Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291 · Schwäbischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg · 1492
Einen guten Senf zubereiten. Nimm gut geriebenen Senf und stoße Zimtblüte darunter. Verrühre es kräftig mit Honig, bis es die Konsistenz von vorbereitetem Wachs hat.
Forme dann kleine Stückchen daraus und lass sie trocknen. Wenn du den Senf verwenden möchtest, verrühre ihn mit Wein und gebrauche ihn.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| senff wol geriben | Geriebener Senf | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Senfsaat selbst mahlen |
| zimet bluost | Zimtblüte | - | Online-Gewürzhandel | Zimtstange, gemahlen |
| hong | Honig | - | - | - |
| win | Wein | - | - | - |
Welches Gericht ist das?
Ein gewürzter Honig-Senf, der zu einer wachsartigen Paste verarbeitet, zu kleinen Stücken geformt und getrocknet wird. Das Rezept gehört zu einer Rezeptfamilie, die sich beinahe wortgleich in mehreren Kochbüchern des 15. Jahrhunderts findet - im Mondseer Kochbuch, bei Meister Hans, in Cgm 384, Cgm 5919 und in der Klosterhandschrift Rott am Inn (Clm 15632) wird jeweils gemahlener Senf mit Zimtblüte und Honig zu Wachs-Konsistenz verrührt und vor Gebrauch mit Wein angerührt.
Zur Verrühr-Anweisung. In den Paralleltexten steht an dieser Stelle durchweg vast im Sinn von „sehr/kräftig“ - etwa „gar vast vntter ein ander“ im Mondseer Kochbuch oder „reib eß vast vnder ein ander“ in der Klosterhandschrift Rott am Inn (Clm 15632). Gemeint ist die Intensität des Verrührens, nicht eine feste oder kompakte Konsistenz.
Zum Wachs-Vergleich. Der Vergleich mit Wachs findet sich fast wortgleich in den meisten Paralleltexten (u.a. „recht als der wachs bertt“, „als der wachs pir“, „alz der wachs pert“) und beschreibt eine formbare, aber nicht mehr flüssige Konsistenz - fest genug, um anschließend zu Stückchen geformt zu werden.
Besonderheit dieser Fassung. Anders als die Paralleltexte, die die fertige Paste flüssig-wachsartig als Vorrat im Glas halten, ist dies unter den geprüften Paralleltexten die einzige Fassung, die die Paste zu kleinen Stücken formt und trocknen lässt - eine Trocken-Konservierung statt Glas-Lagerung. Der Text nennt außerdem keinen eigenen Mahl- oder Passierschritt, sondern setzt bereits gemahlenen Senf voraus, während die Paralleltexte das Mahlen der rohen Senfsaat ausdrücklich beschreiben.
Praxis. Fein gemahlenen Senf mit etwas gemahlener Zimtblüte mischen und mit flüssigem Honig kräftig verrühren, bis eine feste, formbare Paste wie weiches Wachs entsteht. Kleine Stücke daraus formen und an der Luft trocknen lassen - die Masse zieht wegen des Honigs weiter Feuchtigkeit an und bleibt daher innen eher fest-klebrig als hart durchgetrocknet; für die Marktpraxis ist das unerheblich. Zum Verzehr die getrockneten Stücke mit etwas Wein glattrühren, bis wieder eine streichfähige Paste entsteht.
Zimtblüte ist in gut sortierten Gewürzhandlungen oder online erhältlich. Alternativ kannst du auch gemahlene Zimtstangen verwenden, wobei das Aroma der Zimtblüte feiner und weniger dominant ist.
Goldstandard: Dieser Senf ist ideal für die Lagerküche, da er als trockene Stückchen vorbereitet und gelagert werden kann. Bei Bedarf wird er einfach mit Wein angerührt und ist sofort einsatzbereit.
Die Wendung beschreibt die gewünschte Konsistenz der Senf-Honig-Mischung: fest und formbar wie Wachs, nicht mehr flüssig. Diese Vergleichsformel findet sich fast wortgleich in mehreren Kochbüchern des 15. Jahrhunderts; ob „berait“ dabei genau „bereitet/fertig“ heißt oder eine Lautvariante der dort verwendeten Formen ist, bleibt sprachlich ungeklärt.
Dieses Rezept stammt aus dem Alemannisches Büchlein von guter Speise (N1) (Schwäbischer Sprachraum - Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift N1: die 26 Kochrezepte (fol. 17r-24r) der Sammelhandschrift Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291, schwäbisch, 1492-1494. Anton Birlinger hat sie 1865 als "Alemannisches Büchlein von guter Speise" gedruckt - die einzige gemeinfreie wissenschaftliche Edition zu einer CoReMA-Handschrift und damit ein vollwertiger Gegencheck neben dem TEI-Text. Jedes Rezept trägt im Original eine rote Überschrift. Textlich am Ende der Traditionslinie des "Buoch von guoter Spise" (bgs, um 1350) und des Meister Eberhard (meb); direkte Motiv-Parallelen zu ka1 (Krosaier), zum Holdermus-Cluster (ka1/kkm/m384/meb/rfk) und zum heidnischen Pfannkuchen (ka2/m5919/mha/mon).
Hier ist fein gemahlene Senfsaat gemeint, nicht fertiger Senf aus dem Glas.
Die Zimtblüte ist der getrocknete Blütenstand des Zimtbaums, der ein feineres, blumigeres Zimtaroma als die Rinde besitzt.
Diese Vergleichsformel für die gewünschte Konsistenz - formbar, aber nicht mehr flüssig, wie weiches Wachs - findet sich fast wortgleich in mehreren Paralleltexten. Ob „berait“ hier genau „bereitet/fertig gemacht“ bedeutet oder eine Lautvariante der dort belegten Formen ist, lässt sich nicht sicher klären (siehe interpretive_choices).
Kleine, geformte Stücke der Senfpaste, die getrocknet werden, um den Senf haltbar zu machen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| senff wol geriben | mustard seed Q1937700 |
| hong | honey Q10987 |
| win | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
als der wachs berait
Gewählte Lesart: Die Wachs-Vergleichsformel für die gewünschte Konsistenz (formbar, nicht mehr flüssig) ist in mehreren Paralleltexten fast wortgleich belegt (u.a. „als der wachs bertt“, „als der wachs pir“, „alz der wachs pert“, „als der wax pa“, „als das wackchs“); ein weiterer Paralleltext variiert sie zu „als ein muoss“. Das spricht dafür, dass „berait“ Teil derselben verbreiteten Formel ist und kein vereinzelter Verschreiber.
Andere mögliche Lesarten:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 28.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.