Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Um ähnliche Saucen zuzubereiten, folge der Anweisung, die oben im Kapitel über die Zubereitung der Traubensauce gegeben und beschrieben wurde. Du kannst die Farbe jedoch mehr oder weniger variieren, je nachdem, welche Frucht du hinzufügst.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| cerase negre o viscioli | Schwarze Kirschen oder Sauerkirschen | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine Frucht-Sauce aus schwarzen Kirschen oder Sauerkirschen - im Original sapor de cerase negre o viscioli. Martino behandelt sie als bloße Farb- und Frucht-Variante seiner zuvor beschriebenen Traubensauce (sapore de uva): gleiches Verfahren, anderes Obst. Sie gehört in dieselbe Familie wie die spätmittelalterlichen Kirsch-Latwergen und Fruchtmuse (vgl. Weixelsalsen und Kirschen-Latwerge im Korpus), die als süß-würzige Begleitung zu Braten und Wild gereicht wurden.
Der Kern ist ein Querverweis: seguirai l'ordine ... de fare sapore de uva („folge der Anweisung für die Traubensauce"). Das eigentliche Verfahren steht also in einem anderen Kapitel und ist hier nicht ausgeschrieben - für die Praxis muss man das typische Verfahren rekonstruieren. Der Schlusssatz poterai fare differente di colore erklärt nur, dass sich Farbe und Ton je nach Frucht verschieben (dunkles Kirschrot statt Traubenrot) - hier ist KEINE künstliche Färbung gemeint, die Farbe kommt aus der Frucht selbst.
Praxis. Entsteinte schwarze Kirschen oder Sauerkirschen weich kochen und durch ein Sieb oder Tuch passieren. Das Mus mit den im Mittelalter üblichen Gewürzen abschmecken (Zimt, Ingwer, etwas Nelke), bei Bedarf mit etwas Verjus oder Essig Säure und mit Zucker oder Honig Süße einstellen, und auf Saucen-Konsistenz einkochen. Sauerkirschen brauchen mehr Süße, dunkle Süßkirschen mehr Säure. Zu gebratenem oder gesottenem Fleisch reichen.
Ein 'sapor' (wörtlich ‚Geschmack‘) bezeichnet in mittelalterlichen Kochbüchern oft eine würzige Sauce oder ein Kondiment, das zu Fleisch oder anderen Speisen gereicht wird. Es ist keine eigenständige Mahlzeit, sondern eine geschmacksgebende Beilage.
Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung einer Fruchtsauce erfordert lediglich einen Topf und die Möglichkeit, die Früchte zu kochen und zu passieren, was auch über offenem Feuer möglich ist.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, verfasst um 1465 in Norditalien. Es ist eines der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts und gilt als Vorläufer der modernen italienischen Küche.
Das Rezept für die Traubensauce ist hier nicht enthalten. Typischerweise würde man die Trauben kochen, passieren, mit Gewürzen (oft Zimt, Ingwer, Nelken) und eventuell etwas Essig oder Zucker abschmecken und eindicken. Für dieses Kirschsaucen-Rezept würde man die Kirschen entsprechend behandeln.
Begleitsauce, Würztunke - keine eigenständige Speise.
schwarze (dunkle) Süßkirschen.
Weichsel- bzw. Sauerkirschen.
Traubensauce - das in einem früheren Kapitel beschriebene Grundrezept, auf das hier nur verwiesen wird.
„unterschiedlich in der Farbe" - der Farbton ergibt sich aus der jeweiligen Frucht, nicht aus zugesetzten Farbstoffen.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
seguirai l'ordine ... de fare sapore de uva
Gewählte Lesart: Das Rezept verweist auf die zuvor beschriebene Traubensauce; das vollständige Verfahren ist hier nicht ausgeschrieben und muss aus dem typischen Frucht-Sauce-Verfahren des Korpus rekonstruiert werden (kochen, passieren, würzen, einkochen).
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.