Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Setze die Roselli mit Fleischbrühe zum Kochen auf. Wenn sie fast gar sind, gib ein wenig fein geschnittene Petersilie und Minze dazu. Sollte die Brühe zu klar sein, passiere sie mit einer Brotkrume, wie zuvor gesagt. Und wenn die Roselli gar sind, richte die Portionen an und gib Gewürze darauf.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| roselli | kleine Pasta oder Getreidekörner | 200 g | - | Kleine Nudeln (z.B. Sternchen, Grieß) oder Graupen |
| brodo di carne | 1 Liter Fleischbrühe | 1 l | - | - |
| petrosillo | Petersilie | - | - | - |
| menta | Minze | - | - | - |
| mollicha | Brotkrumen (oder altbackenes Brot) | 50 g | - | - |
| spetie | Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Safran) | 1 Prise | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine ganz schlichte Menestra - bei Martino ein gebundenes Brühengericht, keine klare Suppe - mit kleinem Korngut, das in Fleischbrühe gart und mit Petersilie und Minze frisch gewürzt wird. Der lebende Verwandte ist die italienische pastina in brodo: kleine Suppennudeln (Sternchen, Buchstaben, Risi) im Hühner- oder Rinderfond, das klassische Kinder- und Krankensüppchen. Eine schnörkellose Resteküchen-Suppe, wie man sie heute noch isst.
Was sind roselli? Der Begriff ist nicht eindeutig überliefert. Am ehesten ein kleines Korn- oder Teigprodukt, das in Brühe gart - kleine Nudeln, Grießkügelchen oder ein Getreidekorn (Graupen). Eine ringförmige Nudel (von rosa, Röschen) ist denkbar, aber nicht gesichert. Für die Praxis spielt die genaue Sorte keine Rolle: Es geht um etwas Kleines, Stärkehaltiges, das die Brühe sämig macht und Substanz gibt.
Das Trüben der Brühe (passare con una mollicha). Martino verweist hier ausdrücklich auf das unmittelbar davorstehende Rezept (mar-062): Ist der Sud zu klar und dünn, wird er mit eingeweichter mollica - der weichen Krume aus dem Inneren des Brotlaibs, ohne Rinde - gebunden und durchs Tuch passiert. Das ist die zeittypische Brotbindung, lange vor der Mehlschwitze. Hier ist sie oft gar nicht nötig, weil die Stärke der roselli selbst die Brühe leicht bindet - daher das "sollte die Brühe zu klar sein".
Praxis. Auf etwa 1 Liter kräftige Fleisch- oder Hühnerbrühe rund 150-200 g kleine Suppennudeln oder Graupen geben und je nach Sorte 8-15 Minuten köcheln. Erst kurz vor Schluss je ein gut gehäuftes Esslöffelmaß fein geschnittene Petersilie und Minze einrühren, damit sie frisch bleiben. Ist die Brühe zu dünn, eine Handvoll entrindete Weißbrotkrume kurz mitkochen und durchs Sieb streichen. Zum Anrichten eine Prise warme Gewürze (Pfeffer, etwas Ingwer, eine Spur Safran) über die Portionen geben - typisch für die süß-würzige Hofküche.
‚Roselli‘ ist ein alter italienischer Begriff, der sich auf kleine, oft ringförmige Pasta oder Getreidekörner beziehen kann. Im modernen Kontext kannst du kleine Nudeln wie Sternchennudeln, Grieß oder auch Graupen verwenden.
Ja, sehr gut geeignet. Es benötigt nur einen Topf und eine Feuerstelle. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung ist schnell.
Bei Maestro Martino ist eine ‚menestra‘ ein gebundenes Brühen- oder Suppengericht, keine klare Bouillon - der Sud wird mit Brot oder der Stärke der Einlage sämig gemacht. Am Ende des Rezepts (fa' le menestre) sind damit die fertig angerichteten Portionen gemeint.
Dieses Rezept stammt aus dem Libro de Arte Coquinaria (Norditalien). Das erste große Kochbuch der italienischen Renaissance (~1465). Maestro Martino, Chefkoch des Patriarchen von Aquileia, beschreibt als Erster Kochtechniken mit präzisen Mengen und Zeiten. 268 Rezepte in 6 Kapiteln: Fleisch, Suppen/Pasta, Saucen, Pasteten, Frittiertes, Fisch.
Bei Martino ein gebundenes Brühen- oder Suppengericht, nicht eine klare Bouillon. Menestre am Ende des Rezepts meint die fertig angerichteten Portionen.
Nicht sicher überliefert, am ehesten ein kleines Korn- oder Teigprodukt zum Garen in Brühe - kleine Nudeln, Grießkügelchen oder ein Getreidekorn (z.B. Graupen).
Fein geschnitten - hier bezogen auf Petersilie und Minze, die kurz vor Schluss eingerührt werden.
Die weiche Krume aus dem Inneren des Brotlaibs (ohne Rinde), eingeweicht und durchs Tuch passiert zum Binden der Brühe - die zeittypische Brotbindung vor der Mehlschwitze. "Como è ditto di sopra" verweist auf das vorhergehende Rezept (mar-062).
Allgemeine Bezeichnung für Gewürze, im Mittelalter meist eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat und Safran. Hier zum Schluss über die Portionen gegeben.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| brodo di carne | meat stock Q67860017 |
| menta | mint Q27640062 |
| spetie | spice Q42527 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
roselli
Gewählte Lesart: Ein kleines Korn- oder Teigprodukt, das in Brühe gegart wird - am ehesten kleine Nudeln, Grießkügelchen oder ein Getreidekorn (z.B. Graupen).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 24.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.