München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460
Nimm Senfsamen und dörre sie gut. Stoße sie danach sehr fein in einem Mörser und treibe die Masse durch ein feines Tuch.
Mische gestoßene Zimtblüte und den Senf und reibe alles kräftig untereinander, bis es wie ein Wachsbrei wird.
Wenn du den Senf verwenden möchtest, nimm etwas davon und zerreibe es mit Wein. So erhältst du einen guten Senf.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| senif sam | Senfsamen | - | Supermarkt, Gewürzhandel | - |
| thimend plüe | Gestoßene Zimtblüte (getrocknete Blüte des Zimt-/Kassienbaums) | - | Gewürzhandel (Zimt-/Kassienblüten) | ersatzweise gemahlener Zimt |
| wein | Wein (zum Anrühren bei Bedarf) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Das ist ein gewürzter Senf im Geiste der mittelalterlichen Tafel-Senfe, die als haltbare Paste zubereitet und bei Bedarf frisch mit Wein angerührt wurden. Die Zimtblüte gibt ihm eine feine, süßlich-würzige Note, die ihn von rein scharfen Senfen unterscheidet.
So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der zweistufigen Zubereitung und der Textur. Röste die Senfsamen trocken in einer Pfanne, bis sie duften - das intensiviert das Aroma und macht sie mürbe. Danach musst du sie wirklich sehr fein in einem Mörser stoßen. Das ist die größte Arbeit, aber entscheidend für die spätere Glätte. Treibe die gemahlene Masse anschließend durch ein feines Tuch, um alle Schalenreste zu entfernen; nur so erhältst du ein feines Senfmehl. Mische dieses Mehl mit der gestoßenen Zimtblüte (oder gemahlenem Zimt, falls du keine Blüten hast) und reibe alles kräftig zu einer festen, wachsartigen Paste. Diese Paste ist deine Vorratsform. Achte darauf, dass sie glatt und homogen wird. Erst wenn du den Senf servieren möchtest, nimmst du eine kleine Menge davon und rührst sie mit etwas Wein (oder Most/Essig, wie es dir schmeckt) zu einer streichfähigen Konsistenz an. Wichtig: Verwende kalten oder lauwarmen Wein, da Hitze die Schärfe des Senfs reduziert. Aus demselben Grund bleibt auch das trockene Rösten der Saat zu Beginn eher mild in seiner Wirkung: feuchte Hitze (etwa ein kurzes Abbrühen der Saat in heißem Wasser vor dem Rösten) schwächt das schärfebildende Enzym Myrosinase spürbar stärker ab als trockenes Rösten allein - wer es milder mag, brüht die Saat vorher ab und trocknet sie danach erneut, was aber nur im Mörser statt in der Senfmühle funktioniert.
So wird es richtig gut. Die Qualität deines Senfs steht und fällt mit der Feinheit des Senfmehls und der Frische der Zimtblüte. Achte beim Rösten der Senfsamen darauf, dass sie nicht verbrennen, sondern nur leicht duften und an Farbe gewinnen. Die Zimtblüte gibt dem Senf eine einzigartige, leicht süßliche und blumige Würze, die sich wunderbar mit der Schärfe des Senfs verbindet. Beim Anrühren mit Wein kannst du mit der Menge spielen, um die gewünschte Konsistenz und Schärfe zu erreichen. Ein kräftiger Weißwein oder ein milder Apfelessig funktionieren hier gut. Probiere dich heran, bis die Balance aus Schärfe, Süße und Säure perfekt ist. Serviere den Senf frisch angerührt zu kräftigen Fleischgerichten oder Käse.
Zimtblüten (auch Kassienblüten) sind die getrockneten Blüten des Zimt-/Kassienbaums - ein eigenes mittelalterliches Gewürz mit warm-süßer Zimtnote, nicht identisch mit gemahlener Zimtrinde. Erhältlich im gut sortierten Gewürzhandel; ersatzweise kannst du gemahlenen Zimt verwenden.
Ja, gut geeignet. Die Herstellung des Senfs ist unkompliziert und erfordert nur grundlegendes Equipment wie Mörser und Tuch. Der fertige Senf kann gut gelagert und bei Bedarf mit Wein angerührt werden.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser, der zum Zerstoßen von Fleisch, Nüssen oder feuchten Zutaten zu einer Farce verwendet wurde. Für Senfsamen reicht jedoch ein kleinerer Gewürzmörser aus. Alternativ kannst du auch fertig gemahlenes Senfmehl verwenden.
Nur etwas. Trockenes Rösten erwärmt die Saat, aber ohne Feuchtigkeit schwächer als ein Abbrühen in heißem Wasser - das schärfebildende Enzym der Saat (Myrosinase) reagiert auf feuchte Hitze deutlich empfindlicher als auf trockene. Wer spürbar milderen Senf will, brüht die Saat vor dem Rösten kurz in heißem Wasser ab und trocknet sie danach erst; das kostet zusätzliche Zeit und funktioniert dann nur im Mörser, nicht in der Senfmühle.
Dieses Rezept stammt aus dem Klosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (Rott am Inn, Oberbayern). Präzise datierte Klosterküche: 55 bairische Rezepte aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn (datiert 1458 und 1464), Teil einer überwiegend lateinischen Sammelhandschrift (BSB München, Clm 15632, Vorbesitzer Ulrich Wülfing). Die Kochrezepte stehen auf Bl. 143r-152v. Schwerpunkt auf Fastenküche und Schaugerichten: ein aus Fisch in Holzformen geformtes Rebhuhn-Imitat, Fischfarcen, Mandelmilch und gefärbte Mandelspeisen, Nuss-Feigen-Pasten, Senf sowie Eier- und Milchspeisen (darunter gefüllte Eier in der Schale, sogenannte Kroßeier). Als datierbare Benediktiner-Küche bildet sie das direkte Gegenstück zur ebenfalls klösterlichen Tegernsee-Überlieferung (Cgm 725, Cgm 8137). Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M10 ediert; in der Münchner-Edition von Trude Ehlert (1999, Abschnitt 2.6) enthalten - Gegencheck verfügbar.
Zimtblüte - die getrocknete Blüte des Zimt-/Kassienbaums (Zimt-/Kassienblüten), ein eigenes mittelalterliches Gewürz, nicht identisch mit gemahlener Zimtrinde. 'plüe' = Blüte; der Zwilling m384-012 liest dasselbe Wort als 'czinmit pluot' = Zimtblüte. Ehlert (§2.6) glossiert es knapp als 'Zimt'. Modern ersatzweise gemahlener Zimt.
Die Senfkörner gut dörren (trockenrösten) - macht sie aromatischer und besser mörserbar.
Wie ein Wachsbrei: kräftig verreiben, bis eine knetbare, wachsartig glatte Paste entsteht (mhd. 'bert' < bern = schlagen/kneten).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| senif sam | mustard seed Q1937700 |
| thimend plüe | cassia buds Q162882 |
| wein | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: 'thimend plüe' = Zimtblüte (ziment-blüt; getrocknete Zimt-/Kassienblüte). 'plüe' = Blüte steckt im Wort, und der Zwilling Cgm 384 (m384-012) hat 'czinmit pluot' = Zimtblüte. Ehlert (§2.6) glossiert es vereinfachend als 'Zimt'. KEIN Thymian.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 16.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.