The Forme of Cury · England · 1390
Nimm Petersilie und zerstoße sie mit Kuhmilch. Vermenge dies mit Eiern und gewürfeltem Speck. Gib so viel weitere Milch hinzu, wie du brauchst, und vermische alles. Bereite daraus verschiedene Farben zu. Willst du es gelb haben, gib Safran hinzu und keine Petersilie. Willst du es weiß haben, weder Petersilie noch Safran, sondern gib Stärke (Amidoun) hinzu. Willst du es rot haben, gib Sandelholz (Sanders) hinzu. Willst du es violett haben, gib Lackmuskraut (Turnesole) hinzu. Willst du es schwarz haben, gib gekochtes und gebratenes Blut hinzu. Setze die Mischungen in so viele Gefäße, wie du Farben hast, auf das Feuer und lass sie gut sieden. Lege diese Farben nacheinander in ein Tuch - zuerst die eine, dann die nächste darüber, dann die dritte und die vierte. Presse es fest, bis alle Flüssigkeit ganz entwichen ist. Wenn es ganz erkaltet ist, schneide es in dünne Scheiben. Lege sie in eine Pfanne und brate sie gut. Serviere es.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| parsel | Petersilie | - | - |
| Cowe mylk | 500 ml Kuhmilch | - | - |
| ayrenn | 4 Eier | - | - |
| lard ydyced | 100 g gewürfelter Speck | - | - |
| safroun | 1 Prise Safranfäden | Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel | - |
| amydoun | 2 EL Weizenstärke | - | Speisestärke |
| sandres | 1 TL Sandelholzpulver | Gewürzhandel, Online-Gewürzhandel | - |
| turnesole | 1 TL Lackmuskraut (Chrozophora tinctoria) Pulver | spezialisierter Kräuterhandel, Online-Gewürzhandel | Heidelbeersaft (für violett) |
| blode ysode and fryed | 100 g gekochtes und gebratenes Schweineblut | Metzger (auf Bestellung) | Blutwurst (zerbröselt und gebraten) |
Welches Gericht ist das? Eine geschichtete, gepresste Masse aus Milch, Ei und gewürfeltem Speck, die in mehreren Farben eingefärbt, ausgekühlt, in Scheiben geschnitten und gebraten wird - der direkte Verwandte der gebratenen Milchschnitten der Lagerküche (vgl. die Fasten-Variante mit Mandelmilch und Hirse, bgs-047). Im Kern ein essbarer Regenbogen aus dem 14. Jahrhundert.
Die Farben. Das Rezept gibt eine komplette periodentreue Palette an: Gelb aus safroun (Safran), Weiß aus amydoun (Weizenstärke), Rot aus sandres (rotem Sandelholz), Violett (pownas) aus turnesole (Färberkraut) und Schwarz aus gekochtem und gebratenem Blut. Keine modernen Behelfsfarben verwenden - die historische Reihe ist hier vollständig dokumentiert (vgl. Speisefarben).
Warum pressen und auskühlen? Die einzelne Farbe wird zuerst gesiedet, bis Ei und Stärke die Milch zum Stocken bringen. Im Tuch übereinandergeschichtet und mit Gewicht gepresst, treibt man die Molke aus und verschweißt die Lagen zu einem festen Block. Erst vollständig kalt schneidet er sauber in dünne Scheiben - warm würde er zerfallen.
Praxis. Je Farbe etwa eine Tasse Milch mit einem Ei, etwas feinem Speck und dem Farbmittel verrühren und bei mittlerer Hitze unter Rühren stocken lassen (nicht sprudelnd kochen, sonst gerinnt es grob). Die warmen Massen in einem mit Tuch ausgelegten Kasten Schicht für Schicht einfüllen, mit Brett und Gewicht über Nacht kühl pressen. Den festen Block in fingerdicke Scheiben schneiden und in Butter oder Öl goldbraun braten.
„Lete Lardes“ ist ein mittelalterliches Gericht, das aus einer Milch-Ei-Mischung mit Speck besteht, die in verschiedenen Farben geschichtet, gepresst und anschließend in Scheiben geschnitten und gebraten wird. Der Name leitet sich von 'Lait' (Milch) und 'Lardes' (gewürfelt, in Anspielung auf die Form) ab. Es ist ein Beispiel für die mittelalterliche Vorliebe für optisch ansprechende Speisen.
Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet. Die einzelnen Farbschichten können über offenem Feuer gekocht werden. Zum Pressen der Schichten benötigst du zwei Bretter und Gewichte, die sich gut transportieren lassen. Das anschließende Braten ist ebenfalls problemlos am Lagerfeuer möglich.
Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen, die um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst wurde. Es bietet einen Einblick in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.
'Turnesole' ist das Lackmuskraut (Chrozophora tinctoria), das im Mittelalter als Farbstoff für bläulich-violette Töne verwendet wurde. Es ist heute schwer erhältlich, manchmal in spezialisierten Kräuterläden oder Apotheken auf Bestellung. Als periodentreue Alternative für die Farbe Violett können Heidelbeersaft, schwarze Maulbeeren oder Veilchen verwendet werden, auch wenn der Geschmack nicht identisch ist.
'Amidoun' ist ein mittelalterlicher Begriff für Stärke, meist Weizenstärke. Es dient hier als Bindemittel und zur Erzeugung einer weißen Farbe. Im modernen Haushalt kann gewöhnliche Speisestärke (Mais- oder Kartoffelstärke) verwendet werden.
'Sanders' ist Sandelholzpulver, das im Mittelalter sowohl als Farbstoff (für Rot- und Brauntöne) als auch als mildes Gewürz verwendet wurde. Es ist in Apotheken oder gut sortierten Gewürzhandlungen erhältlich.
Lete ist das altfranzösische lait (Milch); lardes meint hier die gewürfelte Speck-Form, nicht das Spicken. Also etwa „Milch-Speck-Stücke“.
Weizenstärke (von arabisch/lateinisch amidum); diente als Bindemittel und gab die weiße Schicht. Siehe Stärke.
Rotes Sandelholz - im Mittelalter das gängige rote Speise-Färbemittel und mildes Gewürz. Siehe Speisefarben.
Färberkraut (Chrozophora tinctoria), das einen blauvioletten Ton gibt. Trotz Pegges Kurkuma-Vermutung kein Gelb.
Violett, Purpur (von altfranzösisch paonace, „pfauenfarben“).
Gekochtes und gebratenes Blut für die schwarze Schicht - die periodentreue schwarze Speisefarbe.
in Scheiben schneiden (verwandt mit „Leische“, Schnitte).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
turnesole
Gewählte Lesart: Färberkraut (Chrozophora tinctoria), ein pflanzlicher Farbstoff für einen blauvioletten Ton - genau das verlangte pownas (Violett).
Andere mögliche Lesart:
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