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Katalanisches Blancmanger mit Kapaun

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheReisReisBlancmanger
Zubereitungszeit120 Min.Portionen10 PortionenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Um zehn Portionen davon zu machen, nimm ein Pfund gut geschälte und gut zerstoßene Mandeln. Diese verdünnst du mit kräftiger Hühnerbrühe oder einer anderen guten Brühe. Passiere die Mischung durch ein Seihtuch und gib die so entstandene Mandelmilch in einen sehr sauberen Topf zum Kochen. Füge zwei Unzen Reismehl hinzu, das du zuvor mit etwas von der Mandelmilch verrührt und passiert hast. Lass die Mischung eine Stunde lang kochen, dabei ständig mit dem Löffel rühren und wenden. Füge ein halbes Pfund und eine Kapaunbrust hinzu, die sehr fein gehackt und zerstoßen wurde. Beachte, dass diese Kapaunbrust zuvor von Anfang an in Mandelmilch gekocht worden sein soll. Und wenn diese ganze Mischung gar ist, gib etwas Rosenwasser hinzu. Beim Anrichten der Portionen streue süße Gewürze darüber.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
una libra de amandole ben monde et ben piste 1 Pfund geschälte, gemahlene Mandeln - -
brodo di pollo grosso, o altro bon brodo Kräftige Hühnerbrühe oder andere gute Brühe - -
doi once di farina de riso 2 Unzen Reismehl - -
una meza libra et un petto di cappone ben ben trito et pisto 1/2 Pfund Kapaunbrust, sehr fein gehackt und zerstoßen (zuvor in Mandelmilch gekocht) Metzger, spezialisierter Geflügelhof Großes, fettes Suppenhuhn oder Poularde
un pocha d'acqua rosata Etwas Rosenwasser Reformhaus, Online-Gewürzhandel -
spetie dolci Süße Gewürze (z.B. Zucker, Zimt, Ingwer) - -
Wo bekomme ich Kapaun?

Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der heute nur noch selten und meist auf Bestellung bei spezialisierten Geflügelhöfen oder Metzgern erhältlich ist. Eine gute Alternative ist ein großes, fettes Suppenhuhn oder eine Poularde, um die gewünschte Textur und den Geschmack zu erzielen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, das Rezept ist grundsätzlich für die Lagerküche geeignet, erfordert aber eine sorgfältige Vorbereitung und konstante Aufmerksamkeit. Die Mandeln und der Kapaun sollten bereits zu Hause fein gemahlen bzw. püriert werden. Das Kochen über offenem Feuer erfordert ständiges Rühren für etwa eine Stunde, um ein Anbrennen zu verhindern.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Libro de Arte Coquinaria“ von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts (um 1465). Martino war Koch am Hof des Patriarchen von Aquileia und später im Vatikan. Seine Rezepte sind in norditalienischem Volgare verfasst und spiegeln die gehobene Küche der Renaissance wider.

Was bedeuten die Maßeinheiten 'libra' und 'oncia' im Rezept?

Eine 'libra' (Pfund) entsprach in Norditalien im 15. Jahrhundert etwa 340 Gramm. Eine 'oncia' (Unze) war dementsprechend etwa 28 Gramm. Die Mengenangaben sind also kleiner als moderne Pfund- und Unzenmaße.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Das Rezept verlangt, Mandeln zu ‚zerstoßen‘ (piste) und Kapaunbrust ‚sehr fein zu hacken und zu zerstoßen‘ (trito et pisto). Im Mittelalter wurde dafür ein großer Fleischmörser verwendet. Für die Mandeln kannst du fertig gemahlene Mandeln verwenden oder sie in einer Küchenmaschine fein mahlen. Die Kapaunbrust lässt sich am besten in einem leistungsstarken Mixer oder einer Küchenmaschine zu einer feinen Paste verarbeiten. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit-Mörser und einen schweren Holzstößel.

Warum „helle“ Gewürze für ein Blancmanger?

Wichtig bei diesem Blancmanger: bevorzugt helle Gewürze, damit die charakteristische weiße Farbe der Speise nicht durch dunkle Pigmente getrübt wird. Klassische Wahl ist die Poudre Blanche aus dem Viandier de Taillevent: weißer Pfeffer (entkapselter schwarzer, ohne Farbpigment), weißer Ingwer, Galgant (hellgelb-rosa), Muskatblüte/Macis (in Pulverform hell), sowie Zucker als Träger. Dunkle Gewürze wie schwarzer Pfeffer, Nelken oder Zimt würden die Sauce sichtbar verfärben, sie kommen höchstens als optische Garnitur auf die Oberfläche (Zimt-Strich, Nelken-Punkt), nicht in die Masse selbst. Safran ist eine Ausnahme: er färbt gelb-orange, wurde in der Renaissance-Hofküche aber bewusst für Akzent-Streifen oder biparte Varianten (blanmangieri biparti) eingesetzt.

Bianco mangiare al modo catalano. Per farne dece menestre habi una libra de amandole ben monde et ben piste, le quali distemperate con brodo di pollo grosso, o altro bon brodo, passandole per la stamegnia le mectirai a bollire in un vaso ben netto, agiongendovi doi once di farina de riso stemperata et passata con il lacte dell'amandole; et lassarai bollire per spatio de una hora movendo et menando sempre con il cocchiaro, agiongendovi una meza libra et un petto di cappone ben ben trito et pisto, il quale sia stato cotto dal principio nel dicto lacte. Et quando tutta questa compositione sera cotta tu ve agiongerai un pocha d'acqua rosata, et facendo le menestre tu mettirai di sopra de le spetie dolci.
menestre

Portionen oder Gänge

libra

Historisches Pfund, in Norditalien ca. 340 Gramm

once

Historische Unze, in Norditalien ca. 28 Gramm

stamegnia

Ein Seihtuch oder Sieb, oft aus grobem Wollstoff

cappone

Kapaun, ein kastrierter Masthahn

acqua rosata

Rosenwasser

spetie dolci

Wörtlich „süße Gewürze“. In der Renaissance-Hofküche eine wärmend-süße Gewürzmischung für Geflügel- und Süßspeisen, mit Zucker als Hauptkomponente. Bei diesem Katalanischen Blancmanger gilt: für die helle Farbe weiße Gewürze bevorzugen (Poudre Blanche: weißer Pfeffer, weißer Ingwer, Galgant, Muskatblüte, Zucker). Klassische spetie dolci enthielten oft auch Zimt und Nelken, das sind aber dunkle Gewürze; bei Blancmanger nur sparsam und idealerweise als Garnitur, nicht in die Masse.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 26r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartil quale sia stato cotto dal principio nel dicto lacte

Gewählte Lesart: Die Kapaunbrust wird separat in Mandelmilch gekocht, bevor sie fein gehackt und zerstoßen der Hauptmischung hinzugefügt wird. Dies ist eine typische mittelalterliche Praxis, bei der bestimmte Zutaten vorab in der Basisflüssigkeit zubereitet werden.

Andere mögliche Lesarten:

  • Die Kapaunbrust wird zusammen mit den Mandeln und der Brühe gekocht, bevor die Mischung passiert wird. - Dies würde die Formulierung ‚dal principio nel dicto lacte‘ erklären, da die Kapaunbrust von Anfang an in der Flüssigkeit (die später zur Mandelmilch wird) gart. Allerdings wird die Kapaunbrust erst nach einer Stunde Kochzeit der Mandelmilch hinzugefügt, was gegen diese Lesart spricht, es sei denn, sie wird nach dem Passieren wieder hinzugefügt.
  • Die Kapaunbrust wird direkt in der Hauptmischung gekocht, trotz der Anweisung, sie nach einer Stunde hinzuzufügen. - Dies wäre eine Vereinfachung der Zubereitung, widerspricht aber der genauen Formulierung des Rezepts, das eine bereits gekochte und vorbereitete Zutat verlangt.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 26r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Benötigt konstantes Rühren über offenem Feuer für etwa eine Stunde. Die Mandeln und der Kapaun sollten idealerweise bereits zu Hause fein gemahlen bzw. püriert werden, um die Zubereitung am Lager zu erleichtern.
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