-Innereien und koche sie in Brühe und Wein. Nimm sie heraus, putze und zerteile sie. Gib den Lauch in die Brühe und lass sie sieden. Füge die Innereien hinzu. Bereite eine Mischung (Lyour) aus frischem Blut und Essig zu und gib sie zum Gericht. Füge scharfe Gewürzmischung hinzu. Lass das Gericht sieden, hacke Zwiebeln fein und gib sie ebenfalls dazu. Auf die gleiche Weise bereite Bursen aus Ferkeln zu.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| the whyte of Lekes | Weißer Lauch (Stangenlauch) | - | - |
| Noumbles of swyne | Schweine-Innereien (Herz, Leber, Nieren) | Metzger | - |
| broth | Fleischbrühe | - | - |
| wyne | Rotwein | - | Weißwein |
| brode blode | Frisches Schweineblut | Metzger (auf Bestellung) | - |
| vynegre | Weinessig | - | - |
| Powdour fort | Scharfe Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) | - | - |
| Oynouns | Zwiebeln | - | - |
| Pigges | Ferkel-Innereien (optional) | Metzger (auf Bestellung) | Junge Schweine-Innereien |
Welches Gericht ist das? Ein deftiges Innereien-Ragout mit Lauch, das mit frischem Blut und Essig gebunden und scharf gewürzt wird. Im Geiste verwandt mit dem Wiener Beuschel und der ganzen Familie blutgebundener Innereien-Gerichte - vgl. das Lauchmus mit Schweinefleisch (rfk-023), Martinos blutgebundene Peperata vom Wild (mar-005) und die menagier'sche Blut-/Leberwurst (men-006).
Noumbles - die Innereien. Pegge glossiert das Wort als entrails; gemeint ist das Geschlinge (Herz, Leber, Lunge, Niere) vom Schwein. Sie werden erst in Brühe und Wein gar gekocht - das macht sie zart und reinigt sie - dann geputzt und zerteilt.
Lyour aus Blut und Essig - der Kern. Lyour (verwandt mit alye, binden) ist hier kein bloßes Würzmittel, sondern die Bindung selbst: frisches, ungeronnenes Blut, mit Essig versetzt. Der Essig stabilisiert und säuert zugleich. Das ist die klassische mittelalterliche Blutbindung - dieselbe Technik, mit der die civet-Saucen (vgl. foc-014) angedickt wurden. Kritisch: Das Gericht darf beim Einrühren nur noch sanft ziehen, nie sprudelnd kochen, sonst flockt das Blut aus.
Powdour fort - die scharfe Würze. Anders als die süße powdour douce der Gemüse-Pottagen ist dies die kräftige Mischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, oft Galgant) - sie kontert die Säure von Essig und Wein.
Bursen of Pigges. Der Schlussvermerk wendet dasselbe Verfahren auf Ferkel-Innereien an. Der Gerichtname Bursen ist etymologisch ungeklärt.
Praxis. Rund 500 g gemischte Schweine-Innereien in Brühe und Rotwein gar kochen, herausnehmen, putzen, mundgerecht schneiden. Den weißen Teil von Lauch fein schneiden, in der Brühe weichsieden, Innereien zurückgeben. Etwa 150 ml frisches Schweineblut mit 2 EL Weinessig verrühren, bei milder Hitze unter Rühren einarbeiten, powdour fort und fein gehackte Zwiebeln zugeben - nur noch ziehen lassen. Frisches Blut beim Metzger vorbestellen.
„Noumbles“ bezeichnet die Innereien von Tieren, hier speziell von Schweinen oder Ferkeln. Dazu gehören typischerweise Herz, Leber und Nieren. Diese erhältst du am besten frisch beim Metzger deines Vertrauens, oft auf Vorbestellung.
„Powdour fort“ ist eine mittelalterliche scharfe Gewürzmischung. Sie besteht typischerweise aus schwarzem Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken, oft auch mit Galgant oder langem Pfeffer. Mische diese Gewürze nach eigenem Geschmack, um eine kräftige Würze zu erzielen.
Ja, das Rezept ist grundsätzlich für die Lagerküche geeignet, da es sich um einen Eintopf handelt, der gut über offenem Feuer zubereitet werden kann. Allerdings sind frische Schweine-Innereien und frisches Blut am Lager schwer zu beschaffen. Plane dies im Voraus und bestelle die Zutaten beim Metzger oder bereite sie zu Hause vor.
„Lyour“ bezeichnet im mittelalterlichen Kochbuch eine Mischung, die oft zum Binden oder Würzen von Speisen verwendet wird. In diesem Rezept ist es eine Mischung aus frischem Blut und Essig, die dem Gericht Farbe, Geschmack und eine leicht sämige Konsistenz verleiht.
Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“, einer der bedeutendsten mittelalterlichen Rezeptsammlungen Englands, die um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst wurde. Es bietet einen Einblick in die höfische Küche des späten 14. Jahrhunderts.
Name des Gerichts, etymologisch ungeklärt (schon von Pegge angemerkt).
Innereien/Geschlinge vom Schwein (Herz, Leber, Lunge, Niere); Pegge: 'entrails'.
Bindung (verwandt mit 'alye' = binden); hier aus frischem Blut und Essig - bindet und würzt zugleich.
Frisches, ungeronnenes (flüssiges) Blut - Voraussetzung für die Blutbindung.
Scharfe Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, oft Galgant) - das herzhafte Gegenstück zur süßen 'powdour douce'.
Dasselbe Verfahren auch mit Ferkel-Innereien.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
seeþ Oynouns mynce hem and do þer to
Gewählte Lesart: Lass das Gericht sieden, hacke Zwiebeln fein und gib sie dazu (die Zwiebeln roh-gehackt, zum Schluss).
Andere mögliche Lesart:
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