Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574
Brich die Eier sorgfältig am Spitzchen auf. Gib Gewürze und Salz, Zimtblüte, Muskatblüte oder Muskatnuss hinein. Rühre alles mit einem Hölzchen gut untereinander. Verschließe das kleine Loch oben mit Eiweiß. Du kannst die Eier so in Butter braten oder in heißer Asche rösten.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Eyer | 4-6 Eier | - | - |
| Würtz | 1 Prise Gewürze (allgemein, z.B. Pfeffer, Ingwer) | - | - |
| Saltz | 1 Prise Salz | - | - |
| Zimetblüh / Muscatblüh / Muscat | 1 Prise Zimtblüte, Muskatblüte (Macis) oder Muskatnuss (gerieben) | Bio-Laden, Gewürzhandel | - |
| Eyerklar | Etwas Eiweiß | - | - |
| Buttern | 2 EL Butter | - | Pflanzenöl für Fastenzeiten |
| heisser Asschen | Heiße Asche oder Glut (als Garmethode) | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein gewürztes Ei, das in der eigenen Schale gegart wird - verwandt mit dem in Glut gerösteten Ei (vgl. mar-194) und mit den gefüllten Eiern der Zeit (vgl. m384-049, mha-280). Der Clou: das Ei wird nicht aufgeschlagen, sondern oben am spitzlin (Spitzende) winzig geöffnet, gewürzt, wieder verschlossen und ganz gegart - eine kleine Schau am Tisch.
Gros Eyer - der Titel. „Große Eier“ meint hier nicht die Eiergröße, sondern den Aufwand: ein aufgewertetes, gewürztes Ei statt eines schlichten Spiegeleis. Würtz ist die übliche Gewürzmischung der Zeit (Pfeffer, Ingwer, dazu hier die feinen, teuren Aromen Zimetblüh = Zimtblüte und Muscatblüh = Macis, der Samenmantel der Muskatnuss).
Die Crux - lässt sich das wirklich machen? Ehrlich: nur mit Mühe. Durch ein kleines Loch am Spitzende lässt sich das Innere kaum gleichmäßig würzen und mit dem höltzlin (Holzstäbchen) verrühren, ohne die Schale zu sprengen; das Verschließen mit Eyerklar (Eiweiß) hält in der Hitze schlecht. Das Rezept gehört in die Reihe der „Ei in der Schale“-Kunststücke, die mehr Vorführung als Alltagsküche sind - reizvoll, aber fummelig.
Praxis. Wer es originalgetreu versucht: am stumpfen Ende ein etwas größeres Loch klopfen (dort sitzt die Luftkammer), mit einer dünnen Stricknadel Dotter und Klar leicht verrühren, eine Messerspitze Salz und Gewürze zugeben, das Loch mit etwas rohem Eiweiß verschließen und das ganze Ei langsam in Butter wälzend braten oder behutsam in nicht mehr glühende Asche betten, bis es fest ist. Pragmatischer und genauso zeittypisch: das Ei gar kochen, halbieren, Dotter mit Salz, Pfeffer, einer Prise Macis und Zimtblüte verrühren, zurückfüllen und kurz in Butter anbraten - das ist im Ergebnis dasselbe gewürzte Ei ohne den Schalen-Balanceakt.
Wörtlich übersetzt bedeutet 'Gros Eyer' 'Große Eier'. Der Titel bezieht sich auf die Zubereitungsart, bei der die Eier gefüllt werden, was sie zu einer 'größeren' oder aufwendigeren Speise macht als ein einfaches Spiegelei.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Eier sind leicht zu transportieren und können entweder in einer Pfanne über dem Feuer gebraten oder direkt in der heißen Asche gegart werden. Die Zubereitung ist einfach und erfordert keine komplizierten Werkzeuge.
Dieses Rezept stammt aus dem frühneuhochdeutschen Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 veröffentlicht wurde. Es bietet einen Einblick in die einfache, aber raffinierte Küche der Zeit.
Lege die gefüllten und verschlossenen Eier vorsichtig direkt in die heiße Glut oder Asche eines Lagerfeuers. Achte darauf, dass die Asche heiß, aber nicht mehr glühend ist, um ein zu schnelles Verbrennen der Schale zu vermeiden. Die Eier sind gar, wenn das Innere fest ist, was je nach Hitze einige Minuten dauern kann. Drehe sie gelegentlich, um eine gleichmäßige Garung zu gewährleisten.
Wörtlich „große Eier“ - gemeint ist das aufgewertete, gewürzte Ei, nicht die Eigröße.
Spitzchen, das spitz zulaufende Ende des Eies, an dem es geöffnet wird.
Die allgemeine Gewürzmischung der Zeit, meist Pfeffer und Ingwer als Basis.
Zimtblüte - die getrockneten Blütenknospen des Zimtbaums, feiner als Zimtrinde.
Muskatblüte (Macis), der getrocknete Samenmantel der Muskatnuss, milder und feiner als die Nuss selbst.
Eiweiß - hier als „Kleber“, um das Loch wieder zu verschließen.
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