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Gebratene Pilze

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Reinige die Pilze sehr gründlich. Lasse sie dann in Wasser mit zwei oder drei Knoblauchzehen und Brotkrume kochen. Dies tut man, weil Pilze von Natur aus als giftig galten. Danach nimm die Pilze heraus und lasse das Wasser gut abtropfen, sodass sie trocken sind. Brate sie anschließend in gutem Öl oder Schmalz. Wenn sie gar sind, streue Gewürze darüber.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
li fonghi Pilze (Menge nach Belieben) - -
acqua Wasser Leitung -
doi o tre capi d'aglio 2-3 Zehen Knoblauch - -
mollicha di pane Brotkrume - -
bono olio, o in lardo Pflanzenöl oder Schweineschmalz - -
de le spetie Gewürze nach Wahl - -

Welches Gericht ist das? Gebratene Pilze - sauber, simpel und bis heute lebendig: erst vorgekocht, dann in Fett gebraten und gewürzt, im Kern die direkte Großmutter unserer gebratenen Champignons. Verwandt mit Martinos zweitem Pilzrezept (mar-072) und den englischen Pilzen in Brühe (foc-010).

Der ungewöhnliche erste Schritt - das Vorkochen in Wasser mit Knoblauch und Brotkrume - erklärt der Text selbst: perché da natura sonno venenosi, weil Pilze als von Natur giftig galten. Knoblauch und mollicha di pane (Brotkrume) galten als Mittel, das vermeintliche Gift zu binden. Küchentechnisch hat das Vorkochen einen realen Effekt: es entwässert die Pilze und macht sie fester, sodass sie beim anschließenden Braten nicht im eigenen Saft schwimmen.

Genau darauf zielt das lassa ben colare ... in modo che restino sciutti - gut abtropfen, bis sie trocken sind. Nasse Pilze braten nicht, sie kochen. Erst die trockenen Pilze kommen ins heiße olio oder lardo (Schmalz) und bekommen Farbe. Die Gewürze obenauf vollenden das Gericht.

Praxis. Pilze putzen, kurz (3-4 Minuten) in Wasser mit 2-3 angedrückten Knoblauchzehen und einer Handvoll Brotkrume aufkochen. Herausnehmen, gut abtropfen und trockentupfen. In heißem Öl oder Schmalz scharf anbraten, bis sie Farbe nehmen. Mit Pfeffer und etwas Ingwer/Zimt bestreuen.

Was bedeutet die Anmerkung, dass Pilze ‚giftig‘ seien?

Im Mittelalter herrschte die weit verbreitete Annahme, dass Pilze von Natur aus giftig seien. Das Vorkochen mit Knoblauch und Brotkrume sollte diese vermeintlichen Giftstoffe entziehen. Aus heutiger Sicht ist dies natürlich nicht korrekt; die Giftigkeit hängt von der Pilzart ab.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach zu transportieren und die Zubereitung über offenem Feuer oder auf einem Kocher ist unkompliziert und schnell.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Libro de Arte Coquinaria“ (Buch der Kochkunst), verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts in Italien. Es ist ein wichtiges Zeugnis der norditalienischen Küche der Frührenaissance.

Was sind ‚capi d'aglio‘ und ‚mollicha di pane‘?

‚Capi d'aglio‘ bedeutet wörtlich ‚Knoblauchköpfe‘, ist aber im Kochkontext meist als ‚Knoblauchzehen‘ zu verstehen. ‚Mollicha di pane‘ bezeichnet die weiche Brotkrume, also das Innere des Brotes ohne Rinde.

[Funghi fritti.] Netta li fonghi molto bene, et falli bollire in acqua con doi o tre capi d'aglio, et con mollicha di pane. Et questo si fa perché da natura sonno venenosi. Dapoi cavagli fora et lassa ben colare quella acqua in modo che restino sciutti, et dapoi frigili in bono olio, o in lardo. Et quando son cotti mettevi sopra de le spetie.
capi d'aglio

wörtlich „Knoblauchköpfe“ - im Kochkontext meist als Knoblauchzehen zu lesen.

mollicha di pane

die weiche Brotkrume, das Innere des Brotes ohne Rinde.

venenosi

„giftig“ - Pilze galten im Mittelalter als von Natur giftig; das Vorkochen mit Knoblauch und Brot sollte das vermeintliche Gift binden.

in modo che restino sciutti

„sodass sie trocken sind“ - gut abtropfen lassen, sonst kochen die Pilze in der Pfanne statt zu braten.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 20r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdoi o tre capi d'aglio

Gewählte Lesart: 2-3 Knoblauchzehen

Andere mögliche Lesart:

  • 2-3 ganze Knoblauchköpfe - capi heißt wörtlich „Köpfe“. Da der Knoblauch hier nur dem Vorkochwasser Aroma (und der mittelalterlichen Vorstellung nach „Entgiftung“) gibt und nicht mitgegessen wird, wären ganze Köpfe denkbar; für die Alltagspraxis sind Zehen jedoch die naheliegende Menge.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 20r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Frische Pilze, Knoblauch, Brot und etwas Fett - wenig Gerät, kurze Garzeit, alles am Feuer machbar. Wichtig nur: die vorgekochten Pilze gut abtropfen, sonst braten sie nicht.
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