Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Nimm die ganzen Eier und wirf sie in die lebendige und heiße Glut. Schlage mit einem Stock darauf, bis du sie zerbrichst, und lass sie garen. Wenn sie dir gar erscheinen, nimm sie heraus und gib etwas Essig und Petersilie darüber.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| l'ova integre | Ganze Eier | - | - |
| brascia viva et calda | Glut | - | - |
| aceto | Essig | - | - |
| petrosillo | Petersilie | - | - |
Welches Gericht ist das? Das in der Glut gegarte Ei - hier in der derbsten Variante: Das ganze Ei wird in die lebendige Glut geworfen und mit einem Stock aufgeschlagen, sodass Eigelb und Eiweiß direkt auf der Glut stocken. Es ist eine Feldküchen-Methode reinsten Wassers; eng verwandt mit dem altfranzösischen ova sperdute aus dem Ménagier, wo die Eier ebenso direkt auf glühende Kohlen gegeben werden.
Der Titel ova sperdute - „verlorene Eier" - passt hier doppelt: Das Ei verliert seine Schale und „verstreut" sich auf der Glut. Anders als beim Pochieren in Flüssigkeit gibt es kein bergendes Wasser.
Der Abschluss mit aceto (Essig) und petrosillo (Petersilie) ist die typische mittelalterliche Säure-Kräuter-Garnitur, die das rauchige, derbe Ei frisch abrundet - dasselbe Prinzip wie bei grünen Essig-Petersilien-Saucen der Zeit.
Praxis. In einem heruntergebrannten Holzfeuer eine flache, gleichmäßige Glut schaffen. Das rohe Ei in die Glut legen und mit einem sauberen Stock kurz aufschlagen, sodass es ausläuft und auf der Glut stockt. Garen, bis es fest erscheint, dann mit einer Schaufel oder einem flachen Löffel von der Glut heben, Asche abschütteln. Mit etwas Essig beträufeln und reichlich gehackter Petersilie bestreuen. Wer es weniger rustikal mag, schlägt das Ei stattdessen auf einen heißen, in die Glut gelegten Flachstein.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt lediglich ein offenes Feuer mit guter Glut und einen Stock zum Aufschlagen der Eier. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung ist sehr schnell.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts. Es ist ein Beispiel der norditalienischen Küche der Frührenaissance.
‚Brascia accesa‘ bedeutet ‚glühende Asche‘ oder ‚Glut‘. Die Eier werden direkt in die heiße Glut geschlagen und darin gegart, was ihnen einen rauchigen Geschmack verleiht.
Verwende eine Schaufel oder einen flachen Löffel, um die gegarten Eier vorsichtig aus der Glut zu heben. Achte darauf, dass keine Asche an den Eiern haftet, oder bürste sie vorsichtig ab.
„Verlorene Eier" - hier im Sinn von „verstreut/zerbrochen", weil die Eier offen auf die Glut geschlagen werden.
Lebendige, heiße Glut - das Garmedium, auf das die Eier direkt geschlagen werden.
„schlag mit einem Stock darauf" - das Ei wird in der Glut mit einem Stock aufgeschlagen.
Essig und Petersilie als abschließende Säure-Kräuter-Garnitur - typisch für die Zeit.
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